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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mit Puppen gegen das Vergessen

25.10.2017

Neuenbrok Sie durften nicht spielen und bekamen keinen Unterricht. Sie wurden drangsaliert und waren medizinischen Experimenten ausgesetzt. Sie waren getrennt von den Eltern und erlebten das Grauen hautnah. Sie waren dem schlimmsten Schicksal ausgesetzt, das sich denken lässt. Sie, das waren die Kinder in den Konzentrationslagern der Nationalsozilisten – auch die vielen namenlosen 400 Kinder im KZ Ravensbrück im Jahr 1944.

Ihrem Schicksal und der wahren Geschichte der Kinder hat sich der deutsche Schriftsteller Bodo Schulenburg in seiner Erzählung „Es war einmal ein Drache“ angenommen. Das Figurentheater „Tandera“ widmete seinen Zuschauern in Edith Koschnicks Neuenbroker „Klecksklause“ eine emotionale Stunde, die keinen Zuschauer unberührt ließ.

Das anstehende Weihnachtsfest steht im Mittelpunkt des Stückes „1944 – Es war einmal ein Drache“. Dörthe Kein und Gabriele Parnow-Kloth spielen zwei Freundinnen, die sich in ihrem kleinen Lädchen auf das Fest vorbereiten. Eine der Frauen nimmt sich Zeit für eine Pause und liest unter einer Decke versteckt die Erzählung von Bodo Schulenburg. Als sie ihrer Freundin davon erzählt, verwischen sich bald die Grenzen. Die Frauen nehmen die Rollen zweier KZ-Frauen an und verbinden dann das Spiel mit Handpuppen, die die Kinder von Ravensbrück darstellen.

Immer in der Angst, die Aufseher könnten von ihrem Vorhaben erfahren, bereiten die Frauen mit einfachsten Mitteln aus den Schneiderstuben, Kleiderkammern und der Verpackungsabteilung – es ist „Diebstahl von Reichseigentum“ – kleine Geschenke für die Kinder vor und basteln sogar ein Kasperltheater. Eine Brottorte mit einer Messerspitze Margarine und einem heiß begehrten Klecks Marmelade soll den Mädchen und Jungen ebenfalls eine Weihnachtsfreude bereiten. Woran sie kaum zu glauben wagten: Sie erhalten die Erlaubnis, mit den Kindern von Ravensbrück Weihnachten zu feiern.

Im Kasperltheater spielen die Frauen das Märchen „Es war einmal ein Drache“. Wer symbolisch mit dem „Drachen“ gemeint ist, weiß jeder Zuschauer: Er ist einer, der in den Nazi-Jahren alles verschlingt, sich Menschen und Länder einverleibt, der Tod, Krieg, Elend und Trauer bringt. Es muss dann wohl 1945 gewesen sein, als das Kasperle mit seiner Ratsche dem Drachen den Garaus macht.

Bevor der Applaus für die beiden Darstellerinnen und den hinter den Kulissen agierenden Puppenspieler einsetzt, muss jeder Mann und jede Frau im Publikum erst einmal tief durchatmen. Ein wunderbares und bewegendes Stück gegen das Vergessen.

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