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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Sopranistin brilliert als Ino

09.05.2017

Bardenfleth Ein Konzert wie ein kostbarer Diamant: geschliffen, facettenreich, funkelnd und vollendet. Dass diese zwei Stunden in der Bardenflether St.-Anna-Kirche die Königsklasse barocker Klänge darstellten, bewies der Schlussapplaus, der gar kein Ende nehmen wollte. Unter dem Titel „Telemann – Der Vielseitige“ hatte das Kammerorchester St.-Anna-Bardenfleth unter der Leitung von Thomas Bönisch die Konzertbesucher eingeladen, sich vom Ausdrucksreichtum des Komponisten Georg Philipp Telemann, der mit Bach und Händel zu den „drei musikalischen Meistern, die dem Vaterland Ehre machen“ zählte, zu überzeugen.

„Er war ein Komponist, der Stücke schrieb, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten,“ führte Thomas Bönisch das Publikum in die Werke des gebürtigen Magdeburgers ein, „er war Telemann, der Festliche, Telemann der Komiker, der Händelfreund und er war Telemann, der junge, der stets die Zeichen der Zeit erkannte und seine Werke entsprechend kreierte – heute würde er, fortschrittlich wie er war, mit Sicherheit seine Kompositionen ins Netz stellen.“

Vielseitigkeit Telemanns

Gemeinsam mit dem Orchesterensemble gelang es den Solisten Joaquim Palet und Johannes Birk (beide Horn), den Flötistinnen Polina Gorshkova und Hatsuna Meguro, Paulina Kilarska am Cembalo und der Sopranistin Alexandra Scherrmann das Publikum mit den erstaunlichen Klangimpressionen des Komponisten zu begeistern.

Mit dem abschließenden Satz „Conclusion“ der Sinfonia in e-moll begann die musikalische Demonstration der Vielseitigkeit Telemanns. Die folgende Interpretation der „Burlesque de Quixote“ ergänzte Sprecher Stefan Tönjes. In dieser Orchestersuite wird Telemann dem Etikett als „Komiker“ mehr als gerecht. Tönjes umriss mit viel Humor den Inhalt der Geschichten um den „Ritter von der traurigen Gestalt“ samt seinem Gefährten „Sancho Pansa“. Cervantes Parodie auf die damals beliebten Ritterromane setzte Telemann genial und mit einem Augenzwinkern um: man hört Don Quichottes seufzende Sehnsucht nach seiner Dulcinea, man hört wie er mit den Windmühlenflügeln kämpft, man hört den stolpernden Galopp der alten Schindmähre Rosinante und den Scherz, den sich die Zecher in der Kneipe mit Sancho Pansa machen – sie katapultieren den Eselsreiter auf einer Bettdecke immer wieder in die Luft und ganz leise hört man zum Schluss, wie der Mann von La Mancha sein Leben aushaucht. Zugleich erfuhr das Publikum von Stefan Tönjes die abenteuerliche Lebensgeschichte des Miguel de Cervantes – ebenfalls ein genialer Stoff für einen Hollywood –Blockbuster.

Zuhörern stockt Atem

Nach der Pause stand der Höhepunkt des Konzerts auf dem Programm: „Ino“ – Telemanns dramatische Kantate basiert auf dem verzwickten griechischen Drama rund um Zeus, seiner eifersüchtigen Gattin Hera, seiner Geliebten Semele und deren Schwester Ino. Der wunderbaren Alexandra Scherrmann, festes Ensemblemitglied am Oldenburgischen Staatstheater, gelang es, die Verzweiflung der fliehenden Ino vor ihrem unausweichlichen Klippensprung und ihrer sanften Aufnahme durch den Meeresgott nicht nur gesanglich, sondern auch durch Mienenspiel und Körpersprache so umzusetzen, dass auch den Zuhörern der Atem stockte. Was für ein einmaliges Erlebnis, diese brillante Koloratursopranistin als „Ino“ gehört zu haben.

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Oldenburgisches Staatstheater

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