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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Liebe beginnt bei der Geburt

25.02.2019

Nordenham „Freundliches Bündel, willkommen herein, möge das Leben hier gut zu dir sein“, heißt es in dem Lied „Menschenjunges“ von Reinhard Mey. „Das wird es in Nordenham nicht mehr geben, denn hier ist nicht man mehr willkommen. So hat es die Geschäftsführung der Helios-Klinik entschieden“, begründete Hartmut Becker, warum er diesen Song für das Programm seines Konzerts am Samstagabend in der Jahnhalle ausgewählt hatte.

Erneut sorgte der 58-jährige leidenschaftliche Reinhard-Mey-Fan mit seinen über zweistündigen Darbietungen nicht nur für einen unterhaltsamen Abend und einen musikalischen Genuss im fast ausverkauften Nordenhamer Kulturzentrum. Die Veranstaltung unter dem Motto „… und noch’n Liebeslied“ geriet zeitweise auch zu einer gewollten politischen Protestkundgebung, wobei Hartmut Beckers offene Worte vom Publikum mit stürmischem Beifall honoriert wurden.

Jenen Politikern, die aufgrund der Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie in der Esenshammer Helios-Klinik jetzt aufschreien, schrieb der in Blexen lebende Musiker ins Stammbuch, letztlich ja selbst die ehemals kommunale Wesermarsch-Klinik an einen auf Profit ausgerichteten Konzern verkauft zu haben. Auch wenn es immer ein Zuschussgeschäft bleibe, gehöre das Gesundheitswesen in staatliche Hand, forderte Hartmut Becker und schloss damit die Pflege im Alter mit ein. Das untermauerte der 58-Jährige mit dem eher humorvollen Mey-Song „Fellmann, Bonsai und ich“.

Die große Politik

Wie die Kritik am Gesundheitswesen („Liebe beginnt bei der Geburt“) fußte auch Hartmut Beckers Ausflug in die große Politik auf das Motto des Abends. Auch der Narzissmus, die Selbstverliebtheit, sei eine Form der Liebe, wenngleich er darin momentan weltweit die Demokratie in Gefahr sieht. Einer der derzeit größten Narzissten ist für den Sänger der US-Präsident Donald Trump, der alles zerstöre wofür er (Becker) in den 1970er- und 1980er-Jahren gekämpft habe.

Ihm widmete er mit „Gernegroß“ und „Grenze“ gleich zwei Mey-Lieder, für deren Darbietung sich Hartmut Becker eine Liveschaltung ins Weiße Haus gewünscht hätte. „Wir haben die Mauer überwunden, Nord- und Südkorea nähern sich an, und nun will Trump eine neue Mauer bauen?“ Die Autoren eines 1977 erschienenen Englisch-Deutsch-Schulwörterbuchs seien der Zeit wohl voraus gewesen, als sie das Verb „trump“ mit „erdichten, zusammenschwindeln und aus den Fingern saugen“ gedeutet hatten.

Der Sänger präsentierte nicht nur kritische oder nachdenklich stimmende Texte von Reinhard Mey. Auch lustige und ironische Beiträge standen auf dem Programm. Aber alle zum Thema „Liebe“ in sehr unterschiedlichen Variationen. Dazu gehörte ebenfalls das „Fremdgehen“ – für Hartmut Becker jedoch nur auf der musikalischen Ebene zu Ina Müller und der Band Element of Crime. Von beiden präsentierte er jeweils eine Komposition, zum Teil frei interpretiert.

Gewürzt wurden die Gesangsdarbietungen, die Hartmut Becker mit toller sympathischer und sanfter Stimme vortrug, wozu er sich selbst mit hervorragendem Gitarrenspiel begleitete, mit einigen Liebesgedichten. Beim Vortrag der Reime von Heinrich Heine, Friedrich Schiller, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Wilhelm Busch und Friedrich Halm bewies der Sänger auch rezitatorisches Talent.

Zwei Zugaben

„Sie haben mir eine große Freude und einen wunderschönen Abend bereitet“, bedankte sich Hartmut Becker bei seinem Publikum, nachdem er seinem Schlusslied „Gute Nacht, Freunde“ noch zwei Zugaben hatte folgen lassen. Den Dank gab das Publikum mit einem kräftigen Applaus zurück. Die weiter wachsende Hartmut-Becker-Fangemeinde darf sich bereits auf den 15. Februar 2020 freuen. Dann dann kehrt der Sänger zu einem weiteren Konzert in seine „Wohnstube“ Jahnhalle zurück.

Rolf Bultmann Nordenham / Redaktion Nordenham
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