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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mit Wortwitz gegen Fremdenhass

08.04.2017

Nordenham Um fünf nach Acht herrscht gespannte Ruhe in der Jahnhalle. Aus der Anlage tönt eine marktschreierartige Ankündigung und dann steht er auf der Bühne. Dave Davis, mit lässiger Strickmütze auf dem Haupt, jugendlich gewandet, strahlt sein Publikum an und wird sofort zum Sympathieträger.

Dave Davis ist ein in Uganda geborener stolzer Deutscher, wie er betont, und „ene Kölsche Jung“. Er beherrscht die deutsche Sprache besser als die meisten mit der Hautfarbe „gedämpft Ferkelrosa“, daneben Englisch, Ugandisch und viele deutsche Akzente.

Aus beruflichen Gründen waren seine Eltern nach Griechenland gegangen und wegen der Diktatur Idi Amins in Uganda entschlossen sie sich, in Deutschland Asyl zu suchen. Mittlerweile sind alle Familienmitglieder deutsche Staatsbürger.

Mit seinem Programm strebt Davis an, die als so traurig und ernst wahrgenommenen Deutschen froh und stolz zu machen. Sie sollen sich selbst lieben, damit sie andere nicht hassen müssen. Schön wären dafür Sprachkenntnisse in der Muttersprache statt Äußerungen wie „Geh’ isch Zoo?“ und Kölner Toleranz, getreu dem Motto „Mir sin all nur Minsche“.

Nachbar-Besuche

Für AfD und Pegida hat er kein Verständnis, spürt, wie beim Anglergruß „Petri heil!“ seine rechte Hand nach oben zuckt. Aber die Angst vor Fremden existiert vor allem da, wo man keine Fremden kennt. Also, besucht eure Nachbarn, vor allem die mit dem langen Bart und den dunklen Haaren, fordert er.

Mühelos verfällt er mitten im Satz in den Sprachgestus des „Führers“, um populistisches Gröhlen zu imitieren, und zitiert gleich anschließend seinen uralten ugandischen Großvater als Philosophen („der kannte das Tote Meer schon, als es noch krank war“). Afrikaner, die auch nach wissenschaftlichen Erhebungen trotz aller Armut ziemlich glücklich erscheinen, sind ihm Inspiration.

Davis spricht sein Publikum direkt an, spricht mit Karl-Heinz aus der ersten Reihe und einigen anderen, reagiert spontan auf Zurufe. „Germanys Next Topmodel“ mag er nicht, denn die Zuschauerinnen sind NBOs – „natural born Opfer“ – , die sich zu dick oder zu häßlich fühlen wollen und deshalb die dünnen Girls anschauen. Dabei „kann man die Models mit einem Teelicht röntgen, so dünn sind sie.“

Absurde Komik

Der Künstler stellt sich als „Terrorist für die Menschlichkeit“ vor, schließlich wurde er genau 40 Jahre nach Hitlers Machtergreifung geboren. Seine Waffen sind Wortwitz, absurde Komik und gelegentlich predigtartige Appelle, die glaubhaft „rüber kommen“.

Er redet übers Zwischenmenschliche, aber auch über Politik, ohne dass er die Zuhörer mit seiner Analyse der Dinge runterzieht. Seine Sprüche und Geschichten kommen an. Einen Auftritt in Dresden, wo er eine der von vielen Dresdenern verabscheute Pegida-Demonstration beobachtete, kommentiert er mit dem Satz: „Was macht ein Schwarzer im Osten? – Nach dem Rechten gucken.“

Gern würde er ein Projekt gegen den Fremdenhass starten. Sein Plan: RTL II, ein Sender, dessen Publikum eher seines ist, solle in seinem Haus Kameras installieren, damit jene Menschen ihn, seine Familie und seine Freunde und Nachbarn kennenlernen könnten. Die Urkölner weißer Hautfarbe, den persischen Arzt, seinen türkischen und chinesischen Freund, die allesamt Kölsch sprechen, vielleicht mit leichtem Akzent.

Sein Blick auf die deutsche Sprache, Leben und Denken ist so überwältigend komisch, weil er eben beides ist: deutsch und doch anders. Er wundert sich, dass ein phallisch aussehendes Gemüse einen weiblichen Namen hat: die Karotte. Er fragt sich, wenn 10 Prozent der Deutschen an einer Krankheit „leiden“, heißt das, die anderen genießen sie?

Bayern, norddeutsche Küstenbewohner, ja große Repräsentanten der Popkultur kann er in entlarvenden Parodien sezieren. Er zeigt sich verwundert über Herbert Grönemeyers eigenwillige Intonation und liefert am Klavier eine perfekte Udo-Lindenberg-Kopie. Es macht Freude, von ihm missioniert zu werden.

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