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Zinzendorfschule: Quarkgesichter gegen Schokopuddings

02.04.2019

Tossens Conny Howell, Theaterpädagogin an der Zinzendorfschule, hat es wieder einmal geschafft: Nach einem guten halben Jahr Probenzeit führten Fünftklässler ein 80-minütiges Musical-Spektakel auf – klug, charmant, witzig und mit viel fetziger Musik.

„Schach 2.0“ heißt das von Conny Howell umgearbeitete Stück, in dem Schachfiguren zum Leben erwachen. Die weiße Königin schwingt das Zepter, ihr Gatte ist ein Weichei, ihre Tochter eine verzogene Göre, die immer nur „mehr, mehr, mehr!“ fordert – und zwar von allem.

Plötzlich demonstrieren die Bauern und Arbeiter, fordern bessere Löhne, soziale Wohltaten. Vorerst wirkt die Drohung der Obrigkeit: Wenn sie ihren Protest nicht beenden, heißt es: „Rübe ab“. Aber auch die Bediensteten murren, denn ihr Leben ist karg und arbeitsreich, während Höflinge und Monarchen im Überfluss leben.

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Schließlich kommt es zu Auseinandersetzungen an der schwarz-weißen Grenze, an der sich die gegenüberstehenden Lager als „Quarkgesichter“ und „Schokopuddings“ beschimpfen, mit Müll bewerfen und nach Krieg schreien.

Die Ratgeber erinnern die weiße Königin daran, dass nach den alten Chroniken immer die Schwarzen solche Kriege gewinnen, also ist guter Rat gefragt. Die „Killer-Queen“ entscheidet, dass ihre Tochter den schwarzen Prinzen ehelichen wird – um des lieben Friedens willen. Da die Schwarzen aus ihren Chroniken wissen, dass sie zwar Kriege gewinnen, danach aber immer schlechter leben als die Weißen, geht die schwarze Königin auf den Deal ein.

Prinz und Prinzessin wollen jedoch nicht verheiratet werden und fliehen mit je einer Begleitung. Als sie schon von der Polizei gesucht werden, treffen sie zufällig zusammen und verlieben sich in einander.

Zurück in den Schlössern entgehen beide ihrer Strafe, weil die beiden Königinnen sie für Nullen halten, die nicht einmal fliehen können, und weil man eine Null nun mal nicht hinrichten kann. So kommt es zum schrägen Happy End – Frieden inklusive.

Auf der von Richard Howell gestalteten Bühne ist viel los. Dort bewegen sich die jungen Darsteller selbstbewusst und mit beachtlicher Sicherheit, sprechen überwiegend laut und deutlich und singen beherzt in die bereitgestellten Mikros. Selbst in der hintersten Sitzreihe sind fast alle Dialoge gut zu verstehen.

Wer nicht auf der Bühne agiert, gehört zum großen schwarz-weißen Chor, den der für die Musik verantwortliche Justus Mendelsohn dirigiert. Die Technik, über die auch die Instrumentalmusik eingespielt wird, hat zusammen mit einer Gruppe von Schülern Lukas Mendelsohn im Griff; gleichzeitig filmt er die Aufführung für die Eltern.

Auf der Bühne wird im Duett gesprochen, wenn etwa beide Majestäten den gleichen Text haben. Gelegentlich erklingen auch die Lieder, von denen viele Ohrwurmcharakter haben, zweistimmig.

Conny Howell hat „Schach 2.0“ so umgearbeitet, dass für alle Kinder eine Rolle und für viele eine Sprechrolle herauskam. Dass es ihr gelungen ist, 65 Kinder aus drei Klassen zu einer derart tollen Gemeinschaftsleistung zu bringen, honoriert das Publikum mit viel Beifall.

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