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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Stehende Ovationen für ganze Kerle

11.10.2008

BRAKE Die Niederdeutsche Bühne Brake setzte mit „Düsse letzte Sommer“ Maßstäbe. Mit der niederdeutschen Uraufführung der Komödie „Ganze Kerle sind Keerls döör un döör!“ ist der Bühne erneut ein großer Wurf gelungen. Die Besucher der Premiere am Donnerstagabend im BBZ belohnten das Ensemble immer wieder mit Szenenapplaus und Jubelrufen, am Ende mit stehenden Ovationen und forderten mehrere Zugaben. Das Besucherurteil fällt einhellig begeistert aus: köstlich, einmalig, einfach toll – zu Recht. Diese Inszenierung sollte wirklich niemand verpassen.

Auf der BBZ-Bühne geht die Post ab, die Inszenierung von Werner Michaelsen ist temporeich, witzig und spritzig, aber ohne Klamauk. Er liefert ein Meisterstück allererster Güte ab.

Als Paketboten des Zustelldienstes „Schnell-Dienst Stadt-Land“ legen Klaus Nicolaisen als Georg Gregor, Jann Blohm als Hinnerk Knocke, Paul Polands als Detlef Gerdes und Sandro de Brito Soares als Manuel Rodriguez ein bislang ungeahntes Showtalent an den Tag. Sie agieren mit großer Spielfreude – bis an die Grenze der körperlichen Belastbarkeit und trotz verstauchten Knöchels. Jann Blohm ist bei der Generalprobe umgeknickt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Bei der Premiere ist davon nichts mehr zu merken. Das zeugt von einer professionellen Einstellung.

Die Paketboten erledigen ihren Job gerne, ihre gute Laune ist allerdings dahin, als Georg von Versandleiter Frank Korting (Hans-Dieter Becker) die Kündigung erhält. Dabei hatten die Männer gerade Mitleid mit ihrem Chef entwickelt, dessen Tochter schwer erkrankt ist.

Sie wollen das Geld für die teure Behandlung mit einer Travestieshow aufbringen. Ihre mühevollen Gehversuche auf hochhackigen Schuhen, die Dialoge über Kosmetik und Modekram sind ein einziger Frontalangriff auf die Lachmuskeln. Hinnerks Mutter Lore (Elke Moorbeck-Böse) nimmt schließlich resolut das Heft in die Hand und den Männern ihre Hemmungen gegenüber Perücken, Pumps und Playbackgesang.

Was dann auf der Showbühne folgt, ist absolut sehenswert: Ihr großes komödiantisches Können stellen Klaus Nicolaisen und Jann Blohm als Margot und Maria Hellwig und schließlich als Mireille Matthieu und Nana Mouskouri unter Beweis.

Sandro de Brito Soares kann als Tina Turner manchem Profi-Schauspieler gut und gern das Wasser reichen. Er hat auch das kleinste Detail in Gestik und Mimik des Rock-Stars einstudiert.

Den Vogel aber schießt Detlef Gerdes ab. In Netzstrümpfen und hohen Stiefeln ist er als Andrea Berg eine besondere Augenweide und als Liza Minelli bringt er das Publikum schier aus dem Häuschen vor Begeisterung.

Die Überraschung des Abends ist Hans-Dieter Becker als Madonna. Er leitet das große Finale ein, das die Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen hält. Erst nach vier Zugaben werden die Darsteller verabschiedet. Ein denkwürdiger Theaterabend geht zu Ende. Kultur

Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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