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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

„Schon mit 16 wollte ich Pastor werden“

04.01.2018

Rodenkirchen Wo andere vielleicht nur viele Steine sehen, erkennt Frank Klimmeck ein Mosaik. Vollendet ist es nach 80 Lebensjahren immer noch nicht, aber erstaunlich viele Steine passen zueinander und ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Der frühere Pfarrer würde sagen: einen Sinn.

Frank Klimmeck wurde vor genau 80 Jahren geboren, am 4. Januar 1938 in Bergfriede, einem kleinen Dorf in Ostpreußen. Sein Vater besaß im Nachbardorf Nickelshagen eine kleine Privatmolkerei, in der er Milch zu Tilsiter Käse verarbeitete. Gut 15 Monate vor der Geburt seines ersten Sohnes war Curt Klimmeck in Rodenkirchen gewesen, denn auf seiner Wanderschaft durch ganz Deutschland war er auch zur damaligen Molkerei in Rodenkirchen gekommen. Als Ende September Roonkarker Mart gefeiert wurde, lernte er dort seine spätere Frau kennen.

Flucht aus Ostpreußen

Die Klimmecks waren eine über ganz Ostpreußen verstreute Großfamilie. Als die Tanten, Cousinen und Neffen am 21. Januar 1945 zusammenkamen, war das alte Ostpreußen am Ende. Nachmittags hatte Curt Klimmeck noch die Tanten aus der Kreisstadt Osterode geholt, die von der Roten Armee eingekesselt war.

Um Mitternacht brach der Treck nach Westen auf. „Für uns Kinder war es ein Abenteuer“, erinnert sich Frank Klimmeck. In Preußisch-Holland bestiegen die Klimmecks wenig später den Zug; nach neun Tagen kamen sie in Rodenkirchen an. Die vierköpfige Familie zog bei Großvater Georg Lübben ein, Curt Klimmeck konnte gleich in der Rodenkircher Molkerei anfangen. Die Tanten, die schon in Osterode Blumen verkauft hatten, setzten ihr Geschäft in Rodenkirchen fort.

1948 wechselte Frank Klimmeck zum Gymnasium Brake, das er 1958 mit dem Abitur abschloss. Umtriebig, wie er war, schloss er sich gleich nach der Konfirmation 1952 der Jungen Gemeinde Rodenkirchen und den Christlichen Pfadfindern Nordenham an. Fast jedes Wochenende verbrachte er im Jugendhof Steinkimmen bei Ganderkesee, wo er Jugend- und Konfirmandenfreizeiten begleitete. „Schon mit 16 wollte ich Pastor werden“, erinnert sich Frank Klimmeck.

Per Anhalter unterwegs

In den Sommerferien 1952 unternahm er mit 25 Jugendlichen eine Radtour in die Schweiz, 1953 ging es ebenfalls mit dem Rad nach Dänemark und Schweden, 1954 fuhr er mit einer sechsköpfigen Gruppe per Anhalter zu einem Jugenddienstlager nach Berchtesgaden, 1955 reisten die Rodenkircher Jugendlichen – wieder per Anhalter – durch ganz Deutschland, 1956 sogar bis nach Schottland.

Im Herbst 1959 nahm Klimmeck sein Theologiestudium an der Kirchlichen Hochschule in Westberlin auf und studierte gleichzeitig am Sprachkonvikt in Ostberlin Altgriechisch, an der Humboldt-Universität – ebenfalls Ostberlin – Marxismus und an der Freien Universität Westberlin Journalismus. Bald wechselte er nach Münster, dann nach Göttingen, wo er am 4. August 1962 seine Frau Elke heiratete, die er 1958 als Famulus am Kloster Loccum kennengelernt hatte. Noch während seiner Studienzeit wurden seine Söhne Matthias Claudius und Mark Daniel geboren.

Nach seinem ersten Examen 1966 wurde er Vikar in Sandkrug, nach seinem zweiten Examen 1970 schickte ihn die Oldenburgische Landeskirche nach Cäciliengroden (Gemeinde Sande). Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung 2001. Sein Vikariat hatte überdurchschnittlich lange gedauert, weil er auch dabei viele Gelegenheiten erkannte und nutzte. So war er mit der evangelischen „Aktion Sühnezeichen“ und der katholischen Bewegung „Pax Christi“ im damaligen Ostblock unterwegs.

Frank Klimmeck glaubt, dass er nach Cäciliengroden geschickt worden war, weil er als Student in den Semesterferien oft in der Industrie gearbeitet hatte. Cäciliengroden war 1938/39 von der Einswarder Baufirma Herdejürgen und Harmsen für Arbeiter bei der Marinewerft Wilhelmshaven gebaut worden. Klimmeck nahm es als seine Aufgabe an, das Selbstbewusstsein der Einwohner aufzubauen, die sich gegenüber dem bürgerlichen Sande als zweitklassig fühlten. Dazu sollten auch alljährliche mehrtägige Erlebnisfahrten für die Rentner seiner Gemeinde beitragen. Mit den Jugendlichen fuhr er jahrelang zur Internationalen Jugendbegegnung in Pula/Jugoslawien. Von Anfang an pflegte er eine enge Partnerschaft mit der Gemeinde Friedersdorf bei Görlitz in der DDR. 1986 schaffte er es, einen Gemeindebesuch in Friedersdorf zu organisieren.

Pakete für Polen

Sein Organisationstalent zeigte sich auch bei der Polenhilfe. Als in der Volksrepublik Polen im Dezember 1981 das Kriegsrecht verhängt wurde, um die freie Gewerkschaft zu unterdrücken, und es den Menschen am Nötigsten fehlte, handelte Frank Klimmeck und organisierte eine umfangreiche Hilfe für seine alte ostpreußische Heimat – zweimal im Jahr, bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Regierung 1989. Gleich beim ersten Mal kamen 4000 Pakete zusammen, im Laufe der Jahre wurden es weniger.

Nach seiner Pensionierung kehrte Frank Klimmeck 2002 allein nach Rodenkirchen zurück. Auch hier fügte er weitere Mosaiksteinchen aneinander, setzte fort, was er in seinem früheren Leben begonnen hatte. Dazu gehörte die „Kunst am Deich“. Ende der 90er Jahre hatte er am westlichen Ufer des Jadebusens sieben Skulpturen unter dem Motto „Die sieben Tage der Schöpfung“ organisiert – auch was die Finanzen angeht. Die Verbindung zum Deichband war 1996 entstanden, als Klimmeck die Demonstration für die Fortsetzung des unterbrochenen Deichbaus organisiert hatte. Am östlichen Jadebusen-Ufer organisierte er ab 2002 die Fortsetzung der Skulpturen-Aktion unter dem Motto „Die Sintflut – Bewahrung der Schöpfung“.

Zudem begann er unter dem Motto „Kirche und Kunst“ Ausstellungen zu organisieren – nicht nur in St. Matthäus Rodenkirchen. Dabei hat er ein besonderes Augenmerk auf den polnischen Schnitzer Roman Sledz, der in der Münstermannschen Tradition des Manierismus arbeitet. Für dieses Jahr bereitet er eine Wanderausstellung durch Deutschland und Polen vor, die in Friedrich August-Hütte beginnt und 2019 in Rodenkirchen endet.

Dritter Mosaikstein ist die Akademie Dangast, ein Verein, dem er seit einigen Jahren vorsitzt und der Kunst und Natur zusammenbringt – so im vergangenen Frühjahr bei den Jade-Gewässerwochen.

Doch jetzt wird gefeiert: in Cäciliengroden, in Dangast und am Sonntag beim Neujahrsempfang der Kirchengemeinde Rodenkirchen.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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