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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Oldtimer-Trecker In Schwei: Überraschungsgast mit 12 PS

31.07.2019

Schwei Wenn einer 80 Jahre alt wird, muss er damit rechnen, dass seine Angehörigen sich einige lustige Überraschungen für seine Geburtstagsfeier ausdenken. Meistens haben diese Überraschungen mit der Vergangenheit des Jubilars zu tun, und insgeheim will der Gastgeber an seinem Ehrentag auch überrascht werden.

So wird sich der Schweier Fritz Bunjes wohl nicht sonderlich gewundert haben, als ihm schon zu Beginn seiner Feier ein „Besuch aus der Vergangenheit“ angekündigt wurde, „einer, den du länger nicht gesehen hast.“ Doch der Besucher konnte nicht reinkommen in den Neustädter Hof, wo der runde Geburtstag gefeiert wurde, Fritz Bunjes musste schon zu ihm rauskommen. Trotz einiger äußerlicher Veränderungen erkannte er den Überraschungsgast sofort wieder: Es war sein alter Trecker!

Denkmal auf vier Rädern

43 Jahre lang – mehr als sein halbes Leben – hatte der frühere Nebenerwerbslandwirt den Schlepper nicht gesehen. Wie aus dem Ei gepellt präsentierte sich der Fahr/Güldner. Fritz Bunjes stieg sofort auf, ließ den 12-PS-Motor an und dreht einige Runden mit diesem technischen Denkmal auf vier Rädern.

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Sofort war es wieder da: das Gefühl für diesen Trecker, den er 43 Jahre lang vermisst hatte. Und sofort fielen ihm die technischen Veränderungen auf, die der jetzige Besitzer Dieter Ruprecht aus Eckwarder Altendeich an dem 59 Jahre alten Fahrzeug vorgenommen. Dieter Ruprecht hatte nicht nur die eckige Fahr-Motorhaube durch durch die runde Abdeckung mit der markanten runden Güldner-Nase ersetzt, sondern beispielsweise auch den dritten Gang verplombt, so dass der Trecker über das Schneckentempo von sechs Stundenkilometern nicht hinauskommt. Deshalb braucht der Trecker keine Zulassung mehr. Fritz Bunjes erreichte mit der roten Zugmaschine damals Tempo 20 – auch das ist heutzutage ein musealer Wert.

Die Kinder arbeiten mit

Zu verdanken hatte Fritz Bunjes das Wiedersehen seinem Sohn Frieder. Der kann sich noch gut an die Arbeit mit dem Fahr erinnern. 1969, im Jahr seiner Geburt, hatten seine Eltern eine kleinen Sechs-Hektar-Hof in Seefelderaußendeich als Nebenerwerbsbetrieb gepachtet; im Hauptberuf arbeitete Fritz Bunjes bei Olympia in Schwei-West.

Wie es auf Bauernhöfen üblich ist, mussten die fünf Bunjes-Kinder bei der Arbeit helfen – beispielsweise bei der Heuernte mit dem Trecker. Und die lief so: Fritz Bunjes gabelte die schweren Ballen mit der Forke auf und warf sie auf den Anhänger, den der Trecker mit Handgas langsam über das Feld zog. Am Steuer des Treckers saßen Frieder Bunjes und sein jüngerer Bruder und hielten den Trecker auf Kurs, während die beiden älteren Schwestern die Ballen auf dem Anhänger stapelten.

Frieders vornehmste Aufgabe bestand darin, rechtzeitig – also nicht zu früh und nicht zu spät – Bescheid geben, wenn der Graben nahe kam. Dann lief der Vater zum Trecker, stieg auf die Ackerschiene, drehte das Steuerrad um 180 Grad, und nachdem der Trecker die scharfe Kurve genommen hatte, widmete sich Fritz Bunjes der nächsten Reihe Heuballen. Frieder Bunjes und sein Bruder durften nicht lenken, sie mussten nur das Lenkrad gerade halten.

Auch den Muschelkalk für die Wege holte Fritz Bunjes mit Trecker und Anhänger – aus dem Vareler Hafen. „Mit Tempo 20 war das eine halbe Tagesreise“, schildert Frieder Bunjes.

Fritz Bunjes schätzte an dem Trecker vor allem die Standfestigkeit und die Kraftentfaltung. Dabei hatte er das Fahrzeug nicht bewusst gekauft, sondern als Teil des Inventars mit der Pacht übernommen.

Detektiv gespielt

Nach sieben Jahren musste Fritz Bunjes unfreiwillig Schluss machen mit seinem Lieblingstrecker. Denn die Besitzer verkauften die kleine Pachtstelle, und der neue Eigentümer meldete Eigenbedarf an. Fritz Bunjes gab die Landwirtschaft auf, und bei der Auktion kam auch der Trecker unter den Hammer. Bauer Helmers aus Augusthausen bekam den Zuschlag, danach verlor sich für Fritz Bunjes, der mit seiner Familie nach Schwei zog, die Spur des Treckers.

Deshalb musste Frieder Bunjes ein bisschen Detektiv spielen, um die Spur wiederaufnehmen zu können. Dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe. Frieder Bunjes ist bei Premium Aerotec in Einswarden beschäftigt, mit gut 3000 Arbeitskräften der größte Arbeitgeber in der Wesermarsch. Wer hier arbeitet und nicht allzu sehr für sich bleibt, kennt eine Menge Leute.

Güldner oder Fahr?

Einer davon, das wusste Frieder Bunjes, war ein Sohn von Bauer Helmers aus Augusthausen. Und der wusste, um welchen Trecker es ging und wo der abgeblieben war. Der Traktor gehörte seit 27 Jahren der Familie Ruprecht in Eckwarder Altendeich. Dieter Ruprecht, selbst Landwirt, hatte ihn liebevoll wiederhergerichtet.

Doch als Frieder Bunjes dort an der Tür klingelte und nach einem 59 Jahre alten Fahr fragte, schüttelte Frau Ruprecht den Kopf. Ja, sie hätten einen 59 Jahre alten restaurierten Trecker, aber es sei ein Fabrikat der Marke Güldner, keines der Marke Fahr. Doch das war gar kein Widerspruch: Die Traktorenfabrik Güldner, seit 1906 in Aschaffenburg ansässig, und die Maschinenfabrik Fahr, seit 1877 in Gottmadingen bei Konstanz am Bodensee tätig, arbeiteten von 1958 bis 1962 in der Treckerfertigung zusammen und produzierten eine gemeinsame Schlepperlinie.

Nach dem Ende der Zusammenarbeit stellte Fahr die Treckerfertigung ein, Güldner folgte 1969. Kleine regionale Familienbetriebe hatten beim nächsten Akt der Mechanisierung der Landwirtschaft keine Chance mehr.

Als Frieder Bunjes den alten Trecker wiedersah, hätte er ihn am liebsten gekauft. Doch Dieter Ruprecht wollte ihn um keinen Preis hergeben. Aber leihweise durfte Frieder Bunjes ihn für 48 Stunden haben.

Und so sahen Fritz Bunjes und seine fünf Kinder den alten Bekannten wieder – und die 17 Enkel und die 7 Urenkel lernten ihn auch endlich kennen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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