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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mit Gottes Segen und Kartoffelsuppe

13.12.2018

Rodenkirchen Sie helfen oft und gern – seit 50 Jahren. Aber in den Mittelpunkt stellen sich die 55 Aktiven des Stadlander Ortsverbands der Johanniter-Unfall-Hilfe ganz ungern. Das ist auch zu ihrem Jubiläum nicht anders.

Feiern wollen sie es an diesem Sonntag, 16. Dezember, ab 10 Uhr im Gottesdienst in der St.-Matthäus-Kirche. Das passt gut, weil Pfarrerin Birgit Faß eine wichtige Funktion bei den Johannitern übernimmt: Sie wird als Ortsverbandspfarrerin verpflichtet. Das kann sie nicht selbst tun, und deshalb übernimmt Dr. Stefan Welz, der Regionalverbandspfarrer aus dem Oberkirchenrat in Oldenburg, diese Aufgabe. Zudem wird er die Festpredigt halten.

Für die musikalische Begleitung ist nicht nur Marlies Renz an der Orgel zuständig, sondern auch der Musikzug der Stadlander Johanniter unter der Leitung von Katja Ratjen-Barz. Die Musikanten spielen Weihnachtslieder zum Mitsingen. Nach dem Gottesdienst geht es mit einem Mittagessen im Gemeindehaus weiter, wo die Feldküche der Wiesmoorer Johanniter gastiert. Diese Einrichtung hat einen exzellenten Ruf, sagt Katja Ratjen-Barz, die auch stellvertretende Ortsbeauftragte ist.

Beim „Perfekten Dinner“

Berühmt ist vor allem die Kartoffelsuppe dieser Feldküche; sie kann aber auch ein Vier-Gänge-Hochzeitsmenü zaubern. Ihre Leiterin Diana Borchelt hat an der Fernsehsendung „Das perfekte Dinner“ teilgenommen – und gewonnen! Nach dem Mittagessen werden Kaffee und Kuchen aufgetragen – und daran schließt sich um 16 Uhr das Weihnachtskonzert des Blasorchesters an.

Der Musikzug der Johanniter ist mittlerweile der bundesweit einzige seiner Art, seitdem der zweite – mit Sitz in Ahlhorn – vor drei Jahren aufgelöst worden ist. In dieser Institution haben viele junge Leute einen neuen Sinn für ihr Leben gefunden – und nicht wenige sind Helfer geworden.

Zu Anfang ging es den Johannitern aber gar nicht ums Musizieren, sondern um Erste-Hilfe-Kurse und Rettungseinsätze. Es war im April 1968, als der damalige Johanniter-Kreisbeauftragte Waldemar Krause den Anstoß zur Gründung der Johanniter-Unfall-Hilfe in der damals noch selbstständigen Gemeinde Rodenkirchen gab. Akteur am Ort war Karl Böning, der schon in der Verkehrswacht engagiert war.

Zusätzlich übernahm er das Amt des Johanniter-Ortsbeauftragten, das er aber nach drei Jahren an Erwin Helms weitergab. Karin Vahrenkamp, Klaus Lau, Ingo Lieken, wieder Erwin Helms und dann Uwe Barz waren die nächsten Ortsbeauftragten. Nach dem Tod von Uwe Barz übernahm im Mai 2011 ein Braker die Leitung: Detlef Schumacher. Seit dieser Zeit pflegt der Ortsverband auch enge freundschaftliche Kontakte zum Edewechter Ortsverband.

Start im Pavillon

Daran war vor 50 Jahren nicht zu denken. Ihre erste Wache richteten die Rodenkircher Johanniter im Pavillon am Marktplatz ein, danach zogen sie in die Markthalle und schließlich ins Feuerwehrhaus, wo sie das jetzige Büro des Ortsbrandmeisters bezogen. Der Platz dort reichte für ein Etagenbett und zwei Schränke.

Heute nennen die Johanniter rund 200 Quadratmeter plus Fahrzeughalle ihr eigen, „aber der Platz reicht immer noch nicht“, sagt Detlef Schumacher. Es war am 2. Juli 1997, als der damalige Ortsbeauftragte Ingo Lieken diese Räume der ehemaligen Rodenkircher Molkerei kaufte – mit kräftiger Finanzhilfe der Gemeinde. In der Fahrzeughalle stehen ein Mannschaftstransportwagen, ein Krankentransportwagen und ein Campingwagen für die etwa 25 Sanitätsdienste im Jahr, von denen der fünftägige Einsatz beim Rodenkircher Markt der größte ist.

Wachsender Bedeutung erfreut sich der Hausnotruf. Zirka 90 Anschlüsse gibt es in Stadland und Ovelgönne, die von der Zentrale in Berne aus betreut werden, sie ruft im Alarmfall Angehörige an. Wer in Stadland oder Ovelgönne von Johannitern betreut werden will, muss den teureren Schlüsseldienst buchen, was etwa 50 ältere Bürger getan haben. Die Johanniter haben einen Wohnungsschlüssel im Tresor; im Alarmfall fährt ein Helfer mit einem Kleinwagen des Ortsverbandes raus.

Die Zahl schwerer Unfälle hält sich für die 16 aktiven Helfer in Grenzen – „glücklicherweise“, sagt Katja Ratjen-Barz. Doch immer wieder stoßen sie bei ihren Einsätzen auch an ihre Grenzen.

Und da kommt die Ortsverbandspfarrerin Birgit Faß ins Spiel. Sie kann Seelsorge leisten, wenn ein Einsatz die Helfer überfordert – so wie ihr Vorgänger Werner Könitz. Der musste einmal nachts zum Rodenkircher Markt ausrücken, um Junghelfern beizustehen, die eine 16-Jährige wiederbelebt hatten. In der Theorie hatten sie alles Erforderliche gelernt. Aber in der Praxis forderte es sie seelisch heraus, einen Menschen, der kaum älter war als sie selbst, ins Leben zurückzuholen.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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