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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Zinzendorfschule: Nach berührendem Stück kullern Tränen

16.01.2017

Tossens Als Oma Winter ihre Gedanken noch sortieren konnte, war sie ein ganz anderer Mensch – von ihr kamen kluge und lustige Sprüche. „Oma war einfach cool“, sagt ihre Enkelin. Die alte Dame erinnert sich nun nicht mehr an ihre Vergangenheit und hat auch das Bewusstsein für ihre Gegenwart verloren. Die Theater-AG der Zinzendorfschule brachte am Freitag das Theaterstück „Oma Winter“ auf die Bühne – und berührte damit die rund 100 Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute.

Es ging um das Vergessen und das Vergessenwerden, um Tod und Einsamkeit, aber auch um die glücklichen Momente, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens erlebt. Die emotionale Aufführung endete tränenreich – und das nicht nur wegen des Inhalts. Theaterpädagogin Connie Howell hat mit der AG sechs Jahren zusammengearbeitet. Nun löst sich die Gruppe auf.

Mit „Oma Winter“ hat die AG ihre erfolgreiche Arbeit gekrönt. Die Handlung haben sich die zehn Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Connie Howell erdacht. Geschickt wurden die einzelnen Szenen mit kurzen Filmsequenzen oder Liedern aneinander gefügt.

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Am Anfang sahen die Zuschauer eine Videosequenz. Die Darsteller sammelten Pakete in einem Einkaufskorb als Symbol für die Erinnerungen, die ein Menschen während seines Lebens zusammenträgt. Pakete und Einkaufswagen bildeten dann auch die Kulisse bei der rund einstündigen Aufführung.

Was bleibt übrig von all den schönen und schmerzhaften Erinnerungen? Die Darsteller nahmen das Publikum mit auf eine Zeitreise durch das vorherige Jahrhundert, durch Oma Winters Leben, das mit ihrer Geburt 1928 in der Weimarer Republik beginnt. Ihr Vater wird als Kommunist verfolgt, ist eines Tages einfach verschwunden und hinterlässt eine schwangere, unverheiratete Frau. Als unehelich geborenes Kind beginnt das Leben von Oma Winter unter schlechten Vorzeichen.

Als junges Mädchen macht sie beim Bund Deutscher Mädel (BDM) mit, als Teenager erlebt sie den Krieg, fühlt sich fremd und unverstanden in einer aus den Fugen geratenen Welt. Ihre Mädchenträume enden im Herbst 1944: der Krieg zerstört die Wohnung ihrer Mutter in Berlin.

Kurz vor der Maurerschließung flieht Oma Winter in den Westen der Stadt, da ist sie Anfang Dreißig. Sie schwimmt auf der Welle der aufbegehrenden 68er-Bewegung, will als Medizinstudentin die Welt verändern, ist aktives Mitglied der Friedensbewegung und der Hausbesetzerszene. Oma Winter lässt nichts aus und landet am Ende ihres bewegten und engagierten Lebens verwirrt in einem Altersheim.

„Sie hat ihre Anmut, ihren Stolz verloren. Was ist nur aus Oma geworden?“ Die Enkelin hadert mit den Verhältnissen in der Pflegeeinrichtung. An Mitarbeitern wird gespart, das Pflegepersonal ist in Hektik und gestresst. War es das? Oder sollte am Ende des Lebens ein Feuerwerk stehen? „Bevor ich sterbe, möchte ich gelebt haben“, beschließt die Enkelin, in deren Rolle immer wieder andere Darsteller schlüpfen. Zum Abschluss feiern die jungen Leute mit einem ausgelassenen Tanz das Leben.

Mit dieser tiefgründigen Handlung hat die Theatergruppe um Connie Howell sich selbst und dem Publikum ein Geschenk gemacht. Die jungen Darsteller haben toll und glaubwürdig gespielt, ihre Lieder und Tänze waren mitreißend. Der Applaus der begeisterten Zuschauer wollte kein Ende nehmen. „Es waren tolle sechs Jahre mit euch“, meinte die Theaterpädagogin unter Tränen. Connie Howell plant, „Oma Winter“ im kommenden Jahr bei den Jugendtheatertagen in Oldenburg vorzustellen.

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