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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Literatur: Urfassung im Archiv wiederentdeckt

15.04.2016

Brake „Ein Toter. Wie ein Zinnsoldat steckt der Leichnam mit dem Kopf in dem Boden. Und reckt die Beine in die Luft. Auf den Sohlen der bloßen schmutziggrauen Füße liegt eine Filigran-Decke von Schnee.“ Diese Zeilen schrieb Heinrich Gerlach (1908-1991) 1943 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Als Oberleutnant der Wehrmacht erlebte Gerlach den Kessel von Stalingrad. Die Zeilen stammen aus Gerlachs Buch „Durchbruch bei Stalingrad“, das er in der Kriegsgefangenschaft schrieb. Das Original-Manuskript musste der gebürtige Königsberger 1950 in der damaligen Sowjetunion lassen. Der Geheimdienst hatte ihm sein Werk abgenommen – wegen „Verleumdung des Sowjetvolkes“ und „Lobpreisung des Hitlerismus“. Zur Erstveröffentlichung kam es dennoch, drei Jahre später im Jahr 1953.

In den Sommerferien 1951 fuhr Heinrich Gerlach, zu der Zeit Oberstudienrat mit den Fächern Latein und Deutsch am Braker Gymnasium, zu einem Hypnotiseur nach München. Drei Wochen lang ließ er sich regelmäßig in Trance versetzen. Der Grund dürfte nahezu einmalig sein: Gerlach wollte seinen Roman „Durchbruch bei Stalingrad“ noch einmal schreiben. 1957 veröffentlichte er schließlich die durch Hypnose, Erinnerungen und Gespräche rekonstruierte Fassung unter dem Titel „Die verratene Armee“ neu.

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Internationale Nachfrage

Das Buch wurde 1959 mit dem Premio Bancarella, einem seit 1953 vergebenen italienischen Literaturpreis, ausgezeichnet. Gerlach reiht sich damit in eine Reihe von Preisträgern wie Ernest Hemingway und Umberto Eco. Das Buch ist international gefragt. Die 10 000 Exemplare der ersten Auflage waren in Rekordzeit ausverkauft, aus Europa und Übersee kamen die ersten Anfragen für Übersetzungsrechte.

Vor 25 Jahren, am 27. März 1991, verstarb Gerlach, seine Ruhestätte fand er auf dem städtischen Friedhof in Brake. Mit dem Tode Gerlachs, der 1944 vom Reichskriegsgericht in Abwesenheit für die Mitgliedschaft im „Nationalkomitee Freies Deutschland“ – einer Vereinigung kriegsgefangener deutscher Soldaten gegen den Nationalsozialismus – zum Tode verurteilt wurde, endet die Geschichte des Buches aber nicht.

Sensationsfund im Archiv

Schon 2009 wurde Jürgen Gabbert, ein ehemaliger Kollege von Gerlach, auf einer Städtepartnerkonferenz von Dr. Boris Khavkin, einem Professor der Akademie der Militärwissenschaften Moskau, auf die Spur des Original-Manuskripts gebracht (die NWZ  berichtete). Eine Spur, die Gabbert nicht weiter verfolgte. Erst drei Jahre später stieß der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel im Russischen Staatlichen Militärarchiv in Moskau auf das Manuskript – nach über zehn Jahren akribischer Suche.

Carsten Gansel, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Germanistische Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Gießen, hat den Antikriegsroman „Die verratene Armee“ jetzt unter dem Originaltitel „Durchbruch bei Stalingrad“ in einer fast 700 Seiten starken, mit einem Nachwort und dokumentarischem Material versehenen Edition neu herausgebracht, pünktlich zum 25. Todestag Gerlachs. Der Roman, der auch die Kriegsverbrechen der Deutschen Wehrmacht dokumentiert, ist für 34 Euro im Buchhandel erhältlich.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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