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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Seefelder Mühle: Die Weihnachtsgeschichte? Kriegen wir hin!

21.09.2019

Seefeld Weihnachten feiern wir nur einmal im Jahr, nämlich im Dezember. Und nicht im September. Denn im September feiern wir Rodenkircher Markt. Dass aber eigentlich jeden Tag Weihnachten sein müsste, wenn unser Planet sein soll, wie er sein könnte, das zeigt das neue Stück der Theatergruppe der Seefelder Mühle.

Im Monat vertan?

„Alle Jahre wieder“ heißt es, und auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sich die Akteure mit der Aufführung im Monat vertan hätten. Denn es geht darum, dass eine Rentnergruppe an Heiligabend die Weihnachtsgeschichte aufführen soll. Der Pastor wünscht es so, und die ihm zutiefst ergebene Ilse (Anja Thümler) setzt alles daran, dass ihre Rentnergruppe mitmacht. „Ich denke, das kriegen wir hin“, sagt sie und macht die Merkel-Raute.

Das Publikum im ausverkauften Dorfgemeinschaftshaus lacht, und dieser Schenkelklopfer bleibt nicht der einzige. Das Stück ist witzig, unterhaltsam, kurzweilig, und die Darsteller sind nicht nur perfekt geschminkt, sondern auch bestens aufgelegt.

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Zusammen mit ihrer Regisseurin Heike Scharf, die auch Diakonin der Oldenburgischen Landeskirche ist, haben die Darsteller ein brandaktuelles Stück über die Selbstbesoffenheit in Zeiten des eigenen Überflusses und fremder Not entwickelt.

Denn Weihnachten, das Fest der Liebe, hat seine Tücken, und die liegen im Allzumenschlichen. Die Weihnachtsgeschichte ist zu einer netten Tradition geronnen, die man alle Jahre wieder genießen kann, aber bitte nicht öfter, denn dann nervt sie. Die eigentliche Botschaft – Türen, Augen und Herzen zu öffnen für den anderen, und zwar nicht nur zur Weihnachtszeit – will keiner hören.

Schon gar nicht die 14 Mitglieder der Rentnergruppe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Spektrum reicht von der geschwätzigen Gastwirtin Hanna (Heike Barre) über Margarete (Karin Rebmann), die so gern singt, aber von Musik nichts versteht, und der verschwendungssüchtigen Elisabeth (Anke Kloppenburg) bis zum früheren Unternehmer Balduin (Wolfgang Szyslo), der mit Verachtung auf Hartz-IV-Empfänger und Wirtschaftsflüchtlinge herabblickt.

Eines aber haben sie alle gemeinsam: Sie kreisen intensiv um sich selbst. Nur gelegentlich beziehen sie ihr Gegenüber in ihre Selbstgespräche ein.

Und genau so bereiten sie sich auf die Aufführung vor: Jeder für sich, keiner für alle. Die Darstellerinnen der heiligen drei Könige (Anke Kloppenburg, Meike Pes♥chke und Anneliese Kling) können sich gerade noch darauf einigen, als heilige drei Königinnen aufzutreten, doch danach werden sie handgreiflich. Erika (Anne Grabhorn) erfüllt sich einen Kindheitstraum, spielt den Engel und tritt in einem Hochzeitskleid mit langer Schleppe auf.

Weihnachtlicher Rap

Die sangesfreudige Margarete und ihr Otto (Dittmar Sprekelmann) verwandeln „O du fröhliche“ in einen hitverdächtigen Rap, und die Maria-Darstellerin Klara (Cornelia Jürgens) tritt im Dirndl auf, den dementen Gustav (Gerhard Knoth) als Josef im Schlepptau, der sich zwar seinen Text nicht merken kann, aber auf Stichwort Lexikon-Einträge perfekt aufsagt – eine Art lebendes Wikipedia. Da bleibt manchem das Lachen im Halse stecken.

Weil die Truppe nicht gemeinsam geübt hatte, sieht die Bethlehemer Wirtin (Heike Barre) Maria tatsächlich erst bei der Aufführung im Dirndl, hört sie zu allem Überfluss auch noch bayerisch sprechen und sagt deshalb – nicht etwa, weil es ihre Rolle verlangt, sondern aus voller Überzeugung – „Lernen Sie erst mal Deutsch, sonst kommen Sie hier nicht rein.“ Dabei spricht sie selbst nur Plattdeutsch.

Als die Aufführung daraufhin komplett zu entgleiten droht, ertönt aus dem Zuschauerraum eine Stimme: „Lassen Sie sie rein! Ich weiß, wie sie sich fühlt.“ Die Stimme gehört Haidar Osman, einem Flüchtling aus dem syrischen Teil Kurdistans.

Der 37-Jährige hat sein Tambür mitgebracht, ein siebensaitiges lautenartiges Instrument, dem er eine kurdische Melodie entlockt, die in „Stille Nacht, heilige Nacht“ übergeht. Die Rentner singen mit, bis zur letzten Zeile: „Christ, der Retter ist da.“ Licht aus.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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