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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Versammlung wie vor 100 Jahren

09.03.2018

Nordenham „Diese Versammlung ist illegal und muss sofort aufgelöst werden“, ruft Johannes Feldhusen in die mit rund 120 Frauen besetzte Jahnhalle. Den nicht so ganz ernst gemeinten Aufruf kommentierten die Frauen mit Gelächter. Johannes Feldhusen und Petra Meyer, beide Mitglieder des Theaters Fatale, traten beim Frauenfrühstück zum Internationalen Frauentag in einem besonderen Stück zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht, dem Motto des Tages, auf. Das Stück hatte Uschi Wilkens, Ordnungsamtsleiterin und ebenfalls Theater-Fatale-Mitglied, geschriebenen. Die Kostüme stellten die Plattdüütschen zur Verfügung.

Großartiges Theater

„Versetzen Sie sich gedanklich 100 Jahre zurück. Wir sind auf einem Treffen des Vereins für Frauenwahlrecht“, stimmte die Nordenhamer Gleichstellungsbeauftragte und Gastgeberin Karin Windheim-Czichon die Gäste auf das Schauspiel ein. Petra Meyer, in der Rolle der Vorsitzenden des Vereins für Frauenwahlrecht, wies den „Politiker“ Johannes Feldhusen in strengem Ton darauf hin, dass diese Versammlung weder aufgelöst werde, noch illegal sei. „Da zeigt sich, dass Frauen zu leicht erregbar sind und in der Politik nichts verloren haben. Frauen gehören ins Haus“, konterte Johannes Feldhusen und erntete die ersten Buh-Rufe aus dem Publikum.

So lieferten sich die beiden Schauspieler einen gekonnten Schlagabtausch und gaben den Zuschauern einen lebendigen Eindruck, wie es im Kampf um das Wahlrecht für Frauen vor 100 Jahren zuging. Uschi Wilkens hatte ein spritziges Stück geschrieben, das mit Informationen über das Frauenwahlrecht gespickt war. Immer wieder bezogen die Schauspieler aktuelle Themen und Gäste mit ein. „Weiß Ihr Mann, dass Sie hier sind?“, fragte Johannes Feldhusen, als er die ehemalige stellvertretende Landrätin Heidi Brunßen erblickte. Als Petra Meyer die Frauen aufforderte, sich die englischen Suffragetten zum Vorbild zu nehmen, warf Johannes Feldhusen ein, es sei kein Wunder, dass die Nordenhamerinnen Kontakte nach England geknüpft hätten: „Karin Tönjes und ihre Tochter Claudia sind bekannt dafür, dass sie Freundschaften nach England pflegen.“

Zum Internationalen Frauentag

Vom Kampf der Frauen für ihr Wahlrecht in der Schweiz handelt der Film „Die göttliche Ordnung“, der in der Abendveranstaltung zum Internationalen Frauentag im Nordenhamer Filmpalast gezeigt wurde. Erst ab 1971 durften die Frauen im Großteil der Schweiz wählen. In zwei Kantonen dauerte es sogar noch bis 1989 und 1990, bis die Frauen wählen durften. Das Theaterstück zu 100 Jahren Frauenwahlrecht führten die Schauspieler des Theaters Fatale auch noch einmal bei der Abendveranstaltung auf.

Im kommenden Jahr werde es zum Internationalen Frauentag kein Frauenfrühstück, sondern eine Abendveranstaltung geben, kündigte die Gleichstellungsbeauftragte Karin Windheim-Czichon an. Damit reagiert sie auf die Kritik, dass berufstätige Frauen am Frauenfrühstück nicht teilnehmen können.

Aktuell diskutiert die Politik statt des Reformationstages, den Internationalen Frauentag zum Feiertag zu erklären, berichtete Karin Windheim-Czichon.

Als „den Frauenrechten sehr aufgeschlossen“ lobte Petra Meyer Bürgermeister Carsten Seyfarth. „Seine Frau darf arbeiten und seine Töchter besuchen die höhere Schule“, sagte sie. In seinem Grußwort ging Carsten Seyfarth auf die Geschichte der Emanzipation ein. Der Beginn in der Weimarer Republik sei durch die Zeit des Nationalsozialismus gedämpft worden, in der Frauen zu „Gebärmaschinen“ degradiert wurden. „Nach dem Krieg haben die Frauen das Land mitaufgebaut“ – dennoch machte die Emanzipation in den 50er-Jahren erneut einen Rückschritt. „Erst in den 60er- und 70er-Jahren ging es für die Frauen wieder nach vorne“, sagte der Bürgermeister.

Frauenpolitik werde heute nicht mehr als „Gedöns“ abgetan. „Aber von einer Gleichstellung sind wir noch weit entfernt“, sagte Carsten Seyfarth. „Bis die Gleichberechtigung in den Köpfen verankert ist, ist es noch ein langer Weg.“ Deshalb sei es wichtig, auf diesem Weg weiterzugehen. Veranstaltungen wie das Frauenfrühstück seien wichtig, um sich dies immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, schloss der Bürgermeister.

Üppiges Frühstück

Zeit zum Klönen hatten die Frauen beim Frühstück. Das üppige Buffet hatten die Jugendwerkstätten der Kreisvolkshochschule vorbereitet. Dafür sprach die Gleichstellungsbeauftragte ihren Dank aus, ebenso wie für die große Unterstützung durch den Arbeitskreis Weltfrauentag und des Teams des Refugiums Wesermarsch, die bei der Umsetzung tatkräftig angepackt hatten.

Seit 1911 werde der Internationale Frauentag begangen, berichtete Karin Windheim-Czichon. Sie zeichnete die Geschichte des Frauenwahlrechts nach. Die Gleichstellungsbeauftragte rief die Frauen dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen – und zwar auch, indem sie sich selbst zur Wahl stellen. Denn noch heute gebe es Länder, in denen Frauen kein Wahlrecht haben.


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Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
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