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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

DIAMANTENE HOCHZEIT: Vor 60 Jahren funkt es auf einem Bahnhof

19.03.2008

RODENKIRCHEN Heute feiern Gertrude und Dr. Joachim Schmidt das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Das Ehrenpaar wohnt am Rotdornweg 2. Sie blicken auf ein erlebnis- und arbeitsreiches Leben mit vielen Erinnerungen zurück, aus denen sie so manche Anekdote zu erzählen wissen.

Dazu gehört beispielsweise auch ihr Kennenlernen. Auf dem Weg zu ihrem Einsatzort in einem Frontlazarett in Italien musste die Hilfsschwester Gertrude Heye in Leibach auf dem Bahnhof auf den nächsten Zug warten. Hier auf einem Bahnsteig, inmitten unsagbar vieler Menschen, begegneten sich Joachim Schmidt und Gertrude Heye zum ersten Mal und fühlten sich zueinander hingezogen. Bevor sie in getrennte Züge stiegen, tauschten sie noch ihre Adressen aus.

Beide hofften auf ein Wiedersehen. Nach ihrer Heimkehr im Juli 1946 erhielt die junge Frau eine Postkarte von Joachim Schmidt. Da er damals in Ostdeutschland wohnte, nahm sie zweimal einen weiten Weg auf sich, um ihren Liebsten zu besuchen. Im Sommer 1947 kehrte Joachim Schmidt Ostdeutschland den Rücken und kam nach Rodenkirchen. Hier trat er in den Dienst seines Schwiegervaters ein.

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Am 19. März 1948 läuteten die Hochzeitsglocken der Rodenkircher Kirche für Gertrude Schmidt, geborene Heye und Joachim Schmidt. Zur Familie gehören Tochter Beatrix und Sohn Wolfgang sowie drei Enkel.

Gertrude Schmidt erblickte am 31. Mai 1922 in Rodenkirchen das Licht der Welt. Dort wuchs sie mit ihren drei Geschwistern auf. Der Vater war Landarzt. Aus diesem Grund war es für die junge Frau keine Frage, dass sie nach dem Schulabschluss und nach Absolvierung des Arbeitsdienstes in Hamburg die Ausbildung zur Hilfsschwester absolvierte.

Nach ihrem Ausbildungsabschluss wurde Gertrude Schmidt in einem Frontlazarett in Italien eingesetzt und geriet in Gefangenschaft, aus der sie eineinhalb Jahre später, im Juli 1946, nach Hause zurückkehren konnte.

Der Neurologe und Psychiater Joachim Schmidt wurde am 24. Juni 1914 in Plauen im Vogtland geboren. Nach dem Abitur 1933 studierte er in Leipzig Medizin. 1938/39 erhielt er die Note 1 in allen Fächern seines Staatsexamens. Im November 1940 promovierte Joachim Schmidt an der Medizinischen Fakultät. Seine Doktorarbeit „Die Spätelepsie“ wurde mit „summa cum laude“, also der Bestnote, bewertet.

Nach der Promotion arbeitete er als Truppenarzt in Lazaretten und Krankenhäusern. Seine Anstellung als Chefarzt an einer Nervenheilanstalt in Sachsen gab Joachim Schmidt auf, um 1947 in Rodenkirchen bei seinem zukünftigen Schwiegervater, Dr. Richard Heye, als Assistentenzarzt tätig zu sein. Dort richtete er bald eine eigene Praxis als Neurologe ein. 1950 verlegte er diese Praxis in einen Nebenraum in der Markthalle.

Ab September 1956 wurden die Praxisräume im eigenen Heim Am Rotdornweg bezogen und zum Mittelpunkt seiner ärztlichen Hilfe und Fürsorge. Im Laufe seiner jahrzehntelangen Tätigkeit sammelten sich rund 55 000 Patientenkarteikarten an. Seinen umfangreichen Erfahrungsschatz gibt er als Mitarbeiter des Ärzteblattes „Medical Tribune“ an seine Kollegen weiter. Sein Beruf ist sein Lebensinhalt, doch darüber hinaus gibt es eine weitere Leidenschaft. Es sind die Rosen, die für ihn in ihrer Schönheit einen ruhenden Pool für seine Seele bedeuten.

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