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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Syrer nähert sich mit Malen den Mühlen

17.08.2016

Seefeld In Syrien gibt es keine Windmühlen. Aber seit einigen Wochen kennt sich der Syrer Wasfi Ibrahim bestens mit diesen technischen Denkmälern aus. Das hat er Hans Meinen zu verdanken – und der Seefelder Mühle.

Bevor Wasfi Ibrahim zusammen mit seiner Frau Fatima und den beiden Töchtern vor dem Bürgerkrieg aus Damaskus geflohen ist, war er dort als Kunsterzieher und als Maler tätig. Mit Pinsel und Wasserfarben drückt er aus, was ihn bewegt. So hat er in der Flüchtlingsunterkunft im alten Braker Gymnasium ein 5 Meter langes und 1,50 Meter hohes Wandbild gemalt, das den Krieg in Syrien, seine Flucht und die Ankunft in Deutschland zeigt.

Darüber berichtete der NWZ -Redakteur Ulrich Schlüter am 4. Februar. Hans Meinen las den Artikel und war sofort elektrisiert. „Was mich besonders angesprochen hat, waren Wasfis Perspektiven, die etwas außerhalb der Norm liegen“, sagt Hans Meinen. Er fuhr zur Flüchtlingsunterkunft, sprach mit dem Syrer und gewann ihn schnell für sein Projekt.

Dieses Projekt ist ein Kinderbuch aus der DDR. Die Autorin Helma Heymann hatte es im Herbst 1989 veröffentlicht – kurz vor dem Untergang des Mauerstaates. Es heißt „Piet Himp und der Geselle Wind“ und spielt in einer Mühle. Hans Meinen stieß bei einer Fahrt nach Rostock im Herbst 1990 zufällig auf das Buch, kaufte es und setzte es gelegentlich in seinem Unterricht an der Grundschule Schwei ein.

Vor vier Jahren nahm er Kontakt zu Helma Heymann auf, die auf Usedom groß geworden und damit eine Plattdeutsche ist. Er erfuhr, dass der Verlag Junge Welt, der das Buch herausgebracht hatte, komplett abgewickelt ist und die Rechte nicht mehr bestehen. Der Plattdeutsch-Beauftragte des Landkreises beschloss, das Buch neu herauszugeben und mit einer plattdeutschen Übersetzung auf CD zu versehen Zudem suchte er einen Künstler, der neue, zeitgemäße Bilder für das Kinderbuch malt.

In Wasfi Ibrahim fand er den Richtigen. Der 54-Jährige hatte zwar keine Ahnung von Mühlen, aber vom Malen. Doch gleich beim ersten Bild unterlief ihm ein Missgeschick: Aus dem Mühlenfenster führt der Blick auf Berge. Berge? Hans Meinen schmunzelt: Berge gibt‘s in Syrien, aber nicht in der norddeutschen Tiefebene, in der „Piet Himp“ spielt.

Der pensionierte Schulleiter fuhr mit Wasfi Ibrahim ins Museumsdorf Cloppenburg und in die Seefelder Mühle. Der detailverliebte Syrer fotografierte viel und baute die technischen Einzelheiten in seine Bilder ein, die jetzt in dem Buch zu sehen sind. Berge sind dort nicht mehr zu finden, aber Flüchtlingsgestalten schon. „Die Figuren sind seine Figuren“, sagt Hans Meinen.

Das Buch schildert den Ärger des Müllers Piet Himp über den Wind, der weht, aus welcher Richtung er will. Da ist Piet Himp mit seiner Bockwindmühle, die er nur komplett in den Wind drehen kann, schlecht dran. Doch dann lernt er eine Holländerin kennen, die ihm die Holländerwindmühlen erklärt, bei denen sich nur der Kopf dreht. Plötzlich sind sie beste Freunde – Piet Himp und der Wind.

Wasfi Ibrahim wartet für sich und seine Familie noch auf eine gute Lösung. Jetzt haben sie eine Aufenthaltsgestattung, aber das Anerkennungsverfahren läuft noch.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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