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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Brandaktuelles Lehrstück über Religion

01.12.2017

Nordenham Ausverkauft waren am Mittwoch die Karten für das Theaterstück „Nathan der Weise“ in der Nordenhamer Stadthalle Friedeburg. 500 Besucher, darunter viele Schüler, sahen das Drama von Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781) in einer Inszenierung der Landesbühne Nord aus Wilhelmshaven.

In der Jahrgangsstufe 11 des Nordenhamer Gymnasiums ist das 1783 uraufgeführte Werk derzeit Thema im Deutsch-Leistungskurs, die 10. Klasse der Oberschule 1 beschäftigt sich im Schulfach Werte und Normen mit interreligiösen Fragen, und im Deutsch-E-Kurs steht aktuell die Literaturgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart auf dem Lehrplan. „Nathan der Weise“ ist in Niedersachsen 2019 verpflichtende Abiturlektüre.

Das Publikum erlebte eine zu hundert Prozent gelungene Symbiose aus Tradition und Moderne. Das fünfaktige Stück gilt als das klassische Aufklärungsdrama schlechthin und ist mit seiner Thematik – der Schwierigkeit des Zusammenlebens der unterschiedlichen Religionen – brandaktuell. Lessings Geschichte rund um den wohlhabenden jüdischen Kaufmann Nathan spielt zur Zeit des Dritten Kreuzzuges (1189 bis 1192) und verdeutlicht das Konfliktpotenzial, das seit jeher zwischen den Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam besteht. Der mehrfach auf die Probe gestellte Protagonist Nathan zeigt auf, dass jede Religion ihre Existenzberechtigung hat und keine anderen überlegen ist.

Gelungener Spagat

In seiner modernen und beeindruckenden Inszenierung greift Regisseur Jochen Strauch diesen Stoff auf. Ihm gelingt der Spagat, einerseits dem Originaltext und den Lebensumständen vor 250 Jahren Rechnung zu tragen und andererseits den hoch aktuellen Bezug in Zeiten der Angst vor Terroranschlägen und Überfremdung herzustellen. Möglich ist dies, weil Jochen Strauch zahlreiche Textpassagen des Dramas massiv kürzt und sich auf das Wesentliche beschränkt. Darüber hinaus bedient er sich einer dreiseitigen und modernen Drehbühne, auf der immer wieder zeitgenössische und mit passender Musik unterlegte Video-Screens, Bilder von Götzenbildern, Gotteskämpfern und gnadenloser Zerstörung zu sehen sind. Hinzu kommt, dass die Schauspieler eine großartige Leistung abliefern. Johannes Simons (Nathan), Jördis Wölk (Recha, Tochter von Nathan), Carolin Karnuth (Gesellschafterin von Recha), Simon Ahlborn (Sultan), Anna Gesewsky (Sitah, Schwester des Sultans), Julius Ohlemann (Tempelherr) und Helmut Rühl (Derwisch und Klosterbruder) suchen immer wieder die Nähe zum Publikum. Das kommt bei fast allen Zuschauern sehr gut an.

Viel Gesprächsstoff

Auch die Nordenhamer Lehrkräfte sind sich einig. „Das ist wirklich nah an Lessings Drama dran und medial richtig gut umgesetzt“, sagte Torsten Lange von der Oberschule 1. „Interessant gemacht, vor allem die Verbindung der alten Sprache mit den aktuellen Videos und der lateinischen, hebräischen und arabischen Schrift“, sagte Markus Scharrer vom Gymnasium. „Und die Idee mit der Drehbühne ist einfach klasse“, pflichtete Axel Köpsel bei. „Ein schwieriger Stoff. Ich denke, wir werden mit den Schülern jede Menge Gesprächsstoff haben.“

Schade nur, dass die akustischen Möglichkeiten in der Stadthalle so begrenzt sind. Denn für diejenigen, die weiter hinten oder auf der Empore saßen, war es fast unmöglich, die vielen kunstvoll als Monolog, als Dialog oder im Chor vorgetragenen Verse wortwörtlich zu verstehen.

Trotz der akustischen Probleme war es ein mehr als beeindruckender Theaterabend. Vielleicht auch deshalb, weil es in der Friedeburg keinen freien Platz mehr gab und viele Schulklassen das Angebot nutzten.

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