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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Theater: Mit Vollgas durch den Klinik-Wahnsinn

28.10.2016

Nordenham Drei Türen gibt es im Ärztezimmer von Dr. David Mortimore. Eine links, eine rechts und eine neben dem Fenster. Jedes Mal, wenn sich eine der Türen öffnet, schießen dem Doktor neue Schweißperlen auf die Stirn, jedes Mal droht neues Unheil über den Mann hereinzubrechen, und jedes Mal wird das Kartenhaus aus Lügen, mit dem sich der angehende Chefarzt aus der Bredouille windet, noch ein wenig wackeliger. Durchatmen unmöglich. Auch nicht für das Publikum, das sich bei der ausverkauften Premiere des Theaters Fatale immer wieder vor Vergnügen krümmt.

Mehr als 100 Besucher sehen am Mittwochabend das neue Stück „Und alles auf Krankenschein“ im Güterschuppen. Mit lachtränenfeuchten Augen versuchen sie der Hochgeschwindigkeitskomödie zu folgen, im Labyrinth von Verwirrungen und Verwicklungen die Übersicht zu behalten und dabei keine Pointe zu verpassen, was nicht gerade einfach ist.

In Aktion (von links): Lukas Mendelsohn, Hans-Gerd Hansing und Susanne Hübler

Karten bei NMT

Nach der Premiere ist das Stück noch zwölf Mal zu sehen. Abendtermine (20 Uhr) sind am 28. und 29. Oktober sowie am 11., 12., 18., 19., 25. und 26. November. Nachmittagsvorstellungen (17 Uhr) sind am 6., 13. und 20. November. Ausverkauft ist die Vorstellung am Sonnabend, 19. November. Karten gibt es im Vorverkauf für 13 Euro in der Geschäftsstelle von Nordenham Marketing & Touristik am Marktplatz.

Zum Erfolg des Stücks trägt auch das Team hinter den Kulissen bei. Dazu gehören Ulf Goerges (Regisseur), Uschi Wilkens (Regieassistentin), Sabine Müller und Birgit Blomenkamp (Souffleusen), Rita Lüddecke (Kostüme), Renate Repert und Marlies Strauch (Requisiten), Vera Heinrich (Frisuren), Sabine Hartfil (Maske), Wilfried Derra und Günter Schött (Technik) sowie Reinhard Koopmann, Frank Repert und Heiner Nordbruch (Bühnenbau).

Messlatte hochgelegt

Wieder einmal legen die Fatalen die Messlatte für Komödienkunst in Nordenham ganz hoch. Ein Ensemble, das nur so sprudelt vor Spielfreude, bereitet seinem Publikum eine Theaterspaß allererster Güte. Im Mittelpunkt steht Axel de Grave. Er spielt den Arzt, der sich gerade auf seine große Rede vorbereitet und seinen Kittel gegen Anzug und Krawatte getauscht hat. Nur noch wenige Minuten, dann beginnt der Neurologen-Kongress in der Klinik. Ausgerechnet jetzt platzt ständig irgendein Trottel zur Tür hinein. Mortimore ist genervt. „Kollegen von Island bis Japan haben es für sinnvoll erachtet, für diesen Kongress nach London zu kommen, aber hier geht’s rein und raus wie in der Urologie“, schimpft er.

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Wäre alles halb so schlimm, stünde da nicht plötzlich Jane Tate (Birgit Glückselig) im Zimmer, eine frühere Lernschwester, mit der Mortimore vor 18 Jahren ein Schäferstündchen hatte. Das Resultat ist ein Sohn, von dem der Doktor bislang nichts wusste. Klar, dass ihm die Kinnlade aus dem Gesicht fällt, als er davon erfährt. Und unten beim Empfang wartet der Bengel, den die Polizei gerade erwischt hat, wie er besoffen und ohne Führerschein mit dem Auto vorgefahren ist. Er will unbedingt seinen Vater kennenlernen.

Einfach nur köstlich wie Axel de Grave den Doktor spielt, der verzweifelt versucht, die Nerven zu bewahren in dem Chaos, das er mit seinen Flunkereien selbst heraufbeschwört. Ray Cooney muss mächtig Spaß gehabt haben, als er die Komödie schrieb. Genüsslich schubst er seine Hauptfigur von einer Verlegenheit in die nächste. Mortimore muss es ausbaden. Axel de Grave spielt diesen zynischen, leidenden, arroganten, herablassenden, aber auch obrigkeitshörigen Schlipsträger so überzeugend, dass die Zuschauer bei allem Vergnügen auch ein wenig Mitleid mit ihm haben.

Regisseur Ulf Goerges hat sein Ensemble einmal mehr glänzend vorbereitet. Immer wieder hat er den Darstellern eingetrichtert, dass gerade Komödie große Ernsthaftigkeit erfordert, damit sie nicht in Klamauk abgleitet. Weiträumig umschiffen die Fatalen diese gefährliche Klippe.

Top Darsteller

Das Tempo des Stücks ist kaum zu toppen. Schon nach wenigen Minuten wird der Turbo gezündet. Dann geht’s mit Vollgas weiter bis zum Finale. Hut ab vor den Fatalen, die geprobt haben bis der Arzt kommt und stolz sein können auf dieses wunderbare Ergebnis. Hut ab nicht nur vor Axel de Grave, der mit Abstand den meisten Text lernen musste. Die anderen Schauspieler stehen ihm in nichts nach: Birgit Glückselig als flippige Ex-Geliebte, Lukas Mendelsohn als deren Sohn, Susanne Hübler als Mortimores Frau, Olaf de Grave und Hans-Gerd Hansing als Ärzte, Susanne Seedorf als Oberschwester, Rolf Wilkens als trinkfreudiger Patient, Helge Schellstede als Polizist und Björn-Sören Schlemmer als Aufsichtsratsvorsitzender der Klinik. Die Darsteller-Riege bietet ihrem Publikum knapp zwei Stunden beste Unterhaltung. Zur Belohnung gibt’s den frenetischen Applaus der Zuschauer und die Erkenntnis, dass sich die mühsame Arbeit bis zur fertigen Inszenierung wieder einmal gelohnt hat.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.youtube.com/nwzplay 
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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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