• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

St. Josef ist kein sakraler Raum mehr

01.04.2019

Rodenkirchen 1952 hatte der damalige Offizial Heinrich Grafenhorst die kleine St.-Josef-Kirche in Rodenkirchen geweiht. Der katholische Kirchenbau in der mehrheitlich protestantischen Wesermarsch war nötig geworden, weil sich hier nach dem Zweiten Weltkrieg viele katholische Vertriebene niedergelassen hatten. In den letzten Jahren wurde die Kirche aber kaum noch besucht. Von 3386 Katholiken in der Kirchengemeinde St. Willehad Nordenham, zu der Rodenkirchen seit acht Jahren gehört, leben dort 463.

Entscheidung gefallen

Ende vergangenen Jahres hatte der Kirchenausschuss einstimmig die Schließung der Kirche beschlossen und den Antrag auf Profanierung gestellt. Seit dem 1. Januar gibt es hier keine Gottesdienste mehr. Am Sonntag nahm Weihbischof Wilfried Theising im Namen von Bischof Dr. Felix Genn die Profanierung (Entweihung) vor. Zu dem feierlichen Gottesdienst in der gut besuchten Kirche kamen auch viele Gläubige aus Nordenham und Burhave.

Die Geschichte der Kirche sei für viele Menschen wichtig und bedeutsam gewesen und sie sei es immer noch, sagte Pfarrer Karl Jasbinschek zur Begrüßung. „Wir werden die Kirche nicht aufgeben, sondern gehen mit unserer Gottesdienstgemeinde jeden 2. und 4. Mittwochnachmittag in den nahen Friesenhof“, sagte er. Ab Pfingsten werde es zudem einen Boni-Bus-Shuttle zum Sonntagsgottesdienst nach Nordenham geben. Er würde sich freuen, wenn das Angebot angenommen werde, „denn Menschen sind die lebendigen Bausteine der Kirche Christi“, betonte der Pfarrer. Ausdrücklich dankte er der evangelischen Pfarrerin Birgit Faß, die den katholischen Mitchristen angeboten hatte, die evangelische Kirche bei Bedarf zu nutzen. Er dankte auch den Ehrenamtlichen, die sich lange um die Kirche und Gottesdienste in Rodenkirchen gekümmert hatten – unter ihnen das Küsterehepaar Alina und Alfred Michalski, Anna Fiedler und die Musiker Elena Attomei und Dr. Stefan Wegner.

Es sei kein schöner Anlass, wenn man zusammenkommt, um eine Kirche zu schließen, sagte Weihbischof Wilfried Theising. „Gott sei Dank ist das im Oldenburger Land ein sehr seltenes Ereignis, und ich bin sicher, dass es auch in Zukunft selten bleiben wird“, gab er sich zuversichtlich.

Aber für die Menschen in Rodenkirchen sei es ein Einschnitt. „Wir wollen aber mit einer Perspektive nach Hause gehen und kein Trübsal blasen“, sagte der Weihbischof. Die Gemeinde treffe zum einen die Demografie, zum anderen eine veränderte Haltung zum Gemeindeleben, erläuterte der Weihbischof. „Wir müssen jedem Menschen die Freiheit lassen in seinem religiösen Leben. Auch wenn sich die Menschen entscheiden würden, zu gehen“, sagte er.

Jeder Mensch stehe in der Liebe Gottes, egal wie er sich verhalte, war sich der Weihbischof sicher. Er nahm auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn Bezug, in dem der Vater seinen lange abwesenden Sohn freudig aufnahm. Er betonte: „Auch wir als Kirche müssen so handeln und unsere Kirchen für alle offen halten. Selbst für die, die ausgetreten sind.“ Es sei wichtig, dass alle Christen zusammenhalten, auch über die Konfessionsgrenzen hinweg, forderte Wilfried Theising.

Mehr als ein Gebäude

Der Kirchenpatron St. Josef werde weiterhin die Menschen in Rodenkirchen begleiten, machte er den Gläubigen Mut. „Wir schließen die Kirche nur als Gottesdienstraum. Das heißt aber nicht, dass wir alles aufgegeben. Kirche lebt von mehr als einem Gebäude. Kirche lebt von Menschen, dem Miteinander und der Beziehung zu Gott“, betonte der Weihbischof.

Er rief die Menschen dazu auf, diese Beziehung am Leben zu halten. „Dann werden Sie auch weiterhin eine gute und gesegnete Zukunft haben“, sagte er. Was mit dem Gebäude passiere, sei noch unklar, sagte Wilfried Theising, nachdem er das Profanierungsdekret vorgelesen hatte. Die Kirchengemeinde und das Bischöflich Münstersche Offizialat wollten das in Ruhe überlegen. Über Anregungen aus der Gemeinde sei man aber dankbar, rief der Weihbischof die Gemeindemitglieder auf.

Beim anschließenden Auszug nahm Diakon Christoph Richter das Allerheiligste (den Kelch mit den Hostien) aus dem Tabernakel mit. Die Kirche St. Josef ist ab sofort kein sakraler Raum mehr.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.