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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Schicksale entlang des Todesstreifens

10.10.2019

Rodenkirchen Autor und an zweiter Stelle Abenteurer, so beschreibt Mario Goldstein aus Plauen seinen Beruf. Er ist aber auch ein auf Anhieb sympathischer Zeitgenosse, der die Zuhörer bei seinen komplexen Multivisionsshows immer wieder fasziniert. Das wusste auch die Vortragsgemeinschaft Rodenkirchen, als sie Mario Goldstein zum mittlerweile dritten Mal in die Markthalle einlud.

Vorsitzender Horst Wieting begrüßte die etwa 150 Gäste, erstmals auf den neuen Stühlen. Bürgermeister Klaus Rübesamen überreichte seiner Mitarbeiterin Petra Kintscher einen Blumenstrauß für ihre geleistete Arbeit.

Einblicke in die Jugend

Mario Goldstein berichtete zunächst von seinen bedrückenden Erfahrungen als Jugendlicher in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Mit 15 wurde er nur wegen geäußerter Fluchtgedanken für zwei Monate inhaftiert und teilweise ans Bett gefesselt. Mit 18 dann ein realer Fluchtversuch, kurz vorm Ziel verhaftet, Knast in Chemnitz, Zwangsarbeit in einem Betonwerk, nach zwei Jahren für 16 000 DM durch Vermittlung des berühmten Rechtsanwalts Vogel von der Bundesrepublik Deutschland (BRD) kurz vorm Mauerfall freigekauft. Nach einer Zeit der Selbstfindung als Unternehmer im Westen gelangte Mario Goldstein zu der Erkenntnis, dass er wahren Reichtum nur im Einklang mit der Natur finden kann. Es folgten verschiedene Abenteuerprojekte auf den Weltmeeren, quer durch Kanada oder in Indien. Vor drei Jahren kam die Anfrage durch den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), ob er sich eine Reise entlang des grünen Bandes vorstellen könne. Er konnte, und so wanderte er in zwei Etappen und 100 Tagen fast 1400 Kilometer längs der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

Die einstige Todeszone hat sich mittlerweile zu einer Lebenslinie entwickelt, zu einem einzigartigen Ökosystem, das 1200 bedrohten Tierarten Raum und Schutz bietet. Beispielhaft dafür ist etwa die Wiederansiedlung des Luchses im Harz.

Mario Goldstein fesselte die Zuhörer vom ersten Moment an mit seinen Erlebnissen, die auch durch tolle Fotos und Videos unterstützt wurden. Mit Werken des Liedermachers Maik Müller aus Chemnitz wurde der Vortrag musikalisch unterlegt.

Bewegende Momente

Es gab einige sehr bewegende Momente, etwa als ein Zeitzeuge an Michael Gartenschläger erinnerte, der mit 17 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, dann freigekauft wurde und 1976 an der Grenze von Vopos erschossen wurde. Oder eine ältere Dame, die zu den 10 000 Menschen gehörte, die durch den Mauerbau zwangsweise umgesiedelt wurden. „Nur die Toten durften bleiben“, wie auf dem Friedhof des Örtchens Schmerbach.

Es überwogen im Vortrag aber die heiteren Momente wie der kleine Film über eine Heuschrecke, die sich anhört wie ein abgewürgter Motor. Oder Mario Goldsteins Begegnung mit Brocken-Benno, der jeden Tag den höchsten Berg des Harzes hochwandert, schon über 9000 mal ist er diesen beschwerlichen Weg gegangen. Kurz vorm Ziel am Schalsee ein Treffen mit dem bekannten Vogelstimmenimitator Dr. Uwe Westphal, einfach köstlich. Lang anhaltender Beifall nach über zwei Stunden war der verdiente Lohn für den Referenten. Wer das alles genauer nachlesen möchte, dem sei sein Buch „Abenteuer Grünes Band“ empfohlen.

Der nächste Vortrag in der Markthalle am 12. November trägt den Titel „Große Wildnis Kamtschatka“.

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