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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Rasante Reise durch die Zeit

11.09.2018

Tossens 73 Jahre, drei Monate und 79 Tage umfasste der Zeitraum, den die Theatergruppe der Zinzendorfschule in ihrem Stück „Unsere Republik“ präsentierte. Verfasst hatte das Stück die Theaterpädagogin Conny Howell. Passend zum diesjährigen Motto der Kunst- und Kulturwochen „Wandlungen“, hatte es den gesellschaftspolitischen Wandel der Bundesrepublik Deutschland zum Thema.

Die Zeitreise in die Anfänge der Bundesrepublik bis zur heutigen Zeit, präsentierte die Theatergruppe in Form einer musikalischen Revue in der Aula. Die Schüler der Klassen 6 bis 12, sowie Justus Mendelsohn, der in diesem Frühjahr die Schule mit dem Abitur verlassen hatte, zeigten neben ihren schauspielerischen Fähigkeiten auch ihr Gesangstalent: Sie gaben bekannte Schlager zu den Themen der jeweils dargestellten Zeit zum Besten. Zum Teil hatte Conny Howell die Lieder mit neuen Texten versehen.

Die Szenen waren nach Jahrzehnten geordnet. Das Stück begann mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945. Die Städte lagen in Schutt und Asche, Trümmerfrauen beherrschten das Bild der kaputten Straßen. In der Ziegelwüste klopften sie den Mörtel von den Steinen und verdienten sich ein kleines Zubrot um ihre Kinder zu ernähren. Ihre Männer waren gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft.

Der Schwarzmarkt florierte, jeder versuchte Uhren oder Schmuck gegen etwas Essbares einzutauschen, während die Alliierten als Ordnungsmacht dagegen vorgingen. Die Reichsmark war nichts mehr wert, Zigaretten waren die neue Währung des Schwarzhandels.

Mit der Gründung der Bundesrepublik 1949 begann der Aufschwung. Das Deutsche Wirtschaftswunder nahm seinen Anfang, die Menschen konnten sich Luxusgüter wie Radios, Fernseher und Waschmaschinen kaufen. Mit einer sozialkritischen Stimme meldete sich Berthold Brecht, die Schüler zitierten aus seinen Schriften: „Die Ausbeutung und das Betrügen muss gelernt sein“. 1954 wurde Deutschland Weltmeister, der Eine-Millionste-Käfer lief vom Band und Udo Jürgens sang „Ich war noch niemals in New York“.

In ihrer musikalischen Revue beleuchtete die Theatergruppe auch das Frauenbild der 50er Jahre: Sie gehörten nach damaliger Meinung an den Herd. Frauen waren für die Erziehung der Kinder zuständig und dafür, ihrem Mann das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Die Schüler stellten das in einem Werbespot aus den 60er Jahren nach.

„Macht kaputt, was uns kaputt macht“: Die Band Ton, Steine, Scherben rief zum Widerstand gegen das Establishment auf. Als „Running Gag“, flitzte zuweilen ein amerikanischer Soldat durch die Szenerie, der in den Jahrzehnten immer irgendwie in einen Krieg verwickelt war.

Die rasante Reise durch die Zeitgeschichte bot für Schüler und Zuschauer eine tolle Gelegenheit, die jüngste Vergangenheit des Landes kennenzulernen, oder sich in Erinnerung zu rufen. Die Schüler brachten traurige Einschnitte, einen längst vergessenen Zeitgeist oder aktuelle Geschehnisse wie Rassismus und Fremdenhass lebendig und eindrucksvoll auf die Bühne. Dafür bekamen sie verdienten Applaus.

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