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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Eintauchen in eine emotionale Welt

01.10.2019

Nordenham Stolz blickte der Verlagsleiter Alfred Büngen in die Runde: „Sie haben heute ein ganzes Theater gefüllt, das schafft nicht jeder Autor“, sagte der Leiter des Geest-Verlags zu Anke Stroman. Die Abbehauserin hatte zur Vorstellung ihres ersten eigenen Buches „Still präsent“ eingeladen. Rund 100 Gäste waren zur Buchvorstellung in den Güterschuppen gekommen.

Bei der Vorstellung des Lesebuchs für die Wesermarsch kam Anke Stroman 2018 ins Gespräch mit Alfred Büngen. Für den Sammelband hatte die Abbehauserin ein Gedicht geschrieben. Als der Verleger erfuhr, dass noch etliche Texte unveröffentlicht in ihrer Schublade schlummern, war seine Neugierde geweckt.

In einem langen Entstehungsprozess sei nun das Buch mit einer Sammlung von Gedichten und Kurzgeschichten entstanden, erzählte der Verlagsleiter. Anke Stroman hat viel Persönliches aufgeschrieben und greift zahlreiche Themen des Alltags auf.

Von 1981 bis 2011 war sie als Lehrerin am Nordenhamer Gymnasium tätig. Sie unterrichtete die Fächer Biologie und Deutsch. Zudem war sie Beratungslehrerin und wurde in dieser Aufgabe mit den Nöten ihrer Schüler konfrontiert. Die Geschichte „Ganz unten“, erzählt von der Schülerin Marie, die vom Vater missbraucht wird, im Schulalltag unter die Räder kommt und sich selbst verletzt.

Als Beratungslehrerin hat sich Anke Stroman zudem mit Opfern und Tätern von Mobbing beschäftigt. Auch diese Erfahrungen sind in ihre Texte mit eingeflossen. Einfühlsam und schonungslos schildert sie den Kummer der Schüler, die Hilflosigkeit von Eltern und Lehrern. Die Zuhörer reagierten betroffen angesichts des Elends der beschriebenen Schicksale.

Die 68-jährige Autorin hat nicht nur aus den Erfahrungen ihres Berufslebens als Lehrerin geschöpft, auch Themen ihrer Familie und ihrer Mitmenschen greift sie auf: „Ich bin sehr interessiert an Menschen, an ihren Sorgen, Interessen und Erfolgen“, sagt Anke Stroman. In der Generation der Nachkriegskinder geboren, trug sie während ihrer Lesung den gebannt lauschenden Zuhörern das plattdeutsche Gedicht „Wo ik herkam“ vor, während Irene Leimbach weitere Lyrik vorlas, die Bilder im Kopf der Zuhörer entstehen ließen. Von lila Strandnelken im Wattenmeer bis zum Mutterglück am heimischen Gartenteich – die Gedichte von Anke Stroman sind fein gewebte Worte, die sie zu einem gefühlvollen und dichtem Klangteppich verknüpft.

Ihre Zuhörer konnten tief eintauchen in ihre emotionale Welt voller Staunen, Liebe, Dankbarkeit und Trauer. Die Trauer um ihren Vater, dessen Brief von der Ostfront aus dem Jahre 1943 Rolf Wilkens vorlas. Oder in die Dankbarkeit gegenüber Vater, Mutter und Geschwistern. Feinsinnig schildert sie in einer Kurzgeschichte das Leerräumen, den Abschied und das Aufbewahren von Erinnerungen aus ihrem Elternhaus.

Die tiefsinnigen Texte, zum Teil bedrückend, aber auch humorvoll, nahmen die Zuhörer ihrer Lesung an diesem Abend gefangen. Irene Leimbach und Rolf Wilkens gaben den Texten einen kraftvollen Ausdruck. In den Pausen sorgte der talentierte Nordenhamer Nachwuchsmusiker Ömer Sayan für klangvolle Unterhaltung.

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