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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Pfarrer Boltjes geht in den Ruhestand

28.05.2019

Moorriem Dieses Gotteshaus ist eine feste Burg, das spürt man. Doch nach 15 Jahren und einem Monat endet seine Amtszeit in Moorriem. Am Sonntag, 2. Juni, wird im Gottesdienst, der um 14 Uhr beginnt, seine Entpflichtung vorgenommen. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Hans-Werner Boltjes rückblickend. Er habe sehr gute Erinnerungen daran.

Der scheidende Pfarrer fühlt sich wohl in Moorriem. Er denkt an die vielen guten Gespräche, die er bei seinen Besuchen mit den Menschen führte. Die Kirche sei eine alte Institution, habe immer noch Autorität, sagt er. Kirche stehe auch für Zusammenhalt. Doch dieses Miteinander sei in der heutigen Zeit schwieriger geworden. Der Individualismus der Menschen sei gestiegen. Viele wendeten sich ab von der Kirche, die Austritte hätten auch in Moorriem zugenommen in den zurückliegenden drei Jahren. Sie seien aber noch nicht so signifikant wie in den Städten. „Hier auf dem Lande funktioniert die Gemeinschaft noch“, weiß Hans-Werner Boltjes.

Der Pfarrer sitzt auf der Kirchenbank gleich neben der Kanzel mit Blick auf den Altar. Das Hauptbild zeigt Golgatha, im Hintergrund ist Jerusalem dargestellt. Die Deckenkonstruktion der um 1620 errichteten Fachwerkkirche ist ebenfalls beeindruckend. Das Holzwerk mit seinen rostrot und marmoriert bemalten Balken und Streben vermittelt einen fröhlichen Eindruck. Man fühlt sich beschwingt. „Der Glaube gibt Halt im Leben“, sagt Hans-Werner Boltjes. Aufeinander Rücksicht zu nehmen und Schwache zu schützen, das seien Werte, die man als Gemeinschaft leben müsse. Das mache Kirche aus. Sie steht auch für eine kulturelle Identität. Und die Gemeindekirchenräte in Neuenbrok, Bardenfleth und Altenhuntorf, die ehrenamtlichen und angestellten Mitarbeiter hätten in diesem Sinne immer gut zusammengearbeitet. „Es war immer ein sehr konstruktives Arbeiten“, so der Pfarrer, der in einigen Tagen in den Ruhestand verabschiedet wird.

Das christliche Elternhaus hat ihn geprägt. Seine gläubigen Eltern und das katholische Umfeld hätten dazu geführt, dass man sich behaupten musste. Nach Hans-Werner Boltjes Worten gab das sicherlich den Ausschlag, seinen Weg einzuschlagen. Geboren 1953 und aufgewachsen in Sedelsberg im Saterland, leistete er nach dem Abitur zunächst seinen Wehrdienst in Leer und Oldenburg ab, ehe er sein Studium in Bethel aufnahm. Er studierte danach weiter in Münster und Göttingen. Als Vikar kam er 1982 zu Pfarrer Manfred Gerken nach Delmenhorst. Seine Examensarbeit schrieb Hans-Werner Boltjes zum Thema Krankenhausseelsorge.

Seine erste Stelle als Pfarrer trat er am 1. Juli 1984 in der neu geschaffenen Pfarrstelle in Etzhorn an. 14 Jahre lang blieb Hans-Werner Boltjes Gemeindepfarrer in Oldenburg, ehe er Standortpfarrer bei der Bundeswehr in Varel wurde. Er war während dieser Zeit auch mit der Bundeswehr in einem Auslandseinsatz. „2001 in Mazedonien“, erinnert sich der 65-Jährige. „Wir waren in der mazedonischen Grenzstadt Tetovo in einer Kaserne der Armee untergebracht. Als die Kämpfe im Kosovo abflauten, schlugen sie zu uns über.“ Es gab Schusswechsel zwischen mazedonischen Sicherheitskräften und albanischen UCK-Rebellen. Das Lager sei von Freischärlern angegriffen worden. „Wir durften unsere Unterkunft nicht verlassen und mussten verlegt werden.“ Drei Monate lang dauerte der KFOR-Einsatz für Hans-Werner Boltjes, im Juni 2001 kam er zurück. Insgesamt siebeneinhalb Jahre war er bei der Bundeswehr in Varel stationiert.

Als die Gerüchte von der Schließung der Vareler Kaserne die Runde machten, stand Hans-Werner Boltjes vor seinem 50. Lebensjahr. Am 1. Juni 2004 wurde er Pfarrer der drei Kirchengemeinden Neuenbrok, Bardenfleth und Altenhuntorf. Zum 1. August 2019 geht der Nachfolger von Dorothea Herbst und Klaus Wiepken nun selbst in den Ruhestand. Seine Nachfolge ist geregelt. Am 1. August wird Pastorin Annette Lenk die Pfarrstelle übernehmen.

Die Zeit im Ruhestand sei gut ausgefüllt, sagt Hans-Werner Boltjes. Er werde sicherlich seine Frau unterstützen können. Renate Boltjes ist Pfarrerin in Oldenbrok und Ovelgönne. Die beiden Söhne Samuel (27) und Simeon (22) befinden sich im Studium in Halle beziehungsweise in Oldenburg.

In die Fußstapfen ihrer Eltern werden die beiden Kinder aber nicht treten: Sie haben sich laut Hans-Werner Boltjes der Jurisprudenz verschrieben.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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