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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Schreiben ist für ihn Lebenselixier

15.05.2018

Nordenham Er schreibt, um Mitmenschen zu motivieren, sie zum Nachdenken zu bringen, ihnen Freude zu bereiten – und sich selbst als Mensch mit Handicap so immer wieder einen neuen Schub zu geben. „Dietmar Murawski hat dieses Gefühl, das man braucht, um sich in Menschen richtig hineinversetzen zu können. Seine Gedichte sind ehrlich und echt“, sagt Stefanie Pietz, Qualitätsbeauftragte im Haus Tongern. „Seine Themenbereiche reichen sehr weit. Seine Gedichte sind authentisch und haben nichts Aufgesetztes“, fügt Dr. Marlene Laturnus aus Fedderwardersiel hinzu. Seit etwa zehn Jahren besucht sie den alleinstehenden Dichter regelmäßig und unterstützt ihn auch beim Umgang mit Behörden.

9 Jahre in Kliniken

Dietmar Murawski ist infolge von Sauerstoffmangel und Gehirnblutung bei seiner Geburt körperlich schwer behindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. Der heute 58-Jährige ist in Unna geboren worden. Seine ersten neun Lebensjahre verbrachte er mit Unterbrechungen in Kliniken. Dann lebte er bis zu deren Tod im Jahr 1994 bei seinen Eltern in Hamm in Westfalen.

Trotz negativer Prognose hatte er den Hauptschulabschluss an einer Schule für Lernbehinderte geschafft. Nach drei Jahren in einem Heim für Körperbehinderte im Sauerland war Dietmar Murawski körperlich so fit, dass er eine behindertengerechte Wohnung beziehen und sich mit einem Elektrorollstuhl selbst fortbewegen konnte. Er fand die Wohnung aber nicht in Hamm, sondern mit Hilfe einer Bekannten in Butjadingen. Bis 2006 konnte er sich weitgehend selbst versorgen. Anschließend wohnte er bis 2017 in einem Butjadinger Seniorenheim. Seit elf Monaten lebt er im Haus Tongern in Nordenham.

Lähmungen nehmen zu

Seit 33 Jahren schreibt der heute 58-Jährige Gedichte für Bekannte und Freunde. „Das ist mir ganz wichtig. Das gibt mir und den Menschen, für die ich schreibe, ganz viel“, sagt Dietmar Murawski. Doch seine körperlichen Beeinträchtigungen werden in einem schneller fortschreitenden Prozess schwerer. Lähmungen an Händen und Füßen nehmen zu. Inzwischen kann Dietmar Murawski nur noch mit einem Finger auf einer extra großen Tastatur tippen – und benötigt vier bis fünf Stunden für eine DIN-A4-Seite. „Anschließend bin ich völlig fertig.“

Dietmar Murawski muss jedoch schnell schreiben können, weil er seine Gedichte wie aus einer nur kurz sprudelnden Quelle in einem Zuge verfasst. Bei längeren Unterbrechungen gehen ihm entscheidende gedankliche Ansatzpunkte verloren und das Gedicht wird nie fertig. Sehr helfen würde ihm daher ein Spracherkennungscomputer, den er sich als Bezieher von Grundsicherung aber nicht leisten kann. Die Krankenkasse zahlt dafür nicht.

sachspende möglich

Daher unterstützt ihn Marlene Laturnus in dem Bemühen, Geldspender zu finden für den Erwerb eine Gerätes mit Kopfhörer, das 498 Euro kosten würde. Dieses Gerät könnte er dann als Sachspende ohne Abzüge von der Grundsicherung entgegennehmen und nutzen.

Wer sich an dieser Sachspende mit einem Geldbetrag beteiligen möchte, möge sich bei Marlene Laturnus in Fedderwardersiel melden (Telefon 04733/334).

Wie Die Luft zum Atmen

Dietmar Murawski hat schon einmal drei Monate lang versucht, keine Gedichte mehr zu schreiben und festgestellt: „Ich war total unglücklich. Ich war nicht ich.“ Er fügt hinzu: „Ich brauche es wie die Luft zum Atmen, mit Worten und Reimen spielen zu können.“

Marlene Laturnus bestätigt: „Das ist sein Lebenselixier.“ Ähnlich sagt Stefanie Pietz: „Er macht anderen Menschen eine Freude und bekommt viel zurück.“ Das hat die Qualitätsbeauftragte im Haus Tongern auch ganz persönlich erfahren. Denn Dietmar Murawski hat für sie und ihren Lebenspartner dieses Gedicht geschrieben:

„Meine Liebe zu Dir / ist so groß und stark, / weil ich den Menschen / in Dir nun einmal so mag.

Sich in die Augen zu sehen / und einfach blind zu verstehen, / ist unglaublich schön.

Aus der Liebe zu Dir wächst / die Kraft in mir, die Aufgaben / des Tages zu überstehen, / ohne daran kaputt zu gehen.

An Deiner starken Schulter / lehne ich mich gerne an, / wenn ich darf, ein ganzes / Leben lang.

Wir werden uns immer / wieder für Neues begeistern / und zusammen jede schwere / Hürde des Lebens meistern.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2206
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