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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Der Heimatbund macht „reinen Tisch“

17.11.2017

Nordenham Dass sich ein Verein intensiv mit seiner Vergangenheit während des Nationalsozialismus beschäftigt, ist alles andere als selbstverständlich. Dass er es ausgerechnet in seinem Jubiläumsjahr tut, erst recht nicht. Im Frühjahr hat der Rüstringer Heimatbund sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Jetzt ist ein Buch erschienen, das ein eher dunkles Kapitel in seiner Geschichte beleuchtet: die Zeit von 1933 bis 1945. Der Rüstringer Heimatbund hat es selbst in Auftrag gegeben.

Ab sofort ist das Buch „Rüstringer Heimatbund und Nationalsozialismus“ an diesen Verkaufsstellen erhältlich: Buchhandlung von Bestenbostel in Nordenham, Raiffeisenbank Abbehausen, Schreibwarengeschäft Blohm in Burhave, Schreibwarengeschäft Manzke in Rodenkirchen, Buchhandlung Gollenstede in Brake und Buchhandlung Müller in Varel. Das Buch kostet 14.80 Euro. Vereinsmitglieder finden im nächsten Rüstringer Boten einen Gutschein, mit dem sie die sogenannte Jahresgabe kostenlos bekommen. 1500 Exem­plare hat der Heimatbund drucken lassen.

45 000 Euro waren erforderlich, um den Forschungsauftrag, die Buchveröffentlichung und die geplante Ausstellung zum Buch zu finanzieren. Es handelt sich um das kostspieligste Projekt in der Geschichte des Rüstringer Heimatbundes. Sponsoren sind die Stiftung Niedersachsen, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Landessparkasse zu Oldenburg, die Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherung Oldenburg und die Oldenburgische Landschaft. Sie trugen 70 Prozent der Kosten. Den Rest hat der Verein selbst getragen.

Eine Ausstellung zum Thema soll am Sonntag, 26. November, im Museum eröffnet werden. Beginn ist um 11 Uhr.

Am Donnerstag haben der Autor Dr. Joachim Tautz und der Heimatbund-Vorsitzende Hans-Rudolf Mengers das Buch vorgestellt. Vom Ergebnis der Recherchen sei er nicht überrascht gewesen, sagte Hans-Rudolf Mengers. „Manche Passagen haben mich betroffen gemacht, weil ich erfahren musste, wie bereitwillig die damaligen Heimatfreunde die Ideologie der Nationalsozialisten angenommen und ihr System unterstützt haben. Die Protagonisten unseres Vereins haben, ebenso wie viele andere Zeitgenossen, so agiert, wie es dem unseligen Zeitgeist entsprach.“

Ein Jahr Arbeit

Ein gutes Jahr hat der Historiker aus Oldenburg recherchiert, vor allem im Archiv des Rüstringer Heimatbundes. Die Quintessenz seiner Arbeit ist, dass der Verein nach 1933 schnell ins nationalsozialistische Lager schwenkte. „Er übernahm ohne Wenn und Aber deren Geschichtsdeutung und gliederte sich in derselben Weise in nationalsozialistische Dachorganisationen ein.“

Joachim Tautz schließt daraus, dass bereits in der Weimarer Republik die Grundlagen dazu gelegt wurden. Mitglieder des Rüstringer Heimatbundes schlossen sich schon vor 1933 der NSDAP an. „Man meinte, im Nationalsozialismus den Vollender der Heimatbewegung zu erkennen, und glaubte fest, dass alle eigenen Ideen jetzt ihre Erfüllung fänden.“ Ein Trugschluss, wie sich herausstellte. So wurde zum Beispiel das große Ziel, ein Heimatmuseum in Nordenham einzurichten, unter den Nationalsozialisten nie erreicht.

Der Heimatbund ist in der zweiten Hälfte der 1930-er-Jahre vor allem durch Fahrten öffentlich in Erscheinung getreten. Nach den Worten von Joachim Tautz waren sie für die Teilnehmer in erster Linie unterhaltsame Tage. Die Begründung für die Fahrten seien dagegen hochpolitisch gewesen. „Es ging darum, eine nationalsozialistische Heimatideologie zu transportieren.“

Die produktivsten Verfasser von heimatkundlichen Artikeln während der NS-Zeit waren Erich Lampe und Eduard Krüger. Beide haben nach den Recherchen von Joachim Tautz nationalsozialistische Propaganda in ihre Artikel eingeflochten und sich antisemitisch geäußert, ohne dass irgendeine Notwendigkeit oder Zwangslage dazu bestanden hätte. „Der Rassismus hatte sich in der Heimatforschung festgefressen“, sagt Joachim Tautz.

Vorreiterrolle

Der Historiker bezeichnete die Initiative des Heimatbundes, das unrühmliche Kapitel seiner eigenen Geschichte aufarbeiten zu lassen, als beeindruckend. Damit übernehme er eine Vorreiterrolle unter den Heimatvereinen.

„Es war unsere erklärte Absicht, mit unserer eigenen Geschichte reinen Tisch zu machen“, sagte Hans-Rudolf Mengers bei der Buchvorstellung. „Das“, so der Heimatbund-Vorsitzende, „befreit uns von der Last, die uns immer wieder beschwerte, etwa dann, wenn die simple Frage aufkam: Wie ist denn eigentlich der Heimatbund durch die NS-Zeit gekommen?“

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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