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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Immer bunter und immer verrückter

19.01.2019

Nordenham Wenn Norbert Hartfil und Heinrich Schröder an ihre ersten Karnevalserfahrungen zurückdenken, dann steigt ihnen sofort der Pulverdampf in die Nasen. Jener Geruch, den die Knallplättchen-Streifen in den Spielzeugpistolen erzeugten. Karneval war für die Knirpse in den 70er-Jahren in erster Linie Wilder Westen und Ballerei. Wer gewappnet sein wollte für vergnügliche Schießereien unter Gleichgesinnten, musste unbedingt genügend Munition dabeihaben.

Inzwischen setzen sich Norbert Hartfil und Heinrich Schröder nur noch selten einen Cowboyhut auf. Als Scharfschützen treten sie trotzdem noch in Erscheinung, wenn der Bürgerverein Ellwürden Karneval feiert. Scharfe Pointen und bissiger Spott sind die Munition, die sie als Comedy-Duo in ihrem alljährlichen Satire-Feuerwerk zünden. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter sind seit vielen Jahren fester Bestandteil des Ellwürder Karnevals, der in diesem Jahr Geburtstag feiert. Seit einem halben Jahrhundert gibt es das Fest, das den Nordenhamer Stadtteil zur unangefochtenen Narrenhochburg der Wesermarsch macht.

„Sweet Fifty“

in Anlehnung an den 50. Geburtstag des Narrenfestes lautet das Motto beim Ellwürder Karneval, der am Samstag, 9. Februar, ab 20 Uhr in der Friedeburg stattfindet. Für die Veranstaltung sind nur noch Resttickets für Stehplätze zu bekommen. Sie kosten 10 Euro und können bei Heinrich Schröder unter Telefon  04731/88736 (ab 19 Uhr) bestellt werden. Bereits am Nachmittag ab 14 Uhr richtet der Bürgerverein seinen Kinderkarneval aus. Für diese Veranstaltung sind Eintrittskarten ausschließlich an der Tageskasse zu bekommen.

Fliege und Abendkleid

Vor 50 Jahren ging im Ellwürder Dorfkrug die erste Karnevalssitzung über die Bühne. Verkleidet hat sich damals niemand. „Die Herren trugen weißen Hemden und Fliege, die Damen schlüpften in elegante Abendkleider“, erzählt Heinrich Schröder. Eine Narrenkappe auf dem Kopf war das höchste der Gefühle. Das zweistündige Showprogramm moderierten Waldemar Wippich (heute Ehrenvorsitzender des Vereins) und Otto Lübsen. Es kam prima an bei den Besuchern. Aber dass sich an die närrische Premiere eine 50-jährige Erfolgsgeschichte anschließen würde, konnte damals natürlich keiner ahnen.

Die Idee, in Ellwürden eine Karnevalsfeier auf die Beine zu stellen, geht auf Richard Hartfil zurück, den Vater des heutigen Bürgervereinsvorsitzenden. Er wollte dem in den 60er-Jahren etwas träge gewordenen Vereinsleben einen neuen Impuls geben. Während die ältere Generation dieser Idee eher reserviert gegenüberstand, bekam Richard Hartfil Unterstützung vom damaligen Vorsitzenden August Hedenkamp. So wurde 1964 der Ellwürder Kinderkarneval aus der Taufe gehoben.

Heinrich Schröder war neun Jahre alt, als er zum ersten Mal beim Kinderkarneval auf der Bühne stand. Er erinnern sich noch gut an seinen Auftritt als Page, an das goldenem Hemdchen und die roten Streifen, die seine Mutter an die schwarze Hose genäht hatte. Einige Wochen zuvor hatten sich noch als Material für den Adventskalender gedient. Norbert Hartfil durfte als Mitglied der Garde immerhin ein Holzgewehr schultern.

Wer beim Narrennachwuchs mitmacht – und das lassen sich im Doppeldorf Abbehausen-Ellwürden nur die wenigsten entgehen – wächst fast schon automatisch in den Erwachsenenkarneval hinein. Der findet seit 1979 in der Friedeburg statt. Weil der Dorfkrug geschlossen wurde, musste sich der Bürgerverein ein neues Domizil suchen. Aber war die Stadthalle nicht doch eine Nummer zu groß? Und: Wie kommt ein Umzug in die Innenstadt bei den Mitgliedern an? Es ging nicht nur gut. Der Umzug war für den Bürgerverein ein absoluter Glücksfall. „Die Bedingungen sind optimal für uns“, sagt Heinrich Schröder. Es gibt in der ganzen Wesermarsch keine größere Bühne. „Die Friedeburg ist unser Wohnzimmer geworden.“

Bis zu 650 Besucher passen beim Ellwürder Karneval in die Stadthalle und auch nur deshalb, weil inzwischen der Balkon und der Wilhelm-Müller-Saal mitgenutzt werden. Die Tickets sind in der Regel innerhalb von einer Stunde ausverkauft. Gruppen, die beim Ellwürder Karneval dabei sein wollen, müssen sich „bewerben“. Und wer gute Argumente hat, hat auch gute Chancen, einen schönen Platz zu ergattern.

Gute Argumente haben diejenigen, die seit Jahren mit originellen Kostümen am Narrenfest teilnehmen. Während Verkleidungen bis weit in die 80er-Jahre noch die Ausnahme waren, sind sie inzwischen für die meisten ein Muss. Viele Gruppen treffen sich Wochen vorher zum Tüfteln, Basteln und Nähen. Und der Aufwand, der dabei betrieben wird, ist enorm.

Noch größer ist er lediglich bei den Aktiven, die sich regelmäßig treffen, um ein Programm für die Karnevalsfeier vorzubereiten. Sieben Gruppen sind in diesem Jahr am Start. Im Mittelpunkt stehen Tanzdarbietungen: die Garde, die in etwas anderer Konstellation auch unter dem Namen Jive United auftritt, die Jugendgruppe, die Showtanzgruppe und das Männerballett sind seit vielen Jahren Garanten für beste Stimmung. Hinzu kommen der Siebenerrat, die Sketchgruppe Sieben Promille und das Satire-Duo Hartfil/Schröder. Bis 2013 war auch der Auftritt der Ellwürder Spatzen ein fester Programmpunkt. Wer noch tiefer in seinem Gedächtnis kramt, wird sich an die Lehrergruppe Die Pauker erinnern und an Gastauftritte des Abbehauser Singkreises und der Atenser Liedertafel.

100 Dezibel

Die Chöre hätten heute vermutlich einen schweren Stand beim Narrenfest. Denn aufmerksames Zuhören gehört nicht zu den Stärken des Publikums, das in der Regel schon vor dem Einmarsch des Siebenerrates ein ohrenbetäubendes Spektakel veranstaltet. Heinrich Schröder berichtet, dass hier schon bis zu 100 Dezibel gemessen wurden. Etwa genauso viel Krach machen Kettensägen und Winkelschleifer.

Heinrich Schröder, der nicht nur Zweiter Vorsitzender, sondern auch Karnevalschef im Bürgerverein ist, freut sich, dass die Party so gut ankommt. Und ganz besonders freut er sich darüber, dass Eltern und Kinder beim Ellwürder Karneval gemeinsam feiern. „Meine beiden Töchter sagen, Karneval ist für sie der geilste Abend des Jahres.“ Ein schöneres Kompliment für das Geburtstagskind könnte es kaum geben.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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