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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Vergnügungsdampfer auf flotter Fahrt

22.04.2013

Atens Der Nordenhamer Shantychor ist ohne Zweifel außergewöhnlich. Als „älteste Boygroup der Welt“ wird er jedes Jahr beim Fonsstock-Festival am Weserstrand frenetisch gefeiert. Im Vergleich zu vielen anderen maritimen Männergesangvereinen ist er herrlich unkonventionell und hat wesentlich mehr zu bieten als Schunkel-Seemannslieder à la Freddy Quinn. Das Repertoire an ursprünglichen Shantys ist vielfältig und musikalisch auf hohem Niveau.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens stach der Chor am Sonnabend mit einem Jubiläumskonzert in See und verwandelte die Stadthalle Friedeburg regelrecht in einen Vergnügungsdampfer, bestens gefüllt mit 400 Passagieren.

Als Ehrengast begrüßte Iwe van der Beek, Präsident der Internationalen Shanty and Seasong Association (ISSA), das Publikum und überreichte dem Shantychor Nordenham eine Ehrenurkunde.

Anfänge im Ruderclub

Anschließend übernahm Jürgen Bley das Steuer und erinnerte kurz an die Gründungszeiten des Shantychors, der 1983 aus einer Singgemeinschaft des Nordenhamer Ruderclubs entstanden war. Dann ging die Fahrt los. Sie führte vom englischen Kriegsschiff, auf dem Seemann Sam anheuerte, über die Walfänger nach Neuseeland, die Prärie von Mexiko bis zu den schönen „Spanish Ladies“.

Der einzige Seemann unter den singenden Landratten, Peter Kossak, klärte das Publikum kurzweilig über die Hintergründe der einzelnen Songs auf. So erfuhren die Gäste, dass es zwei Formen der ursprünglichen Shantys gibt: die Arbeitslieder, die beim Segel setzen, Tauwerk einholen oder Anker lichten gesungen wurden, und die eher romantischen Erholungslieder, über Heimweh, fremde Länder, hübsche Mädchen, Liebe, Abenteuer und alltägliche Dinge.

Während der eigentliche Shantychor tatkräftig von Quotenfrau Hertha Thien-Nobel, Gerd Seggermann und Karl-Heinz Roß am Akkordeon sowie von Klaus Ulrich Küpper mit der Mundharmonika unterstützt wurde, verzichtete der kleine Ableger der Truppe namens Käpt’n Bligh auf jegliche Instrumentation. Die A-capella-Truppe, deren musikalischer Kopf ebenfalls Dirigent Heinz Jürgen „Mickey“ Miek ist, sorgte mit ihrer Showeinlage vor der Pause für Begeisterung. Stimmlich perfekt inszeniert von Hergen Endlich, präsentierten die Bligh-Männer mit „Ei ho“ einen der wenigen ursprünglich plattdeutschen Shantys. Auch für „Johnson Girls“ und „Bound away me lassie“ erhielten sie vom Publikum viel Applaus.

Für kabarettistische Einlagen – aus der Kategorie „schwarzer Humor und wenig geeignet fürs Mädchenpensionat“ – sorgte Klaus Manzau. Der Leiter des Braker Shantychors Bootsmannkaffee unterhielt die Gäste mit Gedichten vom Seemann Kuttel Daddeldu, einer Kunstfigur des Lyrikers Joachim Ringelnatz.

Nach der Pause ging es mit bekannten Stücken weiter: „Jonny come along“, „Roll the Cotton“ und „Whoop Jamboree“ heizten die Stimmung in der Friedeburg an.

Klassiker zum Finale

Nach dem letzten Farewell-Shanty forderten die Zuschauer natürlich einige Zugaben und bekamen in altbekannter Manier die Klassiker „The drunken Sailor“ und „Whiskey Johnny“ präsentiert. Das endgültig letzte Lied des Abends nach zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung war auch musikalisch der Höhepunkt: Shantyman Mickey sang mit seiner hervorragenden Celtic-Folk-Stimme „The Leaving of Liverpool“.