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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

AUFFÜHRUNG: Schaupielerisch und musikalisch auf hohem Niveau

10.02.2005

NORDENHAM NORDENHAM - Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ in der Fassung des Oldenburgischen Staatstheaters auch nach Kritikermeinung gelungen sei. In der „Friedeburg“ gab es am Dienstag nur wenige freie Plätze. Den Opernfreunden wurde ein modernes, aber nicht avantgardistisches Musiktheater geboten, das sich sowohl schauspielerisch als auch musikalisch auf hohem Niveau bewegte.

Zu den Klängen des Oldenburgischen Staatsorchesters unter der souveränen Leitung Alexander Rumpfs sangen in der Inszenierung von Anthony Pilavachi Daniel Behle (Belmonte), Thomas W. Kuckler (Pedrillo), Anja Metzger (Blonde), Caroline Stein (Konstanze) und der großartige Fritz Vitu (Osmin). Daneben spielten Guido Wachter (Selim Bassa) und Elfi Hoppe (Konstanze II). Der Chor erfreute besonders im ersten Teil, als die Sängerinnen und Sänger in den Gängen standen und sich so ein sehr schönes Klangerlebnis ergab.

Mit der Ouvertüre erscheint Belmonte auf der Bühne, der von seiner Suche nach der entführten Geliebten, Konstanze, singt. Am Landhaus des reichen Selim Bassa, der Konstanze, ihre Dienerin Blonde und den Diener Pedrillo Piraten abgekauft hat, wird er höchst unfreundlich von Bassas „rechter Hand“, Osmin, einer Art Sicherheitschef, abgewiesen. In der Rolle des bösartigen und gewalttätigen Lakaien läuft Kammersänger Fritz Vitu zu Hochform auf.

Pedrillo schleust seinen Ex-Herrn ins Haus, in dem Selim Bassa versucht die Liebe von Konstanze zu gewinnen. Ebenso wie Osmin, dem er Blonde „schenkte“, hat er der Angebeteten bisher keine Gewalt angetan, auch wenn beide durchaus bereit sind, dieses zu tun.

Konstanze stellt sich mit traurigen „Liebesleid“-Arien vor, verhält sich Selim gegenüber kein bisschen feindselig, ja zeigt durchaus zärtliche Zuneigung. Doch dann gibt sie ihm klar zu verstehen, dass ihre alte Liebe lebendig ist. Selim verliert fast die Beherrschung und erwartet für den nächsten Tag ultimativ eine Entscheidung für ihn – sonst droht die Marter.

Auch Blonde hört Drohungen aus Osmins Mund, doch sie ist stärker als ihre Herrin und der „starke Mann“. Der Regisseur lässt sie Osmin ausziehen und ihn dann der Insignien seiner Macht entkleidet in Unterwäsche über die Bühne laufen – als Marionette der europäisch-selbstbewussten Frau.

Zur Entstehungszeit der Oper, der ersten übrigens, die Mozart als freier Komponist schuf, war der Orient und darin besonders die Türkei beliebtes Umfeld für dramatische Stoffe. Osmin alias Vitu gibt den mitunter lächerlichen, manchmal auch beängstigend despotischen „Muselmann“, der als Klischee in europäischen Köpfen geisterte. Selim ist „kein echter Türk’“, zu sensibel und zu zurückhaltend, zu kontrolliert in seinen kurzen Ausbrüchen.

Nachdem sich die Liebenden wieder begegnen, müssen sie zunächst ihre sehr sensibel und glaubwürdig gespielte Entfremdung überwinden. Die Männer zweifeln an der Treue der Frauen, die Frauen scheinen nicht mehr an die Liebe der Männer zu glauben.

Die Flucht scheitert, die Liebenden scheinen verloren, der Rachsucht der orientalischen Männer preisgegeben. Doch da zeigt Selim Bassa Größe: auch wenn sich Belmonte als Sohn seines größten Feindes zu erkennen gibt, schenkt er ihm und Konstanze, sowie dem Dienerpärchen die Freiheit.

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