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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Literatur: Bis ihn die Musik errettet

09.05.2019

Warfleth Man legt dieses Buch nicht aus der Hand, aber immer wieder zur Seite. Weil man denkt, das hält man nicht aus: weiterzulesen. So berührend, aufwühlend, fesselnd, unglaublich ist, was da erzählt wird: Die Geschichte eines kleinen Jungen in der DDR mit gehörlosen Eltern, der sehr sehr spät sprechen lernt, in der Schule jahrelang auf schlimmste Weise gemobbt, gestoßen und geschlagen wird, als junger Mann dreimal den Wehrdienst verweigert, durchs Leben taumelnd diesen Knochenjob macht und jenen – bis die Musik ihn errettet.

Mit über 20 wird ihm vom Komponisten Georg Katzer an der Berliner Akademie der Künste das Noten-Lesen und -Schreiben gelehrt und zehn Jahre später wird der junge Mann selbst als Mitglied in eben diese Akademie berufen. Heute zählt er zu den am häufigsten aufgeführten und am höchsten bepreisten Komponisten zeitgenössischer Musik weltweit: Helmut Oehring.

In der Konzertlesung am kommenden Samstag, 18. Mai, um 19.30 Uhr in der Warflether Kirche, Deichstraße 120, steht der faszinierende Helmut Oehring, gefeiert als Komponist, Regisseur, Gitarrist und Autor, im Mittelpunkt. Er selbst liest aus seiner Autobiografie sowie aus korrespondierenden Texten von Walter Benjamin und anderen, er hat die Konzertlesung als „Kammerstück“ aus Worten und Musik konzipiert, die Musiken, die die Texte verbinden, komponiert und er beteiligt sich auch als Gitarrist.

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Seine Begleiter, der vielfach ausgezeichnete Akkordeonist Felix Kroll und die Oboistin Antje Thierbach, sind beide nicht nur Dozenten an der Universität der Künste bzw. der Hanns-Eisler-Hochschule Berlin, sondern vor allem geübte Oehring-Interpreten, die bereits bei etlichen Musiktheaterstücken Oehrings mitgewirkt haben.

Felix Kroll, ein mit artistischen Fähigkeiten begabter Tastenvirtuose, hat das Warflether Publikum zuletzt als Begleiter von Corinna Harfouch entzückt.

In seiner Autobiografie widmet sich Oehring auch den Schwierigkeiten und den Vorteilen, sich durch Gebärden ausdrücken zu müssen, und immer wieder den Nöten seiner geliebten Eltern. Und er schildert den Moment, als erstmals ein Werk von ihm mit großem Orchester aufgeführt wurde.

Doch Oehring wäre nicht Oehring, wenn er den Bogen nicht weiterschlüge von seiner Biografie zu Geschichte, Politik und Philosophie – etwa zu Paul Klees „Engel der Geschichte“, dem Angelus Novus, zu Walter Benjamin, Johannes Bobrowski, Agota Kristof und William Shakespeare. Von „Meinem Vater, dem größten Torhüter aller Zeiten“ wird ebenso zu hören sein wie von Schönbergs Pierrot Lunaire, Oehrings Erweckungserlebnis, über Albrechts Dürers „Melencolia“ ebenso wie über den Holocaust-Leugner Leuchter und die Querlinien zur amerikanischen Tötungsstrafen-Industrie.

„Es geht für mich“, Zitat Oehring, „in allen Musiken, die ich aufschreibe, darum, die zentrale Erfahrung des 20. Jahrhunderts Gestalt werden zu lassen: Es sind die Menschen selbst, die einander Hölle sind. Und das will ich aufschreiben. Komponisten sind mutige Leute. Diese Zeichen zu schreiben. Und es braucht Mut, sie zu hören. Die Königsdisziplin aller Künste. Musik.“

Oehring hat den Abend ausschließlich für Warfleth konzipiert. Karten zum Preis von 25 Euro pro Person gibt es unter Telefon  04406/920046 oder per E-Mail unter berne-bringt@t-online.de. Es gibt nummerierte Plätze, die Vergabe erfolgt nach Bestelleingang. Einlass ist ab 18.30 Uhr.

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