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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Steckenpferd: Modellbauer aus Leidenschaft

05.06.2010

SCHWEI Die Entwicklung seines Heimatortes Schwei hat Herbert Steffens in unzähligen Ordnern archiviert. Vor 70 Jahren, so hat der 86-Jährige recherchiert, lebten rund 200 Menschen in 68 Wohnhäusern. Zu den Gebäuden zählten damals auch ein Wasserturm und die Schweier Weizen- und Roggenmühle, die beide nur noch in den Alben als Schwarzweiß- und selten als Farbfotos existieren.

Die alten, verschwundenen Gebäude als Modelle nachzubauen, hat sich nun Herbert Steffens vorgenommen. Erste Erfahrungen als Modellbauer hatte er bereits in seiner Jugend gesammelt. Sein Elternhaus, 1928 in der Ortsmitte errichtet, bastelte er 1936 und verewigte sich unter der Sperrholzplatte mit seinem Namen. Und auch das aus dem Jahr 1770 stammende Nachbarhaus – und damals älteste Gebäude in Schwei – seines Großvaters, das 1970 nach 200-jähriger Existenz bis auf die Grundmauern niederbrannte, steht noch als hölzerner Nachbau in seinem Arbeitszimmer.

Foto des ersten Autos

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Herbert Steffens hat viele Daten und Fakten über Schwei zusammengetragen. Das Alte für die Jugend und die Nachkommen zu bewahren, ist seine Devise. Und so hat er auch akribisch die Namen der meisten Menschen notiert, die auf den 50 bis 100 Jahre alten Fotos abgebildet sind. Und er besitzt die Gabe, die Bilder sprechen zu lassen: „Das ist das erste Auto in Schwei“, sagt Herbert Steffens und zeigt auf einen gelungenen Schnappschuss von 1905. Besitzer war Dr. Nieberding, der erste Arzt in Schwei.

Doch die alte Mühle hat es dem 86-Jährigen ganz besonders angetan. In Wurfweite des Elternhauses gelegen, war dort 1940/41 ein Leitstand für Flakscheinwerfer eingerichtet worden, was den damals 17-Jährigen total faszinierte. „Die Kommandos schallten oft durch die Nacht“, erinnert er sich. Und dass der Mühlenbesitzer Carl Radvan im Oktober 1931 mit seinem Motorrad schwer verunglückte, ist gleichfalls in einem Band notiert. Und für den letzten Müller Ludwig Milas stieg der Malermeister sogar auf eine lange Leiter, um den Schriftzug der Mühle anzubringen. In den 50er-Jahren wurde die Mühle dann abgewrackt. Ihre Zeit war abgelaufen, sie rentierte sich nicht mehr.

Den 1879/80 errichteten Galerieholländer lässt Herbert Steffens maßstabsgetreu auferstehen. Der Rohbau existiert bereits, Galerie, Mühlenkappe und Windrose hat er aus Bastelkarton und Streichhölzern schon angefertigt, den Mühlenturm mit Türen und Fenstern versehen. Anschließend möchte er den 1963 gesprengten Wasserturm zum Leben erwecken. Alles hat seine Zeit, und die nimmt sich der geduldige Baumeister.

Herbert Steffens hat im elterlichen Betrieb das Malerhandwerk gelernt. Bei Weserflug malte er dann die Balkenkreuze und Buchstaben auf die JU 52, bis er im April 1942 zur Luftwaffe eingezogen wurde. Nach der Grundausbildung bei Pisa stationiert, war er überwältigt vom Platz der Wunder mit Taufkirche, Dom und dem schiefen Turm.

Fotos auf Hochzeiten

Nach dem Zusammenbruch der Front 1945 schlug er sich von Süddeutschland aus zu Fuß bis Schwei durch. Er legte 1959 seine Meisterprüfung ab, baute 1970 das Geschäft an der Lindenstraße auf und fotografierte nebenbei mit seiner Frau Gerda Hochzeiten, Gesellschaften und Jubiläen. Auch daher rührt ein Teil seiner umfangreichen Foto-Sammlung.

In Erinnerung an seine Zeit in Italien begann Herbert Steffens vor zweieinhalb Jahren, das Ensemble in Pisa aus Dom, Taufkirche und Glockenturm im Maßstab 1:100 nachzubauen, aus Bastelkarton, Streichhölzern und vielen kleinen Perlen. Das Resultat seines rund 1500-stündigen Wirkens ist in seinem Schaufenster zu bewundern. Das Modell der schönen Schweier Mühle wird sich bestimmt bald hinzugesellen.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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