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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Alma Rogge – ein ganz besonderes „Kind ihrer Zeit“

14.02.2019

Rodenkirchen „Wir wollen sie nicht vergessen“, sagte Gabriele Wobbe-Sahm über die berühmteste Rodenkircherin: Alma Rogge. Deshalb freute sie sich, dass sich rund 50 Zuhörer in den Saal der Gaststätte Friesenheim gezwängt hatten, um den Vortrag des Rüstringer Archivars Heddo Peters über die Schriftstellerin zu hören.

Veranstalter war der Bürgerverein Strohausen, dessen Zweite Vorsitzende Gabriele Wobbe-Sahm ist. Heddo Peters machte seinem Ruf als exzellenter Vortragender und als Vermittler verlässlicher Fakten Ehre: Der Esenshammer schilderte ausschließlich Belegbares und entwickelte vor den Augen und Ohren seiner Zuhörer ein Lebensbild, das in seinem Anfängen dem vieler anderer Mädchen in der nördlichen Wesermarsch glich.

Tonaufnahmen von 1965

Er stützte sich dabei auf die Biografie von Thea Strahlmann, einer Nichte Alma Rogges, die Memoiren von Hanna-Wisser-Thimig und Unterlagen aus dem Rüstringer Archiv. Von dort brachte er auch Tonaufnahmen Alma Rogges von 1965 mit.

Die am 24. Juli 1894 geborene Alma Rogge blieb nicht das typische Bauernmädchen: Schon in der Schule begann sie Texte zu schreiben. Ostern 1911 musste sie, wie alle Mädchen in ihrem Alter, die Höhere Bürgerschule in Rodenkirchen verlassen, um sich im Haushalt ihrer Mutter auf die Ehe vorzubereiten.

1912/13 besuchte Alma Rogge das Töchterpensionat in Bad Kreuznach, das diese Ausbildung vollenden sollte. Tatsächlich gab dieses Jahr dem Leben von Alma Rogge die entscheidende Wendung: Sie lernte ihre spätere Lebensgefährtin Hanna Wisser-Thimig (1894 bis 1989) kennen und beschloss, höhere Schulen zu besuchen und zu studieren. Eine weitere entscheidende Wendung brachte das Jahr 1913, als Alma Rogge den Vater ihrer Freundin kennenlernte, den Oldenburger Märchen-Professor Wilhelm Wisser. Der ermunterte Alma, ein plattdeutsches Theaterstück zu schreiben. Es bekam den Titel „Up de Freete“ und wurde am 11. April 1916 unter großer Anteilnahme der Rodenkircher in Schmedes Hotel – heute Ikaros – uraufgeführt. Nicht zufällig hieß die weibliche Hauptperson Hanna.

Abitur als Externe

Ostern 1917 legte Alma in Varel als Externe die Mittlere Reife ab, im September 1918 bestand sie ihre Abiturprüfung in Delmenhorst – ebenfalls als Externe. Damit ging Alma Rogge für eine Bauerntochter einen sehr ungewöhnlichen und mutigen Weg.

Am 2. Oktober 1918 warf ein tragisches Ereignis die frisch gebackene Abiturientin aus ihrer vorgezeichneten Lebensbahn: Ihr älterer Bruder Hinrich fiel bei den letzten Kämpfen des Ersten Weltkrieges. Er hatte den Hof in Brunswarden von den Eltern übernehmen und dort mit seiner Schwester wohnen wollen. Jetzt musste sich Alma neu orientieren und in die Welt hinausziehen: Göttingen, Berlin, Hamburg, Bremen.

Sie machte sich einen Namen als platt- und hochdeutsche Autorin, Dramatikerin und Journalistin, arbeitete mal angestellt und mal frei, lebte mal gut und mal nicht so gut von ihrer Arbeit. Doch sie blieb sich treu: eine bodenständige Deern mit Brunswarden im Herzen, die die Menschen in ihrer Heimat scharf beobachtete, aber warmherzig und humorvoll schilderte. Auch wenn ihre Gedichte, Kurzgeschichten, Romane und Theaterstücke in Stro-
hausen und Rodenkirchen spielen, so schildern sie doch immer allgemein menschliche Denk- und Verhaltensweisen.

1937 starb ihr Vater August Rogge, und von dem Erbteil konnte sie sich ein Haus auf dem hohen Weserufer in Bremen-Rönnebeck gegenüber von Berne bauen, wo sie mehr als 30 Jahre lang mit Hanna Wisser-Thimig lebte. Sie blieb uneitel, aß und trank gern und gut und beklagte sich in späteren Jahren oft über ihr Magenleiden. 1965 ließ sie sich röntgen und schrieb darüber eine heitere Geschichte: „Fröhliche Durchleuchtung“.

Diagnose: Magenkrebs

Drei Jahre später war es mit der Fröhlichkeit vorbei: Bei einer Operation im April 1968 stellten die Ärzte Magenkrebs fest und brachen den Eingriff ab. Am 7. Februar 1969 starb Alma Rogge in ihrem Haus in Rönnebeck, vier Tage später wurde sie in Rodenkirchen beerdigt, weitere 20 Jahre später fand Hanna Wisser-Thimig neben ihr die letzte Ruhestätte.

Und die Nazizeit? Die plötzlich wieder aufgeflammte Diskussion über eine mögliche Verstrickung Alma Rogges? „Ich habe versucht, zu allen Vorwürfen etwas Belegbares zu finden, aber es gibt nichts“, sagte Heddo Peters. „Sobald etwas Belastendes gefunden wird, bin ich der Erste, der darüber spricht.“ Hanna Wisser-Thimig jedenfalls sei Nazi-Gegnerin gewesen. Fest steht, dass Alma Rogge dem Eutiner Dichterkreis angehört hat, der nazinah war. „Aber wir wissen nicht, was sie dort gesagt hat“, betont Heddo Peters. Und zudem habe auch der in Brake hoch verehrte Schriftsteller Georg von der Vring diesem Kreis angehört.

„Sie war ein Kind ihrer Zeit“, sagte Heddo Peters.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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