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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Heimatgeschichte: Mitunter Goldfisch am Haken

06.02.2014

Abbehausen Hans-Rudolf Mengers war schon etwas überrascht und konnte sich das Schmunzeln kaum verkneifen, als die 100 Stühle im Saal der Gaststätte Butjadinger Tor beim Klönabend des Rüstringer Heimatbundes nicht ausreichten und immer noch Gäste sich achselzuckend nach einem Platz umschauten. Dabei war das Thema des Abends gar nicht spektakulär: Dr. Claudia Peplau erzählte über die Geschichte der Familie ihres Mannes Harald – und hatte dazu ein paar alte Fotos mitgebracht.

Mord angekündigt

Nichts über bekannte Persönlichkeiten, auch wirklich nichts Außergewöhnliches. „Vielleicht, weil in der Ankündigung auch von Mord und Totschlag die Rede war,“ mutmaßte Hans-Rudolf Mengers über die Gründe für den großen Andrang. „Ich finde die Geschichten um Louise Strauch und Jan Klaas Oosterveld so interessant, eben weil die beiden so normal waren“, entgegnete Amtsgerichtsdirektorin und Familienforscherin Claudia Peplau.

Louise, Harald Peplaus Großmutter, entstammte einer Tuchmacherfamilie aus Tangermünde, Jan Klaas einer von Tagelöhnern und Knechten aus der Provinz Groningen. Louise war 16-fache Mutter – und alle ihre Kinder, so Claudia Peplau, „waren oft in Schwierigkeiten. Denn es gab noch keine Pille.“

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Diesem Stammbaum zu folgen und in seinen Verflechtungen den Überblick zu behalten, war für die Gäste des Klönabends nur leidlich möglich. Doch das war eigentlich auch nicht wichtig. Vielmehr: Louise und Jan Klaas heirateten im August 1926 in Nordenham, lebten und arbeiteten hier. Ihre Geschichte ist ein Stück Stadtgeschichte.

Wie war’s denn damals in der Arbeiter- und Hafenstadt, die just aufblühte, wo Arbeitsplätze wie Pilze aus dem Boden schossen? Nur ein kurzer Anriss: Louise war schon einmal verheiratet mit einem Friedrich Wilhelm Lehmkuhl, hatte fünf Kinder mit ihm. Als Lehmkuhl zum Fronturlaub kam, war Louise schon wieder schwanger. Aber nicht von ihm. Die Scheidung folgte.

Am Tag der Eheschließung von Louise und Jan Klaas viele Jahre später hatten beide bereits fünf gemeinsame, voreheliche Kinder. Ein Zwillingspaar war gestorben, drei weitere Kinder folgten. Kurz-um: Ein schwieriges Geflecht, das Familienforscherin Claudia Peplau seit Jahren versucht zu entwirren. „Man fängt in Nordenham an und landet in der ganzen Welt.“

Claudia Peplau erzählte locker und humorvoll, wie sie an Informationen kam. Spannend für ihre Zuhörer. Das Stöbern im Internet, in alten Zeitungen, Kirchenarchiven oder Gerichtsakten sei dabei nur ein Strang. Ein anderer sei, sich umzuhören: „Fragen Sie aber nicht den Ehemann. Die Cousinen wissen meist viel mehr.“ Und: „Man muss überall hin die Angel auswerfen. Meist hat man nur einen Stiefel am Haken, manchmal aber auch einen Goldfisch.“ Oder: „Die Recherche am Telefon ist wunderbar. Man ist dabei so halb anonym. Und die Leute erzählen so vieles – wie im Beichtstuhl.“

Arbeiterfamilie

Claudia Peplau hat inzwischen ein viel klareres Bild von der Familie ihres Mannes Harald, doch „fertig“ ist sie mit ihrer Recherche noch lange nicht. Was sie weiß, schrieb sie aber schon einmal zusammen in „Oosterveld und Strauch – Geschichte einer Arbeiterfamilie in Nordenham“. Das Buch erschien 2012 im „Archiv der Zeitzeugen“.

Ach ja: Den Mord hat es wirklich gegeben: Harald Peplaus Urgroßvater Jan geriet wegen Mietschulden mit einer Untermieterin in Streit. Die griff nach dem Hackebeil und schlug ihm so heftig auf das Haupt, dass er einen Monat später seinen schweren Verletzungen erlag.

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