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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

So unterschiedlich feiern Heiden und Christen Ostern

18.04.2019

Zu Ostern feiern wir die Wiedergeburt der Natur aus dem Todesschlaf des Winters. Wir feiern die Frühlingstagundnachtgleiche. An diesem Tag sind die Kräfte zwischen Tag und Nacht ausgeglichen. Es ist das erste Sonnenfest des Jahres, welches auch der Göttin Ostara gewidmet ist. Ostara ist eine altgermanische Frühlingsgöttin, sie steht auch für das junge Licht und das Leben. Die Frühlingstagundnachtgleiche wurde immer in der Nacht des ersten Frühlingsvollmondes gefeiert. Dieses Jahr war es bereits am 21. März soweit. Der keltische Name für das Fest ist Alban Eilir und bedeutet „Licht über dem Land“.

BILD: privat

Die Hexe

„Wir malen Eier rot an und springen bei Trommelklängen und Gesang über das Osterfeuer.“ So feiert Minerva Winter aus Butjadingen die Frühlingstagundnachtgleiche. Die selbst ernannte Hexe beschäftigt sich mit Naturreligionen und heidnischen Ritualen.

In meinem Hexenclan malen wir an diesem Tag Eier rot an und versehen sie mit magischen Symbolen für Wachstum. Es werden Samen gepflanzt und verschenkt, die für das eigene Wachstum stehen. Später singen und trommeln wir um das Osterfeuer herum.

Woher der Name Ostara kommt, ist nicht ganz geklärt. Er könnte abgeleitet sein vom Namen der angelsächsischen Göttin Eostre – die Göttin der Morgenröte. In der griechischen Mythologie ist es Eos und bei den Römern Aurora. Diese Morgenröte, die ersten Sonnenstrahlen aus dem Osten, spiegelt sich auch heute noch als Symbol in unseren Osterfeuern wider. Obwohl die Osterfeuer hauptsächlich eine Reinigung symbolisieren. So haben Heiden früher zum Frühlingsbeginn ihr Vieh rituell durch zwei brennende Feuerstellen hindurchgetrieben, bevor es auf die Weide kam. Das sollte es von allen bösen Wintergeistern reinigen. Die gleiche Absicht verbirgt sich auch in dem Brauch des Osterrades.

Wiedergeburt und Opfergabe

Das Ei spielte auch schon früh eine Rolle. Es verkörpert Fruchtbarkeit. Fast überall auf der Welt steht es für Geburt und Wiedergeburt. Zu Ostara wurde das Ei oftmals als Opfergabe gebracht oder an Freunde verschenkt. Die Farbe, in der die Eier häufig getränkt wurden, war Rot, die Farbe des Lebens und des Feuers. Gleichzeitig steht das Ei aber in vielen Naturvölkern für den Tod, der der Wiedergeburt vorausgeht. Manche Grabstätten wurde deshalb in Ei-Form erbaut.

Ostaras tierischer Begleiter

Der Hase, den wir als Osterhasen kennen, ist Ostaras Begleiter. Zu Frühlingsanfang schreitet Ostara, während sie ihre erste Menstruation erlebt, langsam über die Felder. Ihr Blut, welches im Boden versinkt, befruchtet Äcker und Felder. Deshalb heißt es auch Mutterboden. Der Hase ist aufgrund seiner Triebhaftigkeit als ein weiteres Symbol für Fruchtbarkeit dabei.

Schweigend Wasser schöpfen

Osterwasser ist an Ostara geweihten Quellen zur Osternacht geschöpftes Wasser. Später wurden viele dieser Quellen Maria oder anderen christlichen Heiligen gewidmet. Ein altes Ritual sieht vor, in völliger Stille Wasser zu schöpfen und die Felder oder gar Menschen selbst damit zu segnen. Später machte das Christentum die Taufe daraus.

Fasten gibt es in den Naturreligionen nicht. Die Bräuche waren alle sehr belebend. Zu leiden für Gott, ist ein Gedanke aus anderen Religionen.

Der Gründonnerstag hatte ursprünglich eine Bedeutung im Pflanzenkalender und bestimmte die Aussaat bestimmter Kräuter. Die Naturvölker dachten sich das Leben in Zyklen – wie die Natur. Der Winter bringt Tod, der Frühling wieder Leben.

Ostern ist mit Abstand das wichtigste christliche Fest im Jahr. Wir feiern die Auferstehung Christi, Gottes Sohn. Das beginnt mit den ersten Sonnenstrahlen am Ostersonntag – dieses Jahr am 21. April. Die Sonnenstrahlen fallen durch die nach Osten ausgerichteten Kirchenfenster.

BILD: Neels

Der Pfarrer

„Um fünf Uhr morgens am Ostersonntag betreten wir die in Dunkelheit gehüllte Kirche mit dem Licht der Osterkerze.“ So fängt bei Pfarrer Dietmar Reumann-Claßen in Blexen das christliche Osterfest an. Es ist mit Abstand das wichtigste Fest seiner Religion.

Vorher, in der Dunkelheit, werden wir vor der Kirche ein Feuer entzünden: das Osterfeuer. Daran werden wir die Osterkerze anzünden und in Schweigen gehüllt sie in die dunkle Kirche hineintragen. Die Kerze symbolisiert Jesus, der auch das Licht in die Welt brachte. Die Kerze brennt dann symbolisch das ganze Jahr. Alle Taufkerzen werden an ihr angezündet. Bei der Bedeutung nimmt das Christentum Beispiele aus der Natur auf. Wir haben sicher einiges vom Heidentum gekapert. Diese Religion schafft Feste jedoch nicht ab, sondern verändert sie und gibt ihnen eine neue Bedeutung.

Eigentlich beginnt das Fest schon sieben Wochen vorher, mit dem Fasten, der Passionszeit. So bereiten wir uns auf das Osterfest vor, indem wir das Leiden Christi nachempfinden.

„Grein“ wie weinen

Nach dem Fasten kommt erst der Gründonnerstag. Da kam Jesus mit seinen Jüngern zum letzten Abendmahl zusammen, auch wir werden das in einem Gottesdienst zelebrieren. Grün leitet sich dabei vom altgermanischen Wort grein ab, was weinen bedeutet. Das drückt die Trauer der Jünger aus. Am Karfreitag halten wir eine Andacht zur Sterbestunde Jesu – um 15 Uhr. Denn die Überlieferungen sagen aus, Jesus starb zur neunten Stunde. Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe, bevor am Sonntag Jesu aufersteht.

Das Ei eine Bedeutung im Christentum. Es sieht von außen ein bisschen aus wie ein Stein, also wie etwas Totes. Doch es kommt Leben daraus hervor. Schon in einer frühen christlichen Überlieferung (100 bis 300 nach Christi) hat es deshalb die Bedeutung der Wiedergeburt. Genau wie Jesus, der aus seinem Steingrab hervorkam. Eier wurden im Christentum oft auch einem Grab beigelegt.

Gott sieht alles

Auch für den Hasen hat das Christentum eine Erklärung für sich definiert, obwohl der Ursprung klar woanders liegt. Der Hase ist ein Tier, das kein Augenlid hat. Er ist also immer wach, immer präsent und sieht alles – wie der heilige Geist. Eine weitere Parallele stellt das Christentum zur Hasenhöhle her. Auch Jesus ist nach der Auferstehung aus einem Mausoleum aus Lehm zurück ins Leben gekommen.

Auch das Lamm, das in einigen christlichen Gemeinden – zum Beispiel in der griechisch-orthodoxen – die zentrale Speise an Ostern ist, kommt eigentlich von woanders her: vom jüdischen Pessach-Fest. Dort wurden Lämmer geopfert. Auch hier hat das Christentum sich die Symbolik zu eigen gemacht und in dem Lamm symbolisch Jesu gesehen, der sich für unsere Sünden opfert. Heute kennen wir noch die Tradition, Brot in Lämmer-Form zu backen und zu Kranken zu bringen.

Der lange Atem

Ostern ist erst 40 Tage nach Ostern wirklich zu Ende. An Christi Himmelfahrt ist Jesus in den Himmel aufgestiegen und kam dann zehn Tage danach, an Pfingsten, als heiliger Geist zurück auf die Erde. Laut Überlieferung erschien er den Jüngern und plötzlich konnten sich alle Menschen auf der Welt besser verstehen. In diesem Zustand ist Jesus Christus bis heute auf Erden präsent. Christi Auferstehung ist keine Rückkehr ins alte Leben. Es ist ein Schritt vorwärts.


Minervas Infotipp: „Macht irgendwas mit Hasen“, Comedy von Tommy Krappweis unter   www.youtube.com/watch?v=k5d_lgwcqfq 
Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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