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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mit Westermanns Tanztee fängt alles an

07.01.2015

Nordenham Ein paar alte Singles und Langspielplatten hat Ralf Dähne noch im Keller verstaut. Verstaubte Relikte aus den 70er-Jahren, schöne Erinnerungen an die Zeit, als er in der Hermann-Ehlers-Siedlung aufwuchs. Die erste Single überhaupt hat der 55-Jährige bei Woolworth in der Friedrich-Ebert-Straße gekauft: „Mandy“ von Barry Manilow. Musik spielt eine große Rolle im Leben von Ralf Dähne. 37 Jahre hat er als Discjockey gearbeitet. „Jetzt soll damit Schluss sein“, sagt der Nordenhamer.

Wie fing alles an? Es war 1975. Ralf Dähne hatte gerade eine Ausbildung zum Schiffbauer begonnen. Außerdem machte er das, was viele Jugendliche in seinem Alter taten. Er ging zur Tanzschule. Bei Westermann war jeden Sonntag Tanztee. Hier konnten die jungen Leute ihre Schritte üben. Eines Tages fiel der Stamm-DJ aus. Ralf Dähne sprang ein. Und das kam bei seinem Publikum so gut an, dass er fortan immer öfter die Musik auflegen durfte.

Wie viele Jugendliche hing auch Ralf Dähne Sonnabendmittags am Radio. Wer auf dem neuesten Stand sein wollte, hörte bei Radio Bremen „Hitline International“ mit Moderator Christian Günther. Ralf Dähne schrieb sich genau auf, welcher Titel auf welchem Platz in den Hitlisten stand. Futter für seine Moderationen im Saal der Tanzschule. Sonntag für Sonntag, später auch sonnabends, packte er seine Plattensammlung in eine Plastiktüte, klemmte sie auf dem Gepäckträger fest und fuhr mit dem Fahrrad zu Westermann.

Seine erste Stereo-Anlage kaufte sich Ralf Dähne bei Radio Sonder. Für heutige Verhältnisse ein Modell aus der Steinzeit der Audio-Technik. Im Januar 1980 machte dann das Bayou in Abbehausen auf. Für Nordenhamer Verhältnisse ein Tanzschuppen der Superlative: edel eingerichtet, ein Sound vom Feinsten, es gab sogar einen Lichtjockey. „Bis zum Kaufhaus Renken standen die Leute Schlange“, erinnert sich Ralf Dähne.

Das Bayou brummte

1983 wechselte der Nordenhamer gemeinsam mit Peter Schmidt von der Tanzfläche ans Mischpult. Die beiden übernahmen jeweils zwei Tage. Mittwochs, freitags, sonnabends und sonntags war die Discothek geöffnet. Von 1984 bis 1986 arbeitete Ralf Dähne als fest angestellter DJ im Ba­you. Eine Zeit, an die er sich gerne zurückerinnert. Der Laden brummte. Um 20.30 Uhr war die Tanzfläche brechend voll – bis spät in die Nacht. Kim Wilde, Boney M., Modern Talking, später U2 oder „Tainted Love“ von Soft Cell, Barry White, Kool and the Gang, es wurde viel Soul gespielt, aber auch die neue Deutsche Welle war angesagt.

Doch irgendwann war zumindest für Ralf Dähne die Luft ein bisschen raus. Er stieg ins Versicherungsgeschäft ein. Als DJ half er bei Kollegen aus, bei Harald Sommer zum Beispiel, bei Peter Diekelmann und Jörg Stöver. Polterabende, Hochzeiten, Geburtstagsfeste, Weihnachtsfeiern. Bei vielen Norwo-Partys füllte Ralf Dähne die Pausen, wenn sich Live-Stars wie Ireen Sheer, John Kincade oder Juliane Werding ausruhten.

„Wer damals mit einer Mobilen Discothek unterwegs war, hatte gut zu tun“, erinnert sich Ralf Dähne. So gut, dass sich der Nordenhamer entschloss, auf eigene Rechnung als Discjockey zu arbeiten. Am 1. November 1990 meldete er ein Gewerbe an. „Die Nachfrage war so groß, ich konnte mich vor Aufträgen kaum retten.“ Dabei war die Musik – mit Ausnahme der zweijährigen Anstellung im Bayou – immer nur ein Nebenjob. Ein Höhepunkt: Mitte der Neunziger heuerte ihn Rolf Ahlers an. Bei einer Mini-Kreuzfahrt auf der Nordsee spielte er die Musik in der Sektbar. „Ich habe in den zwei Tagen nicht einmal meine Kabine gesehen.“

Im Laufe der Zeit hat sich vieles verändert. Die Schallplatten-Ära ging zu Ende. Ralf Dähne sattelte auf CDs um. Inzwischen hat er seine Musiksammlung längst auf Festplatte gespeichert. Rund 70 000 Titel, schätzt er.

Aber noch etwas hat sich verändert. Die Auftragslage ist längst nicht mehr so wie vor 20 Jahren. Ralf Dähne führt das auch darauf zurück, dass Musik heute jederzeit verfügbar ist, dass aktuelle Hits im Internet nur einen Mausklick entfernt sind, dass junge Leute gigantische Mengen von Musikdateien auf ihren Festplatten horten können und jederzeit in der Lage sind, selbst eine Party zu beschallen.

Schöne Erinnerungen

Auch mit der aktuellen Musik selbst kann sich Ralf Dähne nicht mehr so recht anfreunden. „Was heute angesagt ist, ist morgen schon wieder out.“ Der Nordenhamer gibt zu, dass er mit dieser Schnelllebigkeit seine Probleme hat. Und mit der Erwartungshaltung seines Publikums. Ralf Dähne erfüllt gerne Musikwünsche. Aber wenn ein junges Mädchen mit dem Smartphone kommt und sagt: „Du hast doch bestimmt Bluetooth, dann kannst doch diesen Titel hier abspielen“, dann wird ihm bewusst, dass für ihn die DJ-Laufbahn zu Ende ist.

Deshalb ist nun Schluss. Ohne Groll und mit vielen schönen Erinnerungen schlägt Ralf Dähne dieses Kapitel seiner bewegten Biografie zu.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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