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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Plötzlich kracht es im Kirchengebälk

24.01.2012

BRAKE Es knallte ganz fürchterlich. Und dann machte es in Brake wie ein Lauffeuer die Runde: Eine der Glocken, so meinte die ganze Stadt zu wissen, war vom Turm der Stadtkirche gefallen. Dass nichts dran war an der Geschichte, stellte Hans Jürgen Eilers fest, als er Mitte der 60er Jahre als junger Zimmermannslehrling der Kirche buchstäblich aufs Dach steigen musste.

Spurensuche, gut 45 Jahre später. Die Treppe, die hinter der Orgel hoch in den Kirchtum führt, ist steil. Wer nicht schwindelfrei ist, für den ist angesichts der nur aus Rosten bestehenden Stufen, durch die man mühelos bis nach unten durchgucken kann, spätestens an dieser Stelle Endstation.

Nicht so für den heute 61-jährigen Hans Jürgen Eilers. Der klettert behende die eiserne Treppe hoch, entriegelt eine niedrige hölzerne Tür und steht plötzlich im Spitzboden der Kirche. „Hier kann man es gut sehen“, sagt der gebürtige Brake und zeigt auf eines der sogenannten Kopfbänder.

Dabei handelt es sich um die Schrägstützen, die zusammen mit den Längshölzern und Ständern im Dachstuhl der Stadtkirche Dreiecke bilden. An einigen der Stützen ist noch deutlich zu erkennen, dass die Zimmerer, die diesen Dachstuhl gebaut haben, es mit der Sorgfalt offenbar nicht ganz so genau genommen haben: Manche Zapflöcher sind ein wenig zu groß geraten. Die Zimmerer ließen Fünfe gerade sei und trieben kleine Holzstücke als Keile in die Löcher, um die Balken doch noch verankern zu können.

Keine gute Idee, wie sich Mitte der 60er zeigte. Was war geschehen? Eilers, der im Jahr 1965 bei der damals in der Kirchenstraße ansässigen Firma Fritz Wessels eine Lehrer als Zimmerer angefangen hatte, kann sich an die Ereignisse noch gut erinnern. Tatsächlich bestand zunächst die Sorge, eine der Glocken sei vom Kirchturm gekracht. Der Bereich um die Stadtkirche wurde abgesperrt, eine Spezialfirma aus Hamburg nach Brake beordert.

Deren Mitarbeiter stellten allerdings schnell fest, dass noch immer alle Glocken an ihrem Platz hingen. Heruntergestürzt war statt dessen eines der Kopfbänder, weil einer der Holzkeile über die Jahre offenbar eingetrocknet und dann herausgefallen war.

Die Firma Fritz Wessels wurde beauftragt, alle Holzteile wieder zu befestigen und zu konservieren. Zusammen mit seinen Kollegen Arthur Meyer, Karl-Heinz Abels, Werner Ostendorf und Ewald Gabriel-Jürgens rückte Hans Jürgen Eilers aus, um die Arbeiten in Angriff zu nehmen. „Als wir auf dem Boden angekommen waren, stellten wir fest, dass man dort gar nicht laufen konnte. Der Himmel war wie ein Zelt aus ganz leichtem Material an Stahlankern aufgehängt“, erinnert sich Eilers. Es mussten Gerüstbretter her. Um sie auf den Dachboden zu bugsieren, montierten die Handwerker einige Pfeifen aus der Orgel und schoben die Bretter durch die so entstandenen Löcher.

Hans Jürgen Eilers beendete seine Lehre bei Wessels, wechselte anschließend zu einer Baufirma und war unter anderem bei der Errichtung des Titan-Werks in Nordenham-Blexen eingesetzt. Danach fuhr er zwei Jahre zur See, arbeitete 20 Jahre im Braker Hafen und schließlich 15 Jahre bei einer Werft in Berne. Seit dem 1. April ist er Ruheständler und trägt morgens als Zusteller die NWZ  aus.

Hoch oben im Gebälk der Stadtkirche nimmt Hans Jürgen Eilers nun noch einmal die Zapflöcher in Augenschein und denkt an seinen Arbeitseinsatz vor 45 Jahren zurück. „Es hat ja etwas genützt“, sagt er, „die Kirche steht immer noch“.

Detlef Glückselig
Butjadingen
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2204

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