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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Der Zirkus fällt beim Publikum durch

15.01.2019

Nordenham „Albern“, „Klamauk“, „Keine geistreichen Sätze wie im Original“, „Ein schlecht gewähltes Bühnenbild“, „Zäh und wenig temporeich, vor allem in der ersten Hälfte“ – die Neuinszenierung von Oscar Wildes Verwechslungskomödie „Bunbury oder die Kunst, ernst zu sein“ kam bei den rund 160 Zuschauern in der Friedeburg am Sonntagabend schlecht weg.

Einige wenige Lacher nach der Pause, bevor und während die umworbenen jungen Damen auf der Bühne das Lügenspiel ihrer Verehrer durchschauen und sich eine heftige Auseinandersetzung liefern. Am Ende dann mäßiger Beifall, der bei den meisten Besuchern wahrscheinlich den schauspielerischen Leistungen gezollt war. Denn das sechsköpfige Ensemble der Burghofbühne Dinslaken machte seine Sache gut, vor allem Julia Sylvester in der Rolle der girliehaften Cecily Cardew.

Aber worum geht es in der Komödie eigentlich? Und warum kommt die Inszenierung von Nadja Blank bei den Nordenhamern, von denen viele das Original kennen und einige Oscar-Wilde-Fans sind, so wenig an? In seiner 1895 uraufgeführten Komödie rechnet Oscar Wilde gnadenlos mit der Oberflächlichkeit und Verlogenheit der Gesellschaftsordnung im viktorianischen Zeitalter ab.

Die Protagonisten Jack und Algernon versuchen, ihren vielen gesellschaftlichen und monotonen Verpflichtungen zu entgehen, indem sie kurzerhand zu Notlügen greifen. Die beiden Dandys erfinden fiktive Personen, die sie angeblich immer wieder aufsuchen müssen. Bei Jack ist das der Bruder Ernst, der anscheinend ständig Hilfe benötigt, bei Algernon ein vermeintlich kranker Freund namens Bunbury.

Dieses so genannte „Bunburysieren“, also das Erfinden falscher Identitäten, fliegt auf, nachdem sich die Männer über beide Ohren verlieben. Im Laufe der weiteren Handlung kommt es zu Widersprüchen und Verstrickungen, zumal die zwei angebeteten jungen Frauen unbedingt ihren „Ernst“ ehelichen möchten. Dieser Name ist für sie ein Muss, weil er nach außen eben die gesellschaftlich geforderte Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit symbolisiert.

Nach verschiedenen Enthüllungen auf der Bühne – einem Zirkuszelt – steht dem Glück der beiden Paare dann doch nichts mehr im Weg. Denn Jack erfährt, dass er tatsächlich nach seinem leiblichen Vater Ernest John benannt wurde. Somit hatte er gar nicht gelogen, als er sich zuvor jahrelang als Ernst ausgegeben hatte.

Der Originaltitel des Theaterstücks basiert auf einem Wortspiel. Das englische „Earnest“ entspricht eher dem deutschen Adjektiv „aufrichtig“ als der Übersetzung durch „ernst“ oder „ernsthaft“.

Die Komödie, die Oscar Wilde für seine beste hielt, zeichnet sich durch einen ganz eigenen Sprachwitz, viel Komik und Intelligenz aus. Und gerade diese satirischen Besonderheiten, mit denen der irische Literat die damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Moralbegriffe ad absurdum führte, vermissten die Besucher in der modernen und zirzensisch-clownesken Darbietung mit Showcharakter am Sonntag an vielen Stellen.

Positiver Nebeneffekt: Der eine oder andere Zuschauer, der bislang noch keine der Verfilmungen des Originals gesehen hatte, will das jetzt nachholen.

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