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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Weit mehr als die verliebten Jungs

09.10.2015
Frage: Herr Schulz, den meisten Menschen ist Ihr Vorname Rüdiger nicht geläufig. Wie wurde aus Ihnen Purple Schulz?
Purple Schulz: Als 13-Jähriger habe ich viel Zeit in einem Kölner Orgelgeschäft verbracht. Dies war für mich der einzige Ort auf der Welt, wo ich auf richtigen Hammond-Orgeln spielen konnte. Als ich sie mir später leisten konnte, waren sie mir aber mittlerweile zu schwer geworden. Ich habe also immer noch keine Hammond, aber mein Rücken dankt es mir. Jedenfalls nervte ich damals die Verkäufer, weil ich dort ständig „Child in time“ von Deep Purple gedudelt habe. Ich bekam zwar kein Hausverbot, aber sie verpassten mir den Spitznamen Purple.
Frage: Was waren damals ihre Ziele und hat sich daran etwas geändert?
Purple Schulz: Mir ging es immer darum, mit der Musik Geschichten zu erzählen und Menschen zusammenzubringen. Insofern hat sich an den Zielen nichts geändert, aber an der Umsetzung. Früher machte ich das mit der Band, heute bevorzuge ich das in meiner Duobesetzung. Aber keine Angst, wir können zu zweit genauso viel Dampf machen. Unser Dynamikumfang ist größer als der einer Band. Bei uns kann es auch mal richtig leise werden, so dass man eine Stecknadel fallen hören kann. Was daran liegt, dass ich das Publikum sehr tief in die Geschichten reinziehe, es ist oft regelrecht gebannt. Natürlich haben sich im Laufe der Jahre auch die Themen der Songs verändert, die ich zusammen mit meiner Frau Eri schreibe. Und auch, wenn diese manchmal keine leichte Kost sind, wird sehr viel in meinem Konzert gelacht. Denn ich begegne diesen schwierigen Dingen unseres Lebens gerne auch mal mit meiner Allzweckwaffe, meinem rheinischen Humor. Aus diesem Programm gehen die Leute jedenfalls anders nach Hause, als sie gekommen sind. Diese zweieinhalb Stunden machen etwas mit ihnen.
Frage: Welcher Mensch aus den Anfangsjahren ist Ihnen immer noch ein guter Begleiter?
Purple Schulz: Die Frage ist ja, wo die Anfangsjahre beginnen. Ich habe mich gerade in meinem im Herbst erscheinenden Buch „Sehnsucht bleibt“ damit auseinandergesetzt und würde sagen, dass meine Sehnsucht nicht nur mein erster Hit, sondern auch immer noch ein guter Begleiter ist. Mit meiner Frau bin ich nun 30 Jahre zusammen. Sie ist, wenn man die Nächte dazuzählt, der Mensch, mit dem ich die längste Zeit meines Lebens verbracht habe. Und sie ist nicht nur ein guter Begleiter, sondern die Liebe meines Lebens.
Frage: Wer sind Ihre Vorbilder?
Purple Schulz: Menschen, die gegen alle Widerstände für den Frieden arbeiten. Ärzte ohne Grenzen, die Greenpeace-Aktivisten, aber auch die vielen Frauen und Männer in Deutschland, die in den Kleiderkammern stehen und Klamotten für die Flüchtlinge sortieren und verteilen.
Frage: Vor drei Jahren veröffentlichten Sie das Album „So und nicht anders“. Warum ließen sie 15 Jahre bis zu diesem neuen Studioalbum verstreichen?
Purple Schulz: Ich habe in dieser Zeit viel Kabarett mit dem Ensemble der Kölner Stunksitzung gemacht, zwei Kindermusicals geschrieben, Konzerte im Duo und mit meiner Band gegeben, mein Studio gebaut, drei wunderbare Kinder großgezogen und konnte mich über Langeweile nicht beklagen. Außerdem war ich knapp vier Jahre lang mit meinem Kollegen Heinz-Rudolf Kunze und einem gemeinsamen Projekt unterwegs in Deutschland. Allerdings hatte ich mich in dieser Zeit auch von meinem langjährigen Bühnenpartner getrennt, und dies macht man nach über 30 Jahren nicht mal eben so.
Frage: Sie treten an diesem Freitag in Brake auf. Worauf können sich die Gäste bei ihrem Konzert, außer ihren Klassikern, noch freuen?
Purple Schulz: Auf jeden Fall wird das mit Markus Wienstroer an der Gitarre und Violine schon mal mehr als ein herkömmliches Konzert. Das aktuelle Programm hat eine außergewöhnliche Bandbreite in musikalischer als auch textlicher Hinsicht, wir arbeiten darüber hinaus übrigens auch mit Looopern auf der Bühne. Und es ist eine, in aller Bescheidenheit, in Deutschland einmalige Mixtur aus Musik, Kabarett, Comedy und Clownerie. Alles in allem wird es eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der gelacht und manchmal auch geweint wird; eben wie das Leben so ist.
Frage: Sie widmen sich zunehmend sozialen Themen. Was ist ihr Antrieb?
Purple Schulz: Wenn ich sehe, dass ich zum Beispiel mit meinem Video „Fragezeichen“ tatsächlich sowas wie ein Zeichen setzen konnte, dann berührt mich das sehr und spornt mich an, da weiter zu machen. Mittlerweile läuft es ja zum Einstieg bei Kongressen zum Thema Alzheimer und wird jungen Pflegeschülerinnen gezeigt, um ihnen einen Eindruck von der Wahrnehmung Demenzkranker zu vermitteln.
Frage: Dürfen wir uns auf ein neues Album mit sozialkritischen Texten von Ihnen freuen?
Purple Schulz: Im Herbst nächsten Jahres wird mein neues Album erscheinen. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr ganz einfach bei meinem Buch, in dessen Endlektorat ich gerade stecke. Die Themen der Songs haben wir alle schon beisammen, sie liegen ja in dieser Zeit quasi auf der Straße. Ich spiele ganz neue Songs übrigens am liebsten schon lange vor der Veröffentlichung, damit ich sehe, ob sie funktionieren. Und für die Braker habe ich natürlich auch einen dabei.
Ulrich Schlüter
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2320

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