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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Musikalischer Hochgenuss im Dreierpack

15.12.2014

Nordenham Die ruhigen Töne überwiegen. Aber das Programm des Cristin-Claas-Trios umfasst ein großes Spektrum an musikalischen Stilen und Temperamenten. Die Einbeziehung des sehr aufmerksamen Publikums gelingt mühelos.

Insgesamt 16 Titel bieten die Künstler in der Jahnhalle dar. Dynamisches Gitarrenspiel und nicht minder fetzige Pianoklänge begleiten die stimmgewaltige Sängerin beim Auftakt mit „67 Days“. Neulingen, also Cristin-Claas-Unerfahrenen, fällt es gewiss schwer herauszufinden, worauf man sich bei diesem Konzert konzentrieren soll.

Von zart bis rockig

Die Instrumentalisten, die miteinander bestens harmonierten und sich immer wieder mit kurzem Blick verständigten, bieten jeweils so viel für Auge und Ohr, dass damit ein Abend gefüllt werden könnte. Und dann die Sängerin mit ihrer samtenen Stimme, die kindlich hell, ganz zart, aber auch richtig rockig klingen und dabei eine große Energie freisetzen kann.

Dazu kommt der jeweilige Gestus. Cristin Claas, die mit leichter, freundlicher Ironie durch das Programm führt, gern mal ihre Moderation singt oder das Publikum singend begrüßt und das klingen lässt, als sei es ein Song aus ihrem Repertoire. Sparsam, aber wirkungsvoll ist ihr Körpereinsatz, wenn sie leicht die Schultern hebt, sich ein wenig wiegt und mit der Musik schwingt. Das hat bei aller Freundlichkeit und allem Publikumsbezug etwas vornehm Distanziertes und unterstützt den künstlerischen Eindruck.

Die „Songpoetin“ Cristin Claas singt anspruchsvolle Texte in Englisch und Deutsch und das – wiederum zur Überraschung der „Novizen“ – in ihren eigenen Klangsprache, die je nach Fantasie des Zuhörers nach Afrika, Finnland oder Ungarn klingen mag. Damit gelingt es ihr jedoch sehr gut, eine gewisse Stimmung zu erzeugen. In ihrem ersten Song aus dieser Gattung eine gute, optimistische.

Überhaupt ist Cristin Claas eine Sängerin, die ihr Instrument gern spielt, also mit ihrer tollen Stimme Möglichkeiten auslotet. Lange angehaltene Töne, schwierige Tonfolgen, Variationen in der Lautstärke mit gekonntem Mikrofoneinsatz – das alles trägt zu einem höchst unterhaltsamen Konzerterlebnis bei.

Stephan Bormann, ihr Gitarrist, ist Professor für sein Instrument an der Universität in Dresden, wirkt aber überhaupt nicht professoral. Abgeklärt, mit positiver Ausstrahlung, fühlbarer Liebe für sein Instrument und sichtbarer Freude an der musikalischen Zusammenarbeit in genau diesem Trio, verblüfft er immer wieder mit dem, was seine Finger scheinbar mühelos der Gitarre entlocken. Schnell, dynamisch und akrobatisch begleitet er sein eigenes Melodiespiel rhythmisch. Beim Solo können die Augen der Zuschauer dem Spiel der Finger kaum folgen. Der Klang, den er erzeugt, ersetzt ein halbes Orchester. Die Stücke des Trios haben sie alle selbst, also jeweils allein oder in Koproduktion komponiert.

Wo Stephan Bormann eher zurückhaltend wirkt, begegnet Christoph Reuter, der Tastenkönig, dem Publikum mit jungenhaftem Charme, wenn er mal die Moderation übernimmt. Zusätzlich zu seinem virtuosen Spiel ist er gern zu musikalischen Späßen aufgelegt. Bei einem Stück greift er zu einem kleinen Tasteninstrument, das in der Hand gehalten und angeblasen wird, bei einem anderen nutzt er den Reißverschluss einer blauen Daunenjacke als Percussionsinstrument. Er sprüht regelrecht vor Spielfreude.

Zwei Zugaben

Von den vielen schönen Stücken mag das Publikum die zwei besonders, deren Texte nicht von einem Mitglied des Trio stammen: „Hasen“ und „Röslein“. Dabei handelt es sich um die musikalisch-dramatische Umsetzung zweier deutscher Gedicht-Klassiker. Das Röslein gibt es als die erste Zugabe, die sich das Publikum mit großem Eifer erklatscht. Als zweite Zugabe folgt „Believe“. Bei dem Lied animiert Cristin Claas zunächst die Besucher zum Mitsingen und verlässt dann die Bühne, so dass Instrumentalisten und Publikum noch ein wenig weitermusizieren.

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