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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Winterball wie Anno dazumal

11.11.2017

Seefeld Micha Kranixfeld kommt nicht von hier. Aber in einem Punkt unterscheidet er sich kein bisschen von den meisten Männern in der Wesermarsch: Er beherrscht keinen einzigen Standardtanz, und deshalb geht er ganz ungern zum Ball. Dennoch bereitet er jetzt ein solches Tanzvergnügen vor.

Der Winterball soll am Sonnabend, 27. Januar, gefeiert werden und an die vielen Bälle erinnern, die jahrzehntelang die Festkultur der Wesermarsch prägten, aber jetzt nach und nach verschwinden. Turnerball, Ernteball, Feuerwehrball – inzwischen gehören diese Vergnügen auf die rote Liste der Feiertraditionen.

Offensichtlich ist Micha Kranixfeld also gerade rechtzeitig als Artist in Residence – Gastkünstler auf Zeit – zur Seefelder Mühle gekommen. Von Mitte Oktober bis kurz vor Weihnachten wohnt er im Müllerhaus und beschäftigt sich mit seinem Lieblings-Thema, das er Ländliche Raum-Forschung nennt. „Die meisten Künstler leben in der Stadt, und deshalb beschäftigen sie sich in ihrer Arbeit auch mit dem Stadtleben“, sagt der 29-jährige Theaterwissenschaftler. „Wir interessieren uns für das Landleben.“

Der zweite Teil des Wir ist Felix Worpenberg, ebenfalls Theaterwissenschaftler aus Hildesheim, der Micha Kranixfeld unterstützt. Am Anfang der Arbeit stand die Frage: Wie feiern die Menschen hier? Die Antwort lautete häufig: beim Ball. In seiner Heimat Nordhessen gibt es eine solche Tradition nicht, sagt Micha Kranixfeld, und wenn es so weitergeht, hier vielleicht auch bald nicht mehr.

Deshalb beschlossen die beiden Künstler, dem Phänomen Ball auf die Spur zu kommen. Sie befragten Hiesige – in der Mühle und darüber hinaus: Laiendarsteller, Chorsängerinnen, Landwirte, Landfrauen, Leute aus dem Spielmannszug und aus dem Klootschießerverein. 20 Verabredungen kamen zustande, „und immer, wenn wir uns mit einer Person verabredet hatten, saß die ganze Familie da“, sagt Micha Kranixfeld schmunzelnd.

Die Künstler fragten, wer die beste Tänzerin war, wer den meisten Schnaps vertrug, und wer sich beim Tanzen total verknallt hatte. Und sie baten um Fotos.

Weitere Geschichten und Bilder sind den beiden willkommen. Zeit für mehr Geschichten ist auch am Sonnabend, 25. November, wenn um 15 Uhr im Kulturzentrum das Erzählcafé öffnet. Bei Kaffee und Kuchen werden Erinnerungen ausgetauscht. Zum Aufwärmen gibt es einige vorbereitete Beiträge.

Aus Beiträgen und Bildern wird eine Festschrift gefertigt, die bis zum Winterball vorliegen soll. Wo der Ball gefeiert wird, steht noch nicht fest. Es gibt ein Programm, durch das die in Berlin lebende Moderatorin Marleen Wolter führt und das auch Tanzmuffeln Freude machen soll. Doch alle Programmpunkte haben mit Tanz zu tun – gerade auch in seiner modernen Form, beispielsweise Zumba.

In der zweiten Hälfte der Ballnacht legen zwei Disc-Jockeys aus Bremen auf, für die erste Hälfte suchen die beiden Künstler noch eine Combo. Auch die ist wesentlich schwerer zu finden, als das noch vor einigen Jahrzehnten der Fall gewesen wäre. Denn wer keinen Ball mehr feiert, braucht auch keine Combo.

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Seefelder Mühle | Feuerwehrball | Weihnachten