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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mit wippenden Füßen ganz locker ins Jahr gestartet

03.01.2014

Seefeld Es ist gute Tradition, dass die Seefelder Mühle schon am Neujahrsnachmittag ihr erstes Konzert veranstaltet. Nach Cara Vie in den Vorjahren trat dieses Mal das Oldenburger Swing-Quartett Chapeau Manouche auf – und im Café blieb kein Platz frei.

Zur Gruppe gehören der Kontrabassist Benjamin Bökesch, die Gitarristen Manolito Steinbach und Wilhelm Magnus sowie der Geiger Clemens Schneider. „Eine preisgünstige Holzhütte in Schweden“ verhinderte jedoch seine Teilnahme, so dass er – würdig – von Sorin Ferat vertreten wurde. Ferat und Wilhelm Magnus hatten im Vorjahr bei Cara Vie gespielt.

Benjamin Bökesch führte durch das 19 Stücke umfassende Programm, in dessen Zentrum der Gypsy-Swing des legendären Gitarristen Django Reinhardt (1910 bis 1953) steht. Mal flott und rhythmisch, dann wieder sanfter und emotionaler swingend, zeichnet diese Musik ein zentrales Merkmal aus: Musiker und Publikum wippen ständig mit dem Fuß.

Angenehmes Gefühl

Überwiegend transportiert diese Musik ein sehr angenehmes und entspanntes Lebensgefühl, das einerseits in auffallendem Kontrast zu ihrem Anspruch an die Musiker steht, andererseits in keiner Weise der Lebenswirklichkeit europäischer Sinti im 20. und 21. Jahrhundert entspricht. Große Teile der Familie Django Reinhardts wurden in deutschen Konzentrationslagern ermordet. In der aktuellen Zuwanderungsdebatte sind rumänische Sinti zur Zielscheibe populistischer Angriffe geworden.

Django Reinhardt, der früh die Beweglichkeit zweier Finger an der Greifhand eingebüßt hatte, machte aus dieser Einschränkung eine Tugend. Viele Gitarristen können mit fünf Fingern nicht spielen, was er seinerzeit vollbrachte. Das rettete ihm während der deutschen Besetzung von Paris das Leben, denn Jazzfans unter den Offizieren wollten ihn spielen sehen.

Würdiger Erbe

Manolito Steinbach ist ein würdiger Erbe von Reinhardts Tradition. Er überzeugt mit filigraner Fingerarbeit und einem hohen Anteil an Improvisation bei seinen vielen Soli. Gleichzeitig fügt er sich als Rhythmusgitarrist mannschaftsdienlich ein. Mit Spielfreude und Konzentration ist er eine wichtige Säule der Band. Schön, dass er das Spiel von Sorin Ferat – übrigens ein rumänischer Roma – immer wieder goutiert, der sich als Ersatz ohne viel Proben in die Formation hineingeigt – und das überzeugend.

Sein Instrument ist das emotionale Element, es „singt“ sich so oft in die Herzen der Zuhörer, kann aber auch gut im Duett und im Gleichklang mit der Gitarre erlebt werden.

Konzentriert und ernsthaft geht auch Wilhelm Magnus zu Werke. Der Diplomgitarrist und Musiklehrer an der Zinzendorfschule ist bekennender Django-Reinhardt-Fan, entsprechend überzeugt er als Rhythmusgitarrist und in vielen Soli durch Gefühl, Fingerfertigkeit und technische Virtuosität.

Mit geschlossenen Augen sieht man Benjamin Bökesch oft hinter seinem riesigen Kontrabass agieren, den er streichelt, zupft, klopft oder sanft anschlägt. Mit wenig Spielraum zur Improvisation erfüllt er souverän und einfühlsam die Rolle des zentralen Rhythmus-Instrumentalisten, der sich nur gelegentlich mit einem kleine Solo hervortut.

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