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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

So will die katholische Kirche Missbrauch verhindern

28.11.2018

Nordenham Pfarrer Karl Jasbinschek begann seinen Vortrag mit einem Jesus-Zitat aus der Bibel: „Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.“ Die Kindheit, so der Pfarrer der katholischen St.-Willehad-Gemeinde in Nordenham, sei die Zeit, in der der Mensch Vertrauen gewinnt, aber auch auch Vertrauen verlieren kann. Für ihn sei es beschämend, dass es in der katholischen Kirche so viele Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen gegeben hat. Und genau so beschämend sei es, dass diese Taten bis vor wenigen Jahren von der Kirche nicht richtig ernst genommen wurden.

Studie veröffentlicht

Karl Jasbinschek hatte für Montag zu einem Diskussionsabend ins Willehad-Pfarrzentrum eingeladen. Es ging um das Thema „Sexueller Missbrauch in der katholischer Kirche“. Vor kurzem wurde eine von der deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Untersuchung des Missbrauchs veröffentlicht. Darüber berichtete der Pfarrer. Aber auch darüber, was im Bistum und in der Kirchengemeinde getan wird, um Missbrauchsfälle künftig zu verhindern. Angesichts der Brisanz des Themas war die Resonanz überschaubar. Gerade einmal acht Besucher kamen zu der Veranstaltung.

Karl Jasbinschek sagte, dass die katholische Kirche den Selbstschutz vor den Opferschutz gestellt habe. In den meisten Fällen seien Beschuldigte versetzt worden und man habe geglaubt, das Problem sei damit erledigt. „Dabei sind die meisten Täter keine Einmaltäter.“ In der Regel habe es keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Beschuldigten gegeben.

Was tut die katholische Kirche, um dem sexuellen Missbrauch vorzubeugen? Nach den Worten von Karl Jasbinschek müssen im Bistum Münster alle pastoral hauptamtlichen Mitarbeiter, vom Diakon bis zum Bischof, eine zweitägige Fortbildung zum Thema sexueller Missbrauch absolvieren. Auch für Ehrenamtliche wurden solche Schulungen eingeführt. In den Fortbildungen gehe es unter anderem darum, wie sich erkennen lässt, dass ein sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Zudem sei die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses verpflichtend.

Darüber hinaus würden bekannt gewordene Missbrauchsfälle ausnahmslos der Staatsanwaltschaft gemeldet, auch rückwirkend und auch dann, wenn die mutmaßlichen Täter bereits verstorben sind. Obwohl „die Schuld der Täter unentschuldbar bleibt“, werde versucht, den Opfern so gut wie möglich zu helfen. Nach den Worten von Karl Jasbinschek seien im Bistum Münster, zu dem die Willehad-Gemeinde gehört, seit 2010 neun Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt geworden. Vorher sei die Zahl um ein Vielfaches höher gewesen.

Schutzkonzept

Wie der Pfarrer weiter mitteilte, ist jede Gemeinde verpflichtet, ein eigenes Schutzkonzept zu entwickeln. In St. Willehad wird ein solches Konzept gerade erarbeitet. Die Gemeinde hat bereits zwei feste Ansprechpartner installiert, die bei Verdachtsfällen eingeschaltet werden können. Diese Ansprechpartner gehören nicht der Gemeinde an.

Die Ursachen sexuellen Missbrauchs waren ebenfalls ein Thema bei der Diskussionsveranstaltung. Und in diesem Zusammenhang kam auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Pflichtzölibats auf. Die Gäste der Diskussionsveranstaltung waren mehrheitlich der Meinung, dass das Zölibat nicht mehr zeitgemäß ist. Karl Jasbinschek machte deutlich, dass er keine Notwendigkeit sieht, am Pflichtzölibat festzuhalten, auch wenn es für ihn persönlich bindend sei. Aber die Symbolkraft des Verzichts sei für viele Gemeindemitglieder heute kaum noch nachvollziehbar. Er glaube allerdings nicht, dass die katholische Kirche in absehbarer Zeit das Pflichtzölibat abschafft, sagte der Pfarrer.

Welche Rolle das Zölibat im Ursachengeflecht des sexuellen Missbrauch spielt, ist noch diffus. Karl Jasbinschek glaubt, dass vor allem klerikale Machtstrukturen sexuellen Missbrauch begünstigen. Unterstützt wird diese These durch die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie. Dort heißt es: „Sexueller Missbrauch stellt immer auch einen Missbrauch von Macht dar, der durch autoritär-klerikale Strukturen der katholischen Kirche begünstigt werden kann.“

Jens Milde
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2205

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