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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein wilder Trip in die Siebziger

02.10.2018

Nordenham Es ist einer jener magischen Abende. Ein Abend, den keiner, der dabei ist, so schnell vergessen wird. Das Jahnhallen-Publikum ist bekannt dafür, dass es eine Zeit lang braucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Beim Gastspiel von Sweety Glitter & The Sweethearts am Samstagabend ist das anders: Da glüht die Tanzfläche von Anfang an, da wird geklatscht und mitgesungen, und weiter hinten wird fleißig gerätselt: Vom wem ist jetzt noch dieser Song? Ist das nicht Sweet? Oder doch Slade?

Seit 31 Jahren ist Volker Petersen alias Sweety Glitter mit seiner Band unterwegs. Mehr als 1500 Konzerte haben die Sweethearts in dieser Zeit gegeben. Einige davon in der Rodenkircher Markthalle, auch auf dem Nordenhamer Stadtfest haben sie schon gespielt. Die Sweethearts kommen in der wunderschönen Jahnhalle aber noch mal ganz anders rüber. Man ist näher dran an den Jungs, am Geschehen auf der Bühne, an der Show und an der Musik, die jeden Mittfünfziger zwangsläufig in seine Jugendzeit versetzt. Der Soundtrack zu einer lässigen, einhändigen Fahrt im Autoscooter war natürlich „Ballroom Blitz“ von The Sweet. In einer Zeit, als sich die Rockmusik in fast schon opernhaftem Geschwurbel verirrte, besannen sich die Glamrocker in den 70er-Jahren wieder zurück auf die Wildheit und Dynamik des frühen Rock’n’Roll. Musik-Studenten rümpften die Nase, die Jugend feierte The Sweet, Mud, Suzie Quatro, Slade, T. Rex und wie sie alle heißen.

Natürlich gibt’s keine Sweety-Glitter-Party ohne Plateauschuhe, Schminke und die abenteuerlichen Glitzer-Outfits der Musiker. „Das Auge hört mit“, wie Volker Petersen sagt. Den androgynen Charme verkörpert er wie kaum ein anderer. Und die Lust am Rock’n’Roll lebt er auf der Bühne wie eh und je. 31 Jahre Glamrock haben der Spielfreude der Sweethearts keinen Abbruch getan.

Was die Jungs handwerklich abliefern, ist allererste Sahne. Und das ist keine Nebensache, sondern Bedingung dafür, dass die Party funktioniert. Und wie sie funktioniert: Die Jungs treten mächtig aufs Gaspedal: Mit „Fox On The Run“ von The Sweet, mit „Black Betty“ von Ram Jam, „Radar Love“ von Golden Earring und „I Love Rock’n’Roll“ von Joan Jett and the Blackhearts. Zwischendurch ein bisschen „Hot Chocolate“, ein bisschen „Sugar, Honey, Honey“ und „Smoke On The Water“ – nein, es passt nicht alles ins Glamrock-Schema, aber das ist völlig wurscht, weil es einfach Spaß macht, Sweety und seinen Sweethearts zuzuhören. Und da ist sogar „I Want To Be Like You“– das ist der Affensong aus dem Dschungelbuch – kein Stilbruch, sondern eine schönes jazziges Intermezzo, bei dem das Publikum gerne mitswingt.

Auf eine Pause verzichten die Sweethearts, auf die Zugaben nicht. Es gibt reichlich davon. Die 200 Besucher in der Jahnhalle sind begeistert. Und viele hätten wohl gerne noch ein bisschen weitergefeiert. Vielleicht ja beim nächsten Mal. Jahnhallen-Chef Stefan Jaedtke überlegt, ob er für ein weiteres Gastspiel von Sweety Glitter einen Discjockey anheuert, der nach dem Auftritt noch ein bisschen Partymucke auflegt. Eine schöne Idee.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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