• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Geborgenheit und herzhaftes Abendessen

20.12.2018

Nordenham Menschen, die kein Zuhause haben, leben am Rande und doch mitten unter uns. Wir sehen sie nicht, weil wir sie nicht sehen wollen. Und doch sind sie da – auch hier in Nordenham. Und es sind nicht wenige. Julia Durchdenwald, Karin Springer, Gisela Rosenboom und Thomas Dewald kümmern sich um sie. Einmal mehr gaben sie ihnen am Dienstag im Treff der Wohnungslosenhilfe an der Friedrich-Ebert-Straße bei einer kleinen Weihnachtsfeier unter einer liebevoll geschmückten Weihnachtstanne ein Stück Geborgenheit. Ein herzhaftes Abendessen mit Schweinekrustenbraten, Rotkohl, Salzkartoffeln und Roter Grütze mit Himbeersoße spendierte der Hotelier Rüdiger Gallasch.

Zuhören und beraten

Julia Durchdenwald, Karin Springer, Gisela Rosenboom und Thomas Dewald sind Sozialarbeiter im Auftrag des Diakonischen Werkes der evangelisch-lutherischen Kirche Oldenburg. Ihre Aufgabe? Sie hören zu, beraten und geben Tipps, unterstützen, vermitteln, packen auch selbst mit an und öffnen Türen zu Ämtern und Behörden. Und sie bieten eine Adresse, damit Nichtsesshafte postalisch auch zu erreichen sind.

Die vier Sozialarbeiter sind zwar in zwei organisatorisch voneinander getrennten Bereichen tätig, arbeiten aber doch ganz eng zusammen. Nicht zuletzt, weil es sehr viele Überschneidungen gibt. Und natürlich sind sie im Weser-Ems-Gebiet auch bestens vernetzt. Julia Durchdenwald beispielsweise kümmert sich im Tagesaufenthalt um die Durchreisenden.

Hier gibt es Kaffee und Klönschnack, Waschmaschine und Dusche. Man bietet medizinische Hilfe, ein Verwahrgeldkonto und natürlich auch – eine Postadresse. Wer bei diesen eisigen Temperaturen nicht unter freiem Himmel schlafen will und für die Nacht ein Dach über dem Kopf sucht, wird ins städtische Übergangswohnheim vermittelt.

Etwa 15 bis 18 Personen klopfen täglich beim Tagesaufenthalt an, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. Durchreisende, so erzählt sie weiter, laufen nicht ziellos von Stadt zu Stadt, sondern sie haben zumeist eine feste Route. Und Nordenham ist wie alle Hafenstädte mit Seemanns- oder mit Bahnhofsmissionen seit jeher ein Anlaufpunkt gewesen.

Widrige Umstände

Die Durchreisenden nämlich suchen sich Orte, wo sie sich wohlfühlen und zur Ruhe kommen können. Echte „Berber“, die sich dieses Leben in der Freiheit und der Natur selbst ausgesucht haben, sagt Julia Durchdenwald, gebe es heute allerdings nur noch wenige. Nur drei von ihnen beispielsweise habe sie im letzten Jahr getroffen. Alle anderen, die sie kennenlernte, seien zu diesem Leben auf der Straße durch widrige Umstände gezwungen worden.

Ihre Kollegin Gisela Rosenboom ist für die „Ambulante Wohnungslosenhilfe“ im Haus Nr. 89 an der Friedrich-Ebert-Straße zuständig. Hier sprechen natürlich auch Menschen vor, die zum Teil schon seit Jahren auf der Straße leben und durch Deutschland und Europa ziehen, sich jetzt aber entschieden haben, „wieder festzumachen“ und ein normales Leben zu führen, erzählt sie. Die meisten von ihnen aber, sagt die Diplom-Pädagogin, sind aus Nordenham und umzu. Diese „neue Generation“ der Wohnungslosen suchen vor Ort abwechselnd Unterschlupf bei Freunden und Bekannten.

Einen wesentlichen Grund für ihre Not sieht Rosenboom in immer mehr instabilen Familienverhältnissen und in der Tatsache, dass viele junge Leute heute bis zum 21. Lebensjahr und auch darüber hinaus noch bei den Eltern leben und es hier unweigerlich immer wieder zu Spannungen kommt. Etwa 20 bis 40 solcher Menschen ohne festen eigenen Wohnsitz kommen täglich zu ihr in den Treff. Die Diakonie berät sie unter anderem in Schuldenfragen, unterstützt sie selbstverständlich aber auch in Konfliktsituationen und vermittelt Wohnung und Arbeit.

Aber egal ob im Tagesaufenthalt oder bei der ambulanten Hilfe, da sind sich Julia Durchdenwald und Gisela Rosenboom beide einig: Die Wohnungslosen werden im Schnitt immer jünger und, entgegen vieler Vorurteile, spielen Suchtproblematiken zwar auch eine Rolle, sind für den Ausstieg aus dem „normalen“ Leben jedoch oft von keiner oder nur von untergeordneter Bedeutung.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.