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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Geheimnisse einer alten Kirche

25.05.2019

Schwei Es war Graf Anton Günther höchstpersönlich, der die Anordnung zum Bau der St.-Secundus-Kirche in Schwei gab. 1615 begannen die Arbeiten, ein Jahr später waren sie abgeschlossen. Am 22. Mai 1619 feierten die Schweier Kirchweih – das ist jetzt genau 400 Jahre her.

Dieses Jubiläum nimmt die Kirchengemeinde Schwei zum Anlass für eine Festwoche, und zu deren Programm gehörte selbstverständlich ein geschichtlicher Rückblick. Doch der enthielt neben einigen Gewissheiten nicht wenige Vermutungen und Rückschlüsse, denn viele Ereignisse in der langen Geschichte dieser Kirche sind nirgendwo notiert worden.

Dennoch gelang es dem Referenten Achim Knöfel, vor den 60 Zuhörern ein lebendiges Bild dieser Geschichte zu zeichnen. Weil er 30 Jahre Bau-, Kunst- und Denkmalsachverständiger der Oldenburgischen Landeskirche gewesen war, bezog sich Achim Knöfel in seinem Vortrag stark auf das Inventar der Kirche.

Außenposten von Hude?

Von den ersten Anfängen ist nichts mehr übrig. Hier bleiben Mutmaßungen und nicht zu beweisende Aufzeichnungen früherer Chronisten, denen zufolge die Schweier Kirche als Außenposten des 1232 gegründeten Klosters Hude erbaut wurde. Einen Pfarrer gab es hier zunächst nicht, nur zu Sakramenten wie Taufe und Trauung kam ein Priester vorbei.

Der erste eigene Pfarrer war nach Schwei zwangsversetzt worden: Walter Renzelmann hatte sich 1527 im damals noch erzkatholischen Oldenburg erdreistet, lutherisch zu predigen – und deshalb fand er sich 1528 in Schwei wieder. Einer seiner Nachfolger ließ 1573 Taufstein und Altar erneuern.

Doch auch um die Kirche selbst muss es nicht zum Besten gestanden haben, sonst wäre sie wohl kaum neu gebaut worden. Gleich nebenan stand ihr Turm, von dem Pastor Dietrich Konrad Muhle (1834 bis 1856) schreibt. Doch auch wenn in seinem Fundament Quadersteine aus dem alten Gotteshaus verbaut worden waren, war er wenig standfest und musste 1695 aus dem Material des Vorgängerbaus neu errichtet werden.

Schon 1631 war in der Kirche die Westempore gebaut worden, um 1700 folgte die Nordempore. Doch besonders beeindruckend war die neue Innenausstattung, die der Kirchenrat 1638 bei der Hamburger Holzbildhauerwerkstatt von Ludwig Münstermann in Auftrag gab. Deren Arbeiten gab‘s nicht zum Schnäppchenpreis, aber die Bauern waren nicht arm: Sie versorgten die Gegner im 30-jährigen Krieg mit immer neuen und immer teuren Pferden.

Das Grau der Aufklärung

Als Herzog Peter Friedrich Ludwig 1785 die Regierungsgeschäfte in Oldenburg übernahm, brach auch hier das Zeitalter der Aufklärung an, das tiefgreifende Änderungen mit sich brachte. 1798 mussten alle Grüfte aus der Kirche entfernt werden. Verstorbene Pastoren hatten in der Nähe des Altars, reiche Bauern im Westen gelegen. Die Grabplatten verkaufte die Kirchengemeinde. Der Fußboden war schon 1787 mit Holzdielen ausgelegt worden. Die Fenster wurden vergrößert, damit mehr Licht hereinkam, Kanzel, Altar und anderes wurde perlfarben angemalt, wie man damals sagte, also hellgrau. Diese Farbe blieb bis vor knapp 20 Jahren prägend.

Die größte Umwälzung kam 1969, als nur die Wände von St. Secundus stehen blieben. Die alte Kirche bekam eine neue Statik – mit ganz viel Beton. Doch es war zu viel Beton, denn die zähe Masse floss aus der Kirche heraus bis in die Vorfluter. Die Empore wurde nahezu komplett erneuert, und auch die Kirchenbänke flogen raus. „Damals wurden keine Kirchen mehr gebaut, sondern Gemeindezentren mit beweglichen Stühlen“, sagte Achim Knöfel. Der Oldenburger Architekt Rainer Herrmann entwarf sie exklusiv für St. Secundus. Und auch bei dem Vortrag saßen die Zuhörer noch auf genau diesen Stühlen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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