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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Unesco dämpft die Erwartungen

08.03.2017

Golzwarden /Hannover Um dem Schaffen des Orgelbauers Arp Schnitger (1648-1719) auch international mehr Geltung zu verschaffen, setzen sich Schnitger-Vereine und evangelische Kirchen dafür ein, dass sein Werk anlässlich seines 300. Todesjahres 2019 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen wird. Die Landtagsfraktionen von CDU, SPD, FDP und den Grünen unterstützen dies mit einem Entschließungsantrag. Bei einer Anhörung dazu im Wissenschaftsausschuss des Landtages machte sich am Montag allerdings Ernüchterung breit.

Die Kriterien seien nicht erfüllt, sagte die Unesco-Beauftragte für Deutschland, Birgitta Ringbeck. Der Titel werde an Baudenkmäler, architektonische Ensembles, an Kulturlandschaften oder archäologische Stätten vergeben. Der Antrag habe nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn er in einen architektonischen Zusammenhang gestellt werde. Hier müsste eine Lücke gesucht werden. Allerdings seien kirchliche Welterbestätten bereits überrepräsentiert. Die Vorschlagsliste für deutsche Weltkulturerbe­stätten sei zudem bereits so lang, dass voraussichtlich bis 2020 keine weiteren aufgenommen würden.

Der stellvertretende Vorsitzende der Arp Schnitger Gesellschaft, Helmut Bahlmann, hob die Bedeutung der Region an der niedersächsischen Nordsee als „reichste Orgellandschaft der Welt“ hervor. Schnitger sei dabei die „überragende Figur“. Der in Schmalenfleth geborene Schnitger gilt als berühmtester Orgelbaumeister des norddeutschen Barock. Arp Schnitger Gesellschaft und Arp Schnitger Centrum haben in Golzwarden ihren Sitz.

Musikwissenschaftler sehen in ihm den ersten europäischen Orgelbauer, weil er seine Orgeln auch exportierte. Etwa 170 Instrumente hat er neu gebaut, wesentlich umgebaut oder im größeren Umfang repariert. Ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt dabei in Kirchen an der Nordseeküste bis in die Niederlande hinein. Weltweit gebe es auch Nachbauten von Schnitgerorgeln, sagte Thomas Albert vom Bremer Verein „Arp-Schnitger-Kulturerbe“. Bis heute zögen seine Instrumente Musiker aus Asien und den USA nach Norddeutschland, erläuterte der Musikprofessor.

Bei der Anhörung machte sich auch die geschäftsführende Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Andrea Radtke, dafür stark, weiter nach Wegen für eine Anerkennung der von Schnitger geprägten Orgelbaukultur zu suchen. Die Unesco-Beauftragte Ringbeck machte Mut zu weiteren Überlegungen. Infrage käme möglicherweise auch eine Bewerbung für das Europäische Kulturerbe-Siegel. Der Landtag will sich zu gegebener Zeit erneut mit dem Thema befassen.

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