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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

,Moffen’ und ,Käsköppe’ feiern

15.07.2013

Nordenham In der Brasserie liegen sich am Sonnabendnachmittag Holländer und Deutsche in den Armen. Sie singen gemeinsam und feiern. Dabei sollen sich beide Nationen angeblich nicht besonders mögen, schon gar nicht, wenn’s um Fußball geht. Arrogante, langweilige „Moffen“ (Muffel) sollen die Deutschen sein. Nervige Touristen, die im Sommer alle Strände besetzen. Und es gibt Deutsche, die den westlichen Nachbarn gerne auf Käse, Kiffen und Kicken reduzieren. Und dann wären da noch die vielen Wohnwagen, die unsere heiligen Autobahnen bevölkern.

Solche albernen Klischees spielten beim ersten Shantycafé keine Rolle. Ganz im Gegenteil: Ohne die Holländer hätte es diese außergewöhnliche Veranstaltung nie gegeben. Beim Ostsee-Shanty-Festival in Heiligenhafen im Jahr 2008 freundete sich die Nordenhamer Shanty-A-Capella-Formation Käpt’n Bligh mit der holländischen Gruppe Ol’Hands an. Eine Einladung nach Apeldoorn folgte, wo die Musiker einen Riesen-Spaß beim gemeinsamen Singen im Shanty-Café hatten. Seither ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung fest im Terminplan von Käpt’n Bligh eingebaut.

Ein Dutzend Holländer

Die Idee zu einem eigenen Shanty-Café konnte nun endlich in diesem Jahr in die Tat umgesetzt werden. Ein Dutzend Holländer mit Anreisewegen von teilweise mehr als 500 Kilometern hat sich am Wochenende auf den Weg nach Nordenham gemacht. Und das alles nur, um gemeinsam mit den Nordenhamer Shantyfreunden in der Brasserie zu singen.

Die vier Männer von Ol’Hands hatten reichlich Werbung für die Veranstaltung gemacht, und so kamen auch The Whalers aus Zaltbommel und einige Solokünstler wie Fred Winkel aus der Nähe von Enschede mit. Die Atmosphäre war genauso locker wie die Veranstaltung selbst. Ohne festes Programm konnten die Sänger abwechselnd im Zehn-Minuten-Takt ihre Gesangskünste zum Besten geben und zwar A-Capella- ohne jegliche Instrumentierung.

Im Mittelpunkt standen die ursprünglichen Shantys, also die Arbeitslieder der Matrosen, die beim Segelsetzen, Tauwerk einholen oder Anker lichten gesungen wurden. Sie handeln von harter Arbeit, Mädchen, Abenteuern und fernen Ländern. Zum Auftakt stimmten die Gastgeber von Käpt’n Bligh „Fire Morengo“ und „Le Capitaine de St. Malo“ an und erhielten viel Beifall für ihre stimmlich perfekte Darbietung.

The Whalers folgten und anschließend die Ol’Hand’s. Zu Beben begann die Brasserie dann das erste Mal so richtig, als Solokünstler Fred Winkel sich mitten ins Publikum stellte und ohne Mikro mit sagenhafter Stimme „Johnsons Girls“ anstimmte. Der Mann aus Ente in der Nähe von Enschede ist in der niederländischen Shanty-Szene bekannt wie ein bunter Hund. Für eine nette maritime Gesangsveranstaltung nimmt er auch gerne längere Fahrten auf sich.

Publikum schunkelt

Das Publikum schunkelte und klatschte begeistert mit. Zum Glück konnte man auch draußen auf der Sonnenterrasse alles gut verstehen, denn dort hatten sich viele Besucher wegen des schönen Wetter niedergelassen. Nicht ein Platz im Außenbereich war an diesem Nachmittag noch frei.

Die echten Shantyfans aber mischten sich unter die Künstler, setzten sich an die Bar oder saßen direkt in der Nähe der Bühne und sangen die Refrains tatkräftig mit. Gefeiert und gesungen wurde auch noch nach der Veranstaltung ganz privat unter deutsch-niederländischen Freunden: So sieht echte Völkerverständigung aus.

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