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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Urlaub In Der Region: Ritter strandet auf Harriersand

13.08.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T13:59:54Z 280 158

Urlaub In Der Region:
Ritter strandet auf Harriersand

Harriersand In der Luft liegt ein angenehmer Geruch von Lagerfeuer. „Wir haben hier ständig Feuer an“, meint Lüer Gräper und zeigt auf kleine Feuerstellen und Fackeln. Seit anderthalb Wochen haben die Lynebroker ihr frühmittelalterliches Lager auf Harriersand aufgeschlagen. Rund 23 Mitglieder der nicht eingetragenen Gemeinschaft, die insgesamt etwa 80 Leute umfasst, verbringen in wechselnder Besetzung für zwei Wochen ihren Urlaub auf der Flussinsel. Auch befreundete Lager aus Würzburg und die Partnerin eines Mitglieds aus Ingolstadt besuchen die norddeutschen Lagermitglieder.

„Wir sind eine ziemlich bunt gemischte Truppe aus Handwerkern und Studierten“, sagt Gräper, der die Gemeinschaft zusammengeführt hat und ihr vorsteht. Er sei „zur Hälfte auf Harriersand aufgewachsen“, erzählt der 49-Jährige, der in seiner Kindheit in Walsrode lebte. Mit seinen Eltern habe er jedes Wochenende in einem Wohnwagen auf der Insel verbracht. Nach einer Lehre zum Maurer habe er Architektur studiert. Nach einer anfangs als Ferienjob angedachten Anstellung auf einem Traditionssegler „habe ich sechs Jahre auf 13 Segelschiffen aus acht verschiedenen Nationen gearbeitet“, blickt er zurück.

Vor rund 14 Jahren sei er dann zu einem Geburtstag auf ein Mittelalterfest eingeladen worden. „Ich war sofort infiziert“, sagt Gräper. Aus einem kleinen Zelt wuchs nach und nach ein Lager mit Sperr-, Beil- und Messerwurf- sowie Bogenschießständen: eine „Waffenschule“. Eine Bäckerei, eine Schmiede sowie Leder- und Gewandungs-Künstler vervollständigen das noch immer wachsende „Einsteiger“-Lager der Lynebroker.

„Harriersand geht einem nicht aus dem Kopf“, erklärt der 49-jährige „Ritter“ die Insel als Reiseziel. Über Kontakte sei man an den Zeltplatz auf der Insel gekommen. Das Feuer und die Lautstärke – gerade abends beim Singen und Musizieren am Lagerfeuer – würde auf den meisten Campingplätzen Probleme bereiten, meint Gräper. „Wir haben in diesem Jahr auch einen Sackpfeifenspieler und eine Feuershow mit Jonglage und Feuerspucken.“ Die einzige „moderne“ Ausnahme im Urlaub ist ein Kühlschrank: Den hätten sie auf den Mittelaltermärkten, an denen sie sonst teilnehmen, nicht.

Auf Harriersand seien die Lynebroker mit offenen Armen empfangen worden, sagt Gräper. Als es vor ein paar Tagen morgens stark geregnet habe, hätten sie anderen Campern in ihren Zelten ein trockenes Frühstück ermöglicht, erzählt er. Auch Treffen mit Leuten aus dem vergangenen Sommer habe es gegeben: Neben einer Geburtstagsfeier sei Lana Qualmann in einem großen Fest mit einem symbolischen Schlüssel zur „Schlüddelfruwe“ ernannt worden. Die 32-jährige Walsroderin erklärt, dass sie nun die Kammern der Gruppe mit verwalte – sie sei für die Küche zuständig.

Die Küche ist eine offene Herdstelle unter einem Sonnensegel – sogar einen Ofen hat Gräper gebaut. „Das Kochen auf Feuer dauert länger“, meint er und verrät noch eine Spezialität: „Anstatt von Reis esse ich mittlerweile lieber Dinkel oder Sommerweizen. Die haben einen besseren Eigengeschmack.“

An diesem Sonnabend, 16. August, werden die Lynebroker beim Wiesenfest auftreten. Das Fest beginnt um 18 Uhr auf der Wiese neben der Strandhalle. Die Organisatoren, der Verein „Inselfreunde“ Harriersand, bitten alle Gäste, Grillsachen und Getränke selbst mitzubringen.