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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Theater: Springsteen des Ostens steckte voller Widersprüche

26.04.2016

Tossens Nach fast einem Jahr intensiver Proben haben sie sich getraut: Eine Gruppe von Lehrern, Schülern und Freunden der Zinzendorfschule hat in der alten Reithalle in Tossens am Wochenende in der Alten Reithalle in Tossens an zwei Abenden das ehrgeizige Projekt „Gundermann“ auf die Bühne gebracht.

Gerhard Gundermann war einer der bekanntesten Liedermacher der DDR, er galt als der Bruce Springsteen des Ostens. Gehasst von der Obrigkeit und geliebt von seinen vielen Fans, schrieb er in seinen Liedern als bodenständiger Baggerfahrer das auf, was viele in ihrem Alltag bewegte.

Theaterpädagogin Connie Howell hatte sich intensiv mit „Gundi“ beschäftigt, hatte in zahlreiche Lieder hineingehört, Interviews mit ihm gelesen und daraus ein faszinierendes Porträt dieses querdenkenden Genies in Wort und Musik erschaffen.

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Zu so einem bodenständigen und gleichzeitig zerrissenen Menschen wie Gundermann passte das Ambiente, die in dämonisches Licht gehüllte Reithalle mit ihrem antiken, fast morbiden Charme. Bühnenbauer Richard Howell kam mit wenigen Elementen aus: eine Sitzbank und einem Kleiderständer – das war’s. Gundermanns tiefgründige Texte sind oft depressiv, häufig nimmt er darin seinen frühen Tod vorweg, etwa, wenn er bei fallenden Blättern im Herbst singt: „Das musst du dir merken, das kommt vielleicht nie wieder“.

Mit 16 mal rockigen, mal balladesken Liedern würdigte eine tolle Live-Band – bestehend Myriam Mendelsohn am Bass, ihrem Sohn Lukas an den Drums, Hans Scheltwort am Akkordeon und Daniel Heiß sowie Tim Reiners an den Gitarren – das Schaffen Gundermanns. Bo Howell, der „Gundi“ verkörperte, spielte in seiner Rolle ebenfalls Gitarre. Musikalische Akzente setzten außerdem Alena Hauske mit ihren Flöten und Beate Hermenau mit ihrem anrührenden Violinenspiel.

Gesanglich musste sich Bo Howell nicht vor Gundermann verstecken – nebenbei war die visuelle Ähnlichkeit zum Original verblüffend. Aber auch alle anderen Akteure konnten gesanglich überzeugen, etwa Bernadette Wildegger in dem Duett „Keine Zeit mehr“.

Die studierte Schauspielerin führte als Erzählerin souverän durch den Abend, verband die Lieder mit tiefgründigen Spielszenen, bei denen fast alle Musiker auch zum Akteur wurden – sei es als MFS-Offizier oder als Schwester von Gundi. Gerade in diesen ergreifenden Theatermomenten zeigte sich das widersprüchliche Weltbild Gundermanns. So war er zum Beispiel zeitweise informeller Mitarbeiter der Stasi, wurde aber auch selbst bespitzelt. Allein die kurze Szene, in der Gundi in einer Kneipe ein Bier nach dem anderen „ploppt“ und über seine Stalin-Tschernobyl-Theorie philosophiert, wäre den Besuch der Aufführung wert gewesen.

Von den insgesamt leider nur 100 Zuschauern gab es an den beiden Abenden langanhaltenden Applaus, und die Musiker hatten als Dank noch eine passende Zugabe namens „Nach Haus“ vorbereitet. Tabea Meiners sorgte am Mischpult für den guten Ton und der Bürgerverein Tosssens als Hausherr für die Bewirtung der Gäste.

Das Gundermann-Projekt soll jetzt noch im Güterschuppen in Nordenham und in der Seefelder Mühle aufgeführt werden. Die Termine stehen aber noch nicht fest.

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