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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Klassik im Park steht in Nordenham vor dem Aus

15.10.2019

Nordenham Der Anfang war bescheiden, die Unsicherheit groß: Als Stefan Tönjes, Dr. Peter Klan und Bruno Fröhlich im Sommer 2002 zum ersten Mal das Freiluftkonzert „Klassik im Park“ auf die Beine stellten, ahnten die drei Nordenhamer nicht, was auf sie zukommen würde. „Es war ein Experiment“, blickt Stefan Tönjes an die Stunde null zurück. Vorsichtig hatten er und seine beiden Mitstreiter mit 200 Besuchern kalkuliert. Es kamen am Ende um die 500. Diese große Resonanz gab ihnen den Antrieb, den zunächst nur vagen Gedanken, aus „Klassik im Park“ eine Veranstaltungsreihe zu machen, in die Tat umzusetzen. So entwickelte sich aus dem Experiment eine Erfolgsgeschichte: Die bislang 15 Konzerte lockten insgesamt etwa 9250 Besucher in den Schützfelder Park. Eine 16. Auflage wird es aber nicht geben. Jedenfalls nicht unter der Regie der Gründungsväter.

Bruno Fröhlich hatte sich bereits 2016 aus dem Organisationsteam verabschiedet. Nun ziehen auch Stefan Tönjes und Peter Klan einen Schlussstrich. „Alles hat seine Zeit“, sagt Bruno Fröhlich und verdeutlicht damit, dass auch die Lebensdauer von „Klassik im Park“ begrenzt ist.

Weniger Besucher

Die zuletzt rückläufigen Besucherzahlen, der hohe Arbeitsaufwand und natürlich das finanzielle Risiko, das die Ausrichter als Privatpersonen selbst schultern mussten, ließen bei Stefan Tönjes und Peter Klan die Entscheidung reifen, sich ebenfalls als Veranstalter zurückzuziehen. Auch die behördlichen Auflagen, die verschärften Sicherheitsbestimmungen und die steigenden Kosten machten den Organisatoren immer mehr das Leben schwer.

Die Chronologie

2002: Von Bach bis Beat­les; Butjenter Brass und Kammerorchester St. Anna Bardenfleth, 500 Besucher

2003: Ohne Motto; Blechbläserquintett Allewind und Kammerorchester St. Anna Bardenfleth, 750 Besucher

2004: Barock-Sommer; Kammerorchester St. Anna Bardenfleth, 600 Besucher

2007: Italienische Nacht; Stuttgarter Hofmusik, 600 Besucher

2008: Von Bach bis Paganini und Vivaldi; Kammerensemble der Jungen Philharmonie Köln, 550 Besucher

2009: Musikalischer Sommernachtstraum; Jugendliche der Musikschule Wesermarsch und Kammerensemble der Jungen Philharmonie Köln, 750 Besucher

2010: Klassik und Temperament; Jugendliche der Musikschule Wesermarsch und Kammerensemble Zigan Virtuosi, 650 Besucher

2011: Wunderbares aus der Welt der Oper; Kammerorchester St. Anna Bardenfleth und Ensemble Il Belcanto, 500 Besucher

2012: Carmina Burana und sommerliche Klassik; Jugendchor der Christus-Kirche Bremerhaven und Evangelische Stadtkantorei Bremerhaven; 800 Besucher

2013: Italienische Nacht; Lemberger Brass und Kammerensemble der Jungen Philharmonie Köln, 800 Besucher

2014: Spanische Nacht; Streicherklasse des Gymnasiums Nordenham, Lemberger Gold Brass und Gitarren-Duo Katona Twins, 550 Besucher

2015: Die magische Nacht der tausend Klänge; Vocalicious und Junge Philharmonie Köln, 800 Besucher

2016: Musik ohne Grenzen; Lemberger Gold Brass, Bremer Barockorchester und Los Temperamentos, 450 Besucher

2017: Bunte Musikwelt; Lemberger Gold Brass, Bremer Kaffeehaus-Orchester und Cellikatessen, 500 Besucher 2019: Grand Voyage; Lemberger Gold Brass und Quadro Nuevo, 450 Besucher

Ein weiterer Grund war der große Unsicherheitsfaktor Wetter. Immer wieder mussten die Konzertmacher zittern, dass es am Veranstaltungsabend bloß nicht regnen. Mieses Wetter ist bei Freiluftkonzerten nicht nur für die Stimmung, sondern auch für die Einnahmen schlecht. „14-mal ist es gut gegangen“, erzählt Stefan Tönjes in dem Wissen, sich auf das Wetterglück nicht verlassen zu können.

Das Konzert 2004 war unter Wettergesichtspunkten der einzige Reinfall, den das Organisationstrio hinzunehmen hatte. Da war das Plattern des Regens so laut, dass die Musik kaum noch zu hören war. Der Schock saß tief. Beinahe hätten die drei Musikfreunde damals schon die Brocken hingeschmissen. Sie bekamen jedoch so viel Zuspruch, dass sie nach zweijähriger Pause einen Neuanfang starteten.

Von 2008 bis 2017 war „Klassik im Park“ durchgehend ein fester Bestandteil des Kulturangebots in Nordenham. In den besten Jahren – 2012 und 2013 – bevölkerten über 800 Konzertbesucher den Park von Gut Schützfeld. Doch allmählich flaute das Interesse ab. 2017 gab es den nächsten Tiefschlag, als die Veranstalter auf einem dicken Minus sitzen blieben. Sie legten eine weitere Denkpause für ein Jahr ein und ließen sich dann erneut überreden, es noch einmal zu wagen. So gab es am 10. August dieses Jahres die 15. Auflage von „Klassik im Park“ – ein kleines Jubiläum. Den Abend mit rund 500 Gästen gestaltete die Gruppe Quadro Nuevo, die zu dem Zeitpunkt nicht wissen konnte, dass sie den Schlussakkord von Klassik im Park anstimmen würde.

„Irgendwann tritt eine gewisse Müdigkeit ein“, beschreibt Peter Klan die Situation. Dabei spiele auch das Alter eine Rolle. Schließlich seien er als 79-Jähriger und Stefan Tönjes mit 66 Lenzen nicht mehr die Jüngsten.

Kein Nachfolger in Sicht

Wie geht es weiter? Die drei Klassik-Freunde würden sich freuen, wenn ein anderer Veranstalter ihr Erbe antreten und die weit über Nordenham hinaus bekannte Konzertreihe fortsetzen würde. Allerdings ist bislang kein Nachfolger in Sicht.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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