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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mitten im größten Chaos ein Handkuss

24.01.2017

Seefeld /Reitland Es ist kurz vor sieben. In zehn Minuten werden im Seefelder Schaart die Scheinwerfer aufleuchten. Auf der Bühne dann ein völlig leerer Raum. Laut Rollenbuch ein Treppenflur. Nur rechts steht ein schlichter Kleiderschrank. Drei Wohnungstüren gehen ab, noch sind sie verschlossen. Vor der Bühne eine Holztreppe in den Zuschauerraum, denn auch er ist Teil der Spielfläche.

Viele junge Zuschauer

150 vorwiegend junge Zuschauer, ungewöhnlich bei der Uraufführung eines plattdeutschen Schwanks, warten fröhlich brabbelnd auf die erste Szene. Noch müssen zusätzliche Stühle angeschleppt werden, obwohl der Saal eigentlich jetzt schon voll ist. Derweil herrscht nebenan in der Garderobe helle Aufregung. Anspannung und Nervosität ist bei Schauspielern in einem solchen Moment ganz normal. Hier aber läuft etwas anderes: Jeder geht in diesem Wirrwarr auf jeden zu, jeder spuckt symbolisch jedem viermal über die Schulter. Traditionell zweimal rechts, zweimal links:

Toi, toi, toi. „Man muss jeden einzelnen sich merken, um nur keinen zu vergessen. Das brächte Unglück,“ sagt Inka Janßen-Wiese. Sie spielt die Möchte-Gern-Hausmeisterin Alize im Dreiakter „Döör an Döör mit Alize“ der Speelschar Reitland. Aber sie ist sicher: Dieses Stück von Erich Koch, ins Plattdeutsche übersetzt von der Esenshammerin Marieta Ahlers, wird ein Erfolgsstück werden.

Obwohl, oder gerade deshalb: „Die karge Bühnendeko ist gewöhnungsbedürftig. Kein Stuhl, kein Tisch, kein Geschirr. Einfach nur Raum. Es ist eine riesige Herausforderung, keine Standszenen zu schaffen, sondern ständig Bewegung in das Nichts hineinzuzaubern“, sagt Inka Janßen-Wiese noch

Und schon heißt es: Ab nach draußen und „Action!“ Schon nach dem ersten kurzen Wortwechsel ist das Publikum ganz Ohr. Angespannte Stille im Saal, aber immer wieder unterbrochen von verschmitztem Gekicher oder schallendem Lachen. Das Stück trifft tatsächlich den Nerv des Publikums. Drei Szenen, ständig wechselnde Akteure, Platt vom Feinsten. Die Dialoge sind spritzig und witzig und manchmal gar so spontan herausgeprustet, dass selbst die Schauspieler kurz innehalten müssen, um sich das Lachen zu verbeißen.

Schwarzgeld und Drogen

Das Stück erzählt von Alize, die sich unaufgefordert überall einmischt. Sie glaubt, im Haus wird Schwarzgeld verschoben, werden Drogen verkauft und die Mafia gehe unten in der Pizzeria ein und aus. Hermine hat ein Zimmer doppelt vermietet, doch die Untermieter Rosi und Bastian wissen nichts voneinander. Das Ganze ist angemischt mit viel Liebesschmalz, einem Einbruch und Kommissar Horst Schaminski von der Stadlander Kripo, einem nackten Mann, einem Skelett, dem volltrunkenen Friedhelm, dem von Helge Thölen grandios gespielten Pizzabäcker Giovanni und selbst gebackenem Zwetschgenkuchen.

Angemischt eben mit allem, was zu einem turbulenten Stück mit Schenkelklopfern im Zweiminutentakt gehört. Das Publikum dankt mit langanhaltendem, ehrlichem Applaus.

Und dann heißt es: „Socken scharf machen“ für den anschließenden Theaterball mit flotter Musik zum Schwofen und Hotten bis vier Uhr morgens, aufgelegt von DJ Holger Nass.

In dem Lustspiel „Döör an Döör mit Alize“ spielen mit: Inka Janßen-Wiese, Birgit Schenk, Thomas Helms, Birk Timpe, Mario Borchers, Insa Helms, Nadine Wiese, Helge Thölen und Stefan Marburg.

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