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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Akkordeon ersetzt Geige ohne Probleme

03.01.2019

Seefeld Gesche Gloystein begrüßte am Neujahrsabend eine große Gästeschar, die sich zum sechsten Neujahrskonzert der Oldenburger Sinti-Jazz-Formation Chapeau Manouche in der Seefelder Mühle eingefunden hatte. Mit dem neuen Flyer des Kulturzentrums warb sie für weitere Veranstaltungen des kommenden Vierteljahres. Da Clemens Schneider, der Geiger und eigentliche Moderator des Oldenburger Quartetts, diesen Jahreswechsel in Schweden verlebt hat, spielte die Band in ungewöhnlicher Zusammensetzung: Giacomo Adler nahm mit seinem Akkordeon dessen Platz ein.

Als bei den ersten Proben auffiel, dass er mit der linken, der Bass-Hand, annähernd dasselbe spielen würde wie Kontrabassist Benjamin Bökesch, entschloss sich Giacomo Adler zu einer vorübergehenden „Amputation“ – er entfernte die Knopfleiste für die Bassbegleitung, so dass die rechte „Melodie-Hand“ einen zentralen Beitrag zum Erfolg des Abends leisten durfte, ihre linke Entsprechung jedoch recht wirkungslos über das Instrument strich. Der Geigen-Ersatz erwies sich dennoch als vollwertig, denn das Instrument erklang gefühlvoll integriert als Begleit- und dynamisch, temperamentvoll als Solo-Instrument oder Duettpartner einer der Gitarren.

Chapeau Manouche spielt Sinti-Jazz, eine europäische Variante der Musikgattung, die im Wesentlichen geprägt wurde durch Jean „Django“ Reinhardt, einen in Paris lebenden Sinto und französischen Gitarristen, Bandleader und Komponisten. Von den 20er bis zu den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts machten er und seine Vorbilder den Jazz in Europa populär. In Nazi-Deutschland war Jazz als entartete „Negermusik“ verpönt, doch fanden viele Jugendliche Gefallen am Swing. Die sogenannte „Swing-Jugend“, die von den Behörden verfolgt wurde und sich mit der Hitlerjugend prügelte, verwendete die Klänge von Reinhardts „Limehouse Blues“ als Erkennungsmelodie. Natürlich war auch dieser Limehouse Blues in Seefeld zu hören, ebenso wie „Daphne“, Reinhardts erste Komposition, und viele andere, oft zu Evergreens gewordene Titel aus dem umfangreichen Repertoire der Oldenburger Musiker.

Bei Chapeau Manouche übernimmt meist Manolito Steinbach, selbst ein Sinto, Reinhardts Rolle als Solo-Gitarrist, begleitet aber auch gelegentlich den Rhythmusgitarristen Wilhelm Magnus bei dessen Soli. Im Einklang mit Benjamin Bökesch sorgt Wilhelm Magnus überwiegend für den Swing, vor dessen Hintergrund die Solisten glänzen können.

Je nach Publikum fallen bei der Band die Ansagen mehr oder weniger umfangreich aus. Eingefleischte Fans benötigen weniger Hintergrundinformation und wollen lieber mehr der schönen Musik hören. Neulinge hingegen freuen sich über Wissenswertes, das ihnen hilft, die Musik besser zu verstehen und entsprechend profunder zu genießen.

Mit einer einfachen Umfrage entschied Benjamin Bökesch die Vorgehensweise für den Jahresauftakt 2019. Dabei stellte sich heraus, dass gut die Hälfte der Gäste Chapeau-Manouche-Neulinge waren. Entsprechend gab es interessante Details über die Stücke, ihre Verfasser oder ihren musikalischen Charakter. Benjamin Bökesch, dem die Moderatorenrolle zugefallen war, sorgte so dafür, dass der erste Konzertabend der Mühle im neuen Jahr für das Publikum ein Genuss wurde.

Zum Dank gab es viel Applaus und immer wieder Zugabenwünsche, als das offizielle Programmende angekündigt worden war. Diese erfüllte die Band gern und verabschiedete sich bis 2020.

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